Sandro Wehrli gehört bereits seit fünf Jahren zur ersten Mannschaft der Argovia Stars. Und das, obwohl er in diesem Jahr erst 20 Jahre alt geworden ist. Schon mit 15 ist der Torhüter ins Fanionteam des derzeit stärksten Eishockeyvereins des Kantons gerutscht und nimmt bereits seine dritte Saison als Stammtorhüter in Angriff. Eine beachtliche Leistung.

Eine Leistung vor allem auch, die man Sandro Wehrli nicht unbedingt zutrauen würde, wenn man ihn neben dem Eis trifft. Ohne die wuchtige Goalie-Ausrüstung fällt der gelernte Automatikmonteur aus Safenwil kaum auf.

Er sei weder allzu gross, noch sei er allzu kräftig, sagt er von sich selber. «Viele sind überrascht, wenn sie mich nach einem Spiel sehen – teilweise auch die Gegner. Und natürlich muss ich mir auch von meinen Teamkollegen hin und wieder mal einen Spruch anhören. Aber das ist okay, ich kann mich ja auf dem Eis dafür revanchieren», sagt er.

Dass Sandro Wehrli im Tor steht, ist kein Zufall. Im Gegenteil. Seit er als kleiner Knirps seinen Vater und seinen Onkel, die beide in der ersten Mannschaft der Aarauer gespielt haben, bei ihren Ernstkämpfen beobachtet hatte, hatte es ihm die Position des Torhüters angetan. «Ich war von Anfang an fasziniert vom Goalie. Er war immer auf dem Eis, hatte viel Einfluss aufs Spiel und die Paraden sahen spektakulär aus», erinnert er sich.

Alle Juniorenstufen in Aarau

Im Alter von sechs Jahren begann Wehrli seine Laufbahn als Eishockeyspieler. Und zwar von Anfang an als Torhüter. Als Feldspieler stand er nie im Einsatz. Er hat in Aarau sämtliche Juniorenstufen durchlaufen und zählt mittlerweile zu den Leistungsträgern der ersten Mannschaft.

In dieser Saison ist er gar der älteste und erfahrenste des Torhüter-Trios. «Das ist schon etwas speziell, da ich ja selber erst 20 bin. Aber die neue Rolle gefällt mir», sagt Wehrli, der im Sommer seine Lehre erfolgreich abgeschlossen hat.

Seither konzentriert er sich voll auf den Sport. Sein Ziel: eine Profikarriere. Mit einem Profivertrag hat es bisher noch nicht geklappt. Doch davon lässt sich Wehrli nicht entmutigen.

«Als Torhüter habe ich noch etwas mehr Zeit», sagt der 20-Jährige, der zusätzlich zu den Trainings bei den Argovia Stars fast täglich beim NLB-Team des EV Zug trainiert. Mit den Zugern pflegen die Argovia Stars eine Partnerschaft, von der nun auch Wehrli profitieren kann.

«Ich hoffe natürlich, dass ich mich in den vielen Trainings in Zug zeigen kann oder dass ein anderer Verein auf mich aufmerksam wird. Ein Anruf ist bislang aber noch nicht gekommen», sagt Wehrli, der pro Woche rund 15 Stunden auf dem Eis steht und teilweise bis zu drei Trainings pro Tag absolviert.

Krasser Aussenseiter

Am Mittwoch erhält Sandro Wehrli, der bei Zug bereits einige NLB-Partien bestreiten durfte, die Chance, sich auf der grossen Bühne zu präsentieren.

Die Argovia Stars treffen im Schweizer Cup auf das NLA-Team der SCL Tigers. In diesem Duell sind die Aarauer Erstligisten natürlich die krassen Aussenseiter. Klar ist aber auch, dass Sandro Wehrli viele Chancen bekommen wird, um sich auszuzeichnen.

«Ich werde alles versuchen, um mein Team so lange wie möglich im Spiel zu halten. Wir haben letztes Jahr im Cup gegen Olten gezeigt, dass wir auch gegen oberklassige Gegner mithalten können. Das wollen wir auch diesmal schaffen», sagt Wehrli.

Und wer weiss, vielleicht kommt ja nach dem Cupspiel gegen die SCL Tigers der langersehnte Anruf, der Sandro Wehrlis Profikarriere lanciert.