2. Liga

Das Märchen des FC Niederwil und warum es ein Mann möglich machte

Der FC Niederwil schaffte dank Gino Saporito die Aufstiege von der 4. in die 2. Liga. Obwohl die Niederwiler gut in die Saison gestartet sind, will Saporito aber nichts von erneuten Aufstiegsambitionen wissen.

Der Stolz ist Gino Saporito ins Gesicht geschrieben. «Der FC Niederwil schreibt ein Märchen», sagt der Trainer. «Ich bin der Baumeister, aber ohne meine Assistenten Emilio Munera und Jorge Amaral, ohne die Mannschaft und ohne die vielen Helferinnen und Helfer im Umfeld des Vereins wäre dieser grosse Erfolg nicht möglich gewesen.»

Mag sein, aber Saporito spielt nun mal die Rolle des Märchenprinzen. Er ist seit 22 Jahren Trainer in Niederwil. Vor gut fünf Jahren übernahm er die erste Mannschaft und führte sie in seiner ersten Saison gleich von der 4. in die 3. Liga.

Vier Jahre später wurde der FC Niederwil 3.-Liga-Meister und stieg in die 2. Liga auf. Und nach dem 2:1-Sieg zum Auftakt der Saison beim Favoriten Lenzburg mischen die Niederwiler auch diese Liga auf. In den bisherigen sieben Spielen gab es fünf Siege, ein Unentschieden und nur eine Niederlage.

«Der Hauptgrund für den Höhenflug ist die Kontinuität innerhalb der Mannschaft», erklärt Saporito. «Ich konnte mit vielen Spielern schon als Trainer bei den C-Junioren arbeiten. Ich kenne also ihre Stärken und Schwächen genau. Ich weiss, was ich von ihnen verlangen kann und was nicht. Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass Erfolgserlebnisse Selbstvertrauen vermitteln.»

Und wie lautet das Saisonziel? Flirtet die Mannschaft nun sogar mit der 2. Liga interregional? «Nein, wir dürfen die Realität nicht aus den Augen verlieren», sagt Saporito. «Es wird Rückschläge geben. Den ersten Dämpfer erlebten wir am vergangenen Samstag beim 1:2 in Gränichen. Mein Ziel ist und bleibt der Ligaerhalt. 32 Punkte sollten dafür eigentlich reichen. Mit 16 Punkten haben wir die Hälfte schon jetzt eingefahren.»

Hohe Sozialkompetenz

Saporito ist 52 Jahre alt. Der Italiener ist in Aarau aufgewachsen, ging dort zur Schule und absolvierte eine zweijährige Lehre in einer Garage. Heute arbeitet er in Urdorf als Ausbildner von Lehrlingen, die geistig leicht behindert sind. An Sozialkompetenz fehlt es ihm also nicht. Das kommt ihm nicht nur im Beruf, sondern auch im Job als Trainer entgegen.

Saporito hat das Trainer-B-Diplom und war während zehn Jahren in der Juniorenabteilung des FC Wohlen tätig. Nach dem Umbruch des FC Wohlen und vor der Ära mit Präsident Andy Wyder wechselte er Mitte der 1990er-Jahre zu Niederwil. Saporito ist weder Einzelkämpfer noch Selbstdarsteller.

Mit Emilio Munera hat er auf diese Saison hin einen erfahrenen Mann in den Trainerstab geholt. Munera spricht in den höchsten Tönen vom Cheftrainer. «Es macht Spass, mit Gino zusammen zu arbeiten», sagt der ehemalige Trainer des FC Seengen. «Er ist ein offener Typ, spricht die Dinge, die ihn beschäftigen, direkt an und hat keine Allüren», sagt er.

Der sportliche Aufstieg des FC Niederwil ist für Saporito nur ein Aspekt. Wichtiger sind ihm die Bedeutung und das Innenleben des Kleinklubs. «Der FC Niederwil ist mein Zuhause», sagt er.

«Meine Frau Nicole ist hier geboren. Sie ist eine Niederwilerin. Mein Sohn Fabio ist Trainer der A-Junioren. Die Menschen kennen meine Frau, meinen Sohn und mich. Wenn ich im Dorf bin, werde ich immer häufiger auf meine Trainertätigkeit angesprochen. Der Fussballklub ist ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Eines können Sie mir glauben», fügt Saporito hinzu, «wer ein Heimspiel des FC Niederwil auf dem Sportplatz Riedmatten besucht, sieht nicht nur guten und unterhaltsamen Fussball, sondern kommt auch in den Genuss der besten Hamburger.»

Das Amateurteam der Stunde

Der FC Niederwil hat total 13 Mannschaften (neun Juniorenteams) und 226 Spielerinnen und Spieler. Präsident Ralf Meier ist seit 2010 im Amt. Angesprochen auf die Frage, wie hoch das Budget für die erste Mannschaft sei, lächelte Gino Saporito schelmisch und sagte: «Das Budget? Welches Budget! Wir haben kein Budget! Die Spieler verdienen nichts. Im Gegenteil. Wie alle Mitglieder zahlen sie den Jahresbeitrag von 290 Franken.»

Bleibt die Frage, ob die Überflieger in Zukunft noch höher steigen werden oder ob mit der regionalen 2. Liga die höchste Stufe erreicht ist. Eine Prognose fällt schwer. Eines aber ist klar: Der FC Niederwil ist im Aargau das Amateurteam der Stunde.

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Autor

Ruedi Kuhn

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