Rund 80 Donatoren wurden in dieser Woche Zeugen eines Demonstrations-Trainings des FC Wohlen. Die kleinen Mäzene des Freiämter Challenge-Ligisten sassen auf der Tribüne im Stadion Niedermatten und schauten sich in lockerer Atmosphäre eine Schussübung der ersten Mannschaft an. «Ich bin total beeindruckt», sagte ein schelmisch lächelnder Augenzeuge nach der kleinen Lehrstunde. «Der eine oder andere Ball fand sogar den Weg ins Tor.»

Zynische Worte! Aber Sprüche gehören zum Fussball. Glücklicherweise stand nach dem munteren Scheibenschiessen auch noch ein kulinarischer Leckerbissen auf dem Programm. Während Speis und Trank war im Kreis der von Minute zu Minute immer besser gelaunten FCWSympathisanten auch der abwesende Monquez al-Yousef ein Thema.

Wie man hört, liess sich der neue Investor seinen Einstand beim FC Wohlen einen siebenstelligen Betrag kosten. Der Unternehmer aus Saudi-Arabien soll auf die Schnelle satte 1,4 Millionen Franken lockergemacht haben. Und er soll in der Zukunft bereit sein, jährlich Beträge zwischen 300 000 und 500 000 Franken zu bezahlen.

Bleiben wir bei den Fakten. Eine Tatsache ist in Stein gemeisselt: Ohne Monquez al-Yousef würde es den FC Wohlen ab der Saison 2017/18 in der Challenge League nicht mehr geben. Im Gegensatz zu seinem steinreichen Freund Mehmet Nazif Günal, der in den FC Wil zweistellige Millionenbeträge investiert, verzichtet Monquez al-Yousef darauf, beim FC Wohlen ins operative Geschäft einzusteigen oder eigene Leute zu installieren.

Bleibt trotzdem die Frage, warum der Heilsbringer beim FC Wohlen eingestiegen ist. Vielleicht hat er ja tatsächlich seine Liebe zum kleinen Klub vom Land entdeckt. Anderseits ist es gut möglich, dass der Unternehmer mit eigener Firma in Genf auch in der Deutschschweiz geschäftliche Ambitionen hat und sich früher oder später mit seiner Frau und den Kindern in der sicheren Schweiz niederlassen möchte.

Eine ansprechende Not für die Klubbosse des FC Wohlen

Der finanzielle Aspekt ist aus Sicht des FC Wohlen ein Faktor, der sportliche Aspekt ein anderer: Entscheidend ist, wie Verwaltungsratspräsident Lucien Tschachtli, Trainer und Sportchef Martin Rueda und der Transfer-Verantwortliche René Meier das Geld einsetzen. Entscheidend ist, was mit den rund 2,3 Millionen Franken passiert, die für das Kader der ersten Mannschaft zur Verfügung stehen. Nimmt man die Transfers auf diese Saison hin unter die Lupe, haben sich die Klubbosse eine genügende, ja ansprechende Note verdient.

Ein Kränzchen winden darf man ihnen für die Verpflichtungen der Innenverteidiger Florian Stahel und Sead Hajrovic. Sie sind beide solide Abwehrspieler. Im Fall von Stahel gilt es die im Umfeld des Klubs sehr hohen Erwartungen aber zu dämpfen. Dass der FC Vaduz dem früheren, in die Jahre gekommenen Meisterkicker des FC Zürich keinen Vertrag angeboten hat, muss seine Gründe haben. Durchaus Sinn machen die Zuzüge von Janick Kamber und Sandro Foschini.

Bleibt ein Blick auf die Offensive, in der Captain Alain Schultz nach wie vor die treibende Kraft ist. Man kann sogar sagen, dass der FC Wohlen im Spiel nach vorne am Tropf des 32-jährigen Dauerbrenners und Publikumslieblings hängt. Auf den Transfer eines Stürmers der Extraklasse wartete man vergeblich.

Die YB-Leihgabe Marko Dangubic ist bis jetzt den Beweis schuldig geblieben, ein Goalgetter zu sein. Im Fall von Janko Pacar muss ein ganz dickes Fragezeichen gesetzt werden. Ob Luzern, Kriens, Winterthur, Chiasso, Servette oder Petrolul Ploiesti; der 26Jährige war zwar ein Talent mit feiner Technik, hat im Verlauf seiner Karriere nichts, aber auch gar nichts gerissen. Bei allem Respekt, René Meier: Mit Pacar einen Dreijahresvertrag abzuschliessen, war wohl nicht gerade das Gelbe vom Ei.

Stellt sich schliesslich die Frage, was der FC Wohlen in seiner 15. Saison ohne Unterbruch in der Challenge League zu leisten vermag. Eine Prognose zu stellen, ist schwierig. Das primäre Ziel muss der Ligaerhalt sein. Die einzige Konstante des Teams ist nämlich die Inkonstanz. Die Mannschaft von Trainer Rueda ist eine Wundertüte.

Dem 3:0-Sieg zum Auftakt gegen Le Mont und dem 0:0 gegen Xamax folgten das 0:4 beim FC Zürich und das bittere 1:2 gegen Chiasso. Mit diesen Resultaten vor Augen scheint beim für den Verlauf der Meisterschaft wegweisenden Spiel zwischen Winterthur und Wohlen am Sonntag alles möglich.