Schwingen

Das Jahr der erfüllten Ziele – Joel Strebel und die beste Saison seiner Karriere

Joel Strebel (l.) schwingt spektakulär – hier gegen Erich Fankhauser.

Haben starke Männer immer Hunger? Wir haben die Hoffnungsträger der Nordwestschweiz für das Eidgenössische Schwingfest in Zug (24. und 25. August) in ein Restaurant ihrer Wahl zum Essen eingeladen und dabei auch die Frage gestellt, wie wichtig die Ernährung im Spitzensport Schwingen ist. Einmal pro Woche lesen Sie an dieser Stelle die Antworten und erfahren mehr über die Männer, die in Zug überzeugen wollen. Heute: mit Joel Strebel im Steakhouse Bahnhof in Mettmenstetten.

Ein paar Tage brauchte es schon, bis Joel Strebel begriff, was er Mitte Juni in Zuchwil erreicht hat: Kranzfestsieger am Solothurner Kantonalschwingfest. Und als ihm die Dimension dieses nächsten Schritts in der Karriere eines Schwingers so richtig klar wurde, kam Tommy Herzog und holte Strebel sofort zurück auf den Boden. «Joel», sagte er zu mir, «auf dem Erfolg kannst du dich nicht ausruhen. Jetzt fängt es wieder bei null an.»

Herzog ist eine Koryphäe im Schwingen, obwohl er selbst nur zwei Kränze gewann. Trotzdem besuchen Hünen wie Christian Stucki sein Training im luzernischen Gunzwil. Die Sportler schätzen die Art und Erfahrung des Aargauers, der 2007 als Anschieber von Ivo Rüegg WM-Silber im Zweierbob gewann. «Er ist weit mehr als ein Trainer», sagt Strebel. Herzog hört zu, Herzog spricht mit den Sportlern. Er ist so etwas wie ein Psychologe ohne Diplom.

Gemeinsam hatten sie den Erfolg schnell eingeordnet und die Basis gelegt, dass Strebels Leistungshoch weitergeht. Auf der Rigi und am vergangenen Wochenende auf dem Weissenstein gewann er seine ersten beiden Bergkränze. Noch so ein Karriereziel eines Schwingers, nachdem er den ersten Teilverbandskranz schon 2015 in Jonen gewann.

Mit 16 begannen zwei zähe und harte Jahre

Doch anders als heute lagen damals zwischen dem ersten und dem zweiten Karriereziel fast zwei Jahre.

2013, erst 16-jährig, gewann Strebel seinen ersten Kranz. «Es war ein wunderbares Gefühl», erinnert er sich. Doch es folgte eine schwierige Zeit. «Es waren zwei zähe, harte Jahre», sagt der 22-Jährige im Rückblick. Sein jugendlicher Körper musste erst Schritt halten mit dem schwingerischen Talent. Kurz: Es fehlte ihm die Kraft, um gegen die «Bösen» zu bestehen.

Heute ist das anders. Strebel ist längst ein Modellathlet: gross und kräftig. Seine Gänge bestreitet er spektakulär – immer angriffig, dynamisch, mit Vollgas. Vom Kampfgericht wird er mit guten Noten belohnt, erhält für Niederlagen und Gestellte oft 0,25 Punkte mehr. Im Kampf um die Kränze ist das entscheidend.

Doch so gut wie in diesem Jahr lief es Strebel nicht immer. 2016 wollte er zu viel. «Ich ging bis zu fünfmal in der Woche ins Schwingtraining», erinnert er sich. Und irgendwann sagte sein Körper Stopp. Mit einem Riss des Syndesmosebandes fiel er drei Monate aus und verpasste den Grossteil der Saison. Sogar ohne Resultat blieb er im vergangenen Jahr. Am Zürcher Kantonalfest verletzte er sich im Duell mit Armon Orlik an der Schulter und musste in der Folge operiert werden. «Diese Verletzung war aber vor allem Pech und hatte nichts mit einer Überbelastung zu tun», sagt er heute.

Joel Strebel und sein Essen im Steakhaus Bahnhof.

Joel Strebel und sein Essen im Steakhaus Bahnhof.

Nicht nur Vorteile, für den Vater zu arbeiten

Und doch muss Strebel weiterhin aufpassen, sich nicht zu übernehmen. Als Gartenbauer arbeitet er für seinen Vater und hört oft, wie toll das sein müsse und wie flexibel es ihn mache. Beides stimmt zwar manchmal. «Aber wir sind ein Zweimannbetrieb, und die Familie lässt man in strengen Zeiten nicht einfach hängen», sagt er. Doch Strebel will sich nicht beklagen. «Auf Initiative meines Vaters mache ich zum Beispiel nach jedem Kranzgewinn am Montag frei.»

90 Prozent beträgt die Anstellung des gelernten Landmaschinen-Mechanikers. Daneben trainiert er bis zu dreimal pro Woche im Schwingkeller – mit dem Schwingklub Freiamt in Aristau, aber auch Mal als Gast in Einsiedeln, wo Cracks wie Pirmin Reichmuth trainieren. Dazu kommen zwei Einheiten pro Woche bei Kraft- und Ausdauertrainer Tommy Herzog.

Obwohl der Energiebedarf gross ist, achtet Strebel nicht speziell auf seine Ernährung, hat weder einen Ernährungsberater noch einen fixen Menuplan. Zwei Dinge sind ihm aber wichtig. Das Birchermüsli am Morgen vor dem Schwingfest. «Und manchmal auch noch eines zwischen den Gängen.» Und ein selber mitgebrachtes Mittagessen. «Man weiss nie, ob man das Menu auf dem Festplatz verträgt. Das Risiko will ich nicht eingehen», sagt der Freiämter.

Ende August will Strebel am Eidgenössischen Schwingfest ein nächstes Karriereziel erreichen und Eidgenosse werden. Abheben würde er aber auch im Falle des Kranzgewinns in Zug nicht. Tommy Herzog würde schon dafür sorgen.

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