Seit dem Rücktritt von Erfolgstrainer René Weiler vor vier Jahren sind fünf (!) Trainer beim FC Aarau gescheitert. Nun versucht mit Patrick Rahmen Nummer 6, die erfolgreichen Zeiten von damals wieder aufleben zu lassen. Womit wir gleich beim Punkt sind: Nach fünf Fehlgriffen muss sich die Wahl von Rahmen als die richtige herausstellen. Die nächste Saison wird zur wichtigsten der Klubgeschichte, in der die Aarauer zwingend eine bessere Figur abgeben müssen.

Aus zwei Gründen: Das nationale Ansehen des einst stolzen Klubs aus dem Schmuckkästchen Brügglifeld hat seit dem Abstieg vor drei Jahren brutal gelitten. Der FC Aarau ist nur noch ein belächelter Provinzklub, der in der Challenge League mit Chiasso und Wil um die Ränge 6 bis 8 kämpft. Wer das nicht wahrhaben will, verkennt die Realität. Die nächste Saison ist die letzte Chance, den Fall in die endgültige Bedeutungslosigkeit zu verhindern. Dafür müssen sportlich wieder positive Schlagzeilen geschrieben werden.

Der zweite Grund, der den FCA zum Erfolg verdammt, ist die Volksabstimmung im Frühjahr 2019: In dieser entscheidet die Aarauer Bevölkerung, ob sie auf dem Areal Torfeld Süd ein von Hochhäusern flankiertes Fussballstadion will. Um seinen Teil zum positiven Ausgang der Abstimmung beizutragen, muss der FCA mit erfolgreichem und attraktivem Fussball das neue Stadion legitimieren.

Schon vor dem offiziellen Amtsantritt im Juni 2018 ist der Druck auf Patrick Rahmen riesig. Genauso auf Sandro Burki, der Rahmen ausgewählt und seinen ersten wegweisenden Entscheid als Sportchef gefällt hat. Was spricht dafür, dass das Duo Burki/Rahmen den FC Aarau aus dem Dornröschenschlaf wachküsst? Zuerst einmal, dass mit Burki ein modern denkender Fussball-Fachmann die Trainer-Evaluation durchgeführt hat. Burki hat auf Innovation und somit auf Risiko verzichtet und die allseits erwartete Variante «Patrick Rahmen» gewählt, dies muss jedoch nichts Schlechtes heissen: Der FCA braucht an der Seitenlinie keinen Traumtänzer, keinen Diktator und auch keinen Weltverbesserer.

Neuer FC-Aarau-Cheftrainer: «Patrick Rahmen ist ein kleiner Urs Fischer»

AZ-Fussballexperte Sebastian Wendel: «Patrick Rahmen ist ein kleiner Urs Fischer»

  

Der FC Aarau braucht einen bodenständigen und greifbaren Trainer, der weiss, in welch urtümlichem Kosmos er gelandet ist. Der bereit ist, sich der Trägheit und den begrenzten Möglichkeiten des Vereins anzupassen. Und nicht umgekehrt. Rahmens Vorgänger Marinko Jurendic entwarf am Reissbrett beeindruckende Verbesserungspläne, scheiterte mit diesen in der Praxis aber krachend, weil er die Realitäten im und um den FCA nicht wahrhaben wollte.

Mit der Ernennung von Patrick Rahmen zum Cheftrainer ist ein solides Fundament für die «Saison der letzten Chance» gelegt. Damit darauf ein schönes Gebilde entstehen kann, braucht es weitere, tiefgründige Veränderungen. Und zwar im Spielerkader: Durch die vielen auslaufenden Verträge bietet sich die Chance, das Team mit viel frischem Blut zu vitalisieren. Diese Gelegenheit müssen Burki und Rahmen beim Schopf packen – ohne Rücksicht auf Sentimentalitäten und persönliche Seilschaften. Denn der aktuellen Mannschaft traut man beim besten Willen nicht zu, den riesigen Erfolgsdruck in der nächsten Saison auszuhalten.

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