r lässt sich Zeit. 88 Minuten, genau gesagt. Aber dann wird es doch noch der Tag von Patrick Rossini: Nach einer gefühlvollen Flanke von Sturmpartner und Freund Alessandro Ciarrocchi hebt «Air Rossini» an der Strafraumgrenze wie ein Flugzeug ab, trifft den Ball perfekt, sodass dieser im entfernten Eck einschlägt. Ein Traumtor des Captains, technisch von allerhöchster Güte. Und es ist erst noch der 2:1-Siegtreffer für das Heimteam in einem ausgeglichenen Spiel gegen den FC Winterthur.

Es ist keine Augenweide, was der FC Aarau im ersten Spiel nach der Entlassung von Trainer Marinko Jurendic abliefert. Aber auf dem Platz steht eine Mannschaft, die Freude am Fussball zeigt und die vor allem konsequent nach vorne spielt. Eine Mannschaft, die in der Defensive einige Male überfordert ist und sich bei Goalie Lars Hunn bedanken muss, dass sie gegen Ende der zweiten Halbzeit nicht hoffnungslos zurückliegt, sondern immer noch die Chance zum Sieg hat. Aber eine Mannschaft, die mit Fleiss, Leidenschaft und Kampfeslust gefällt – Tugenden, die im Brügglifeld schon viel wert sind.

FC Aarau-FC Winterthur 2:1 – Stimmen zum Spiel

FC Aarau-FC Winterthur 2:1 – Stimmen zum Spiel

Interviews mit Lars Hunn, Matija Randjelovic sowie mit Cheftrainer Stephan Keller.

Runder Tag für Rossini

Zurück zu Rossini. Für ihn ist es ein durchs Band runder Tag: Er erzielt sein zehntes Saisontor. Und er feiert am Ostermontag seinen 30. Geburtstag. Nach dem Abpfiff rennen seine Kinder auf den Platz und bringen dem Papa Luftballone, auf der Tribüne singen die Fans ein Geburtstagständchen. Patrick Rossini, was will man mehr? «Es bedeutet mir viel, dass die Fans mich so schätzen. Mir liegt der FC Aarau sehr am Herzen.»

Dann ist die Verlängerung des auslaufenden Vertrags nur Formsache, oder? «Sagen wir so: Die Gespräche sind gut gelaufen, wir sind uns fast einig. Ich habe zwar Angebote von anderen Klubs, aber ich möchte beim FC Aarau bleiben. So wie es aussieht, werden wir in ein paar Tagen meine Vertragsverlängerung vermelden.» Ist es nur die Zuneigung zum FCA, die ihn bleiben lässt? «Es ist eine Mischung aus den Emotionen und der sportlichen Überzeugung. Ich denke, Sandro Burki (der Sportchef; d. Red.) baut eine gute Mannschaft für die nächste Saison auf. Ich möchte beim Neustart als Führungsspieler dabei sein.»

Der FC Aarau-Stürmer Patrick Rossini steht kurz vor der Vertragsverlängerung

Der FC Aarau-Stürmer Patrick Rossini steht kurz vor der Vertragsverlängerung

Rossini ist einer der elf FCA-Profis mit auslaufendem Vertrag, die Sportchef Burki unbedingt halten will. Ein weiterer ist Marco Thaler, der trotz Kreuzbandriss vor drei Wochen eine wichtige Rolle in Burkis Planungen spielt. Wegen der Verletzung wird sich seine Entscheidung hinauszögern.

Wer soll sonst noch bleiben? Wer muss weg? Indizien könnte die Startaufstellung von FCA-Interimscoach Stephan Keller bei seinem Debüt geliefert haben: Gilles Yapi (36) und Alessandro Ciarrocchi (30), unter Vorgänger Jurendic Fixstarter, sassen gegen Winterthur auf der Bank. Der wiedergenese Pascal Thrier (33) erhielt nicht einmal ein Aufgebot, obwohl auf der Ersatzbank noch Platz gewesen wäre. Anzeichen, dass die Drei sich neue Arbeitgeber suchen müssen?

Keller setzt auf Jugend

Statt auf Routine setzte Keller auf die Jugend: In der Innenverteidigung lief Matija Randjelovic auf – 16 Jahre alt und seit Januar im Profikader. «Keine Notlösung, sondern das Zeichen an Matija, dass er gut trainiert hat», sagt Keller zum spektakulären Personalentscheid. Und fügt an: «Er hat das gut gemacht.»

Keller appellierte im Vorfeld an die Freude der Spieler an deren Beruf. Hat er die gegen Winterthur gesehen? «Wir hatten einen Traumstart, spielten hervorragend und erzielten früh das 1:0. Nach dem 1:1 hatten wir schwierige Phasen, aber die Mentalität hat immer gestimmt. Die Spieler haben sich nie kleinkriegen lassen.» Auf die Frage, ob er vom Ende mit spätem Siegtreffer und den entsprechenden Emotionen geträumt habe, antwortet Keller: «Geträumt habe ich von einem 7:0 und totaler Dominanz meiner Mannschaft. Aber auch so war es wunderbar. Und ich weiss nach so einem Spiel, dass es noch viel zu tun gibt.»

Lesen Sie die Partie hier im Liveticker nach: