Challenge League
Das Ende eines Fluchs und zwei Jubilare in unterschiedlichen Gefühlswelten

Sebastian Wendel, Ruedi Kuhn
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Nach drei sieglosen Spielen wollte der FC Aarau im Brügglifeld gegen Winterthur endlich wieder gewinnen.
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Start nach Mass! 16 Minuten nach dem Anpfiff bringt Thiesson die Gastgeber mit 1:0 in Front.
Jubel beim FCA über das frühe Führungstor. Enttäuschung bei Winti-Spieler Davide Callà.
Winterthur-Stürmer Roman Buess deckt gegen FCA-Verteidiger Thiesson den Ball ab.
FCA-Verteidiger Raoul Giger bedrängt den Ballführenden Granit Lekaj.
David Callà gleicht die Partie in der 30. Minute aus.
Der Torschütze zum 1:1-Ausgleich lässt sich von seinen Mitspielern feiern.
Aarau-Captain Zverotiv kommt vor Samir Ramizi an den Ball.
Innenverteidiger Thiesson klärt den Ball vor Roberto Alves.
Simon Enzler muss in der ersten Halbzeit einmal hinter sich greifen. Gegen Callàs Abschluss in der 30. Minute ist er machtlos.
Liridon Balaj und Mats Hammerich gegen den Winterthurer Gezim Pepsi. Die erste Halbzeit lebte von vielen Zweikämpfen.
Kevin Spadanuda im Laufduell mit Gabriel Isik.
Aarau-Abwehrchef Leon Bergsma schirmt gegen Samir Ramizi den Ball ab.
Jubel beim FC Aarau nach 65 Minuten. Stojilkovic bringt den FCA mit 2:1 in Front.
Filip Stojilkovic jubelt über seinen Treffer.
Gezim Pepsi wird eng von Oliver Jäckle markiert. Der Aarauer musste nach 83 Minuten mit Gelb/Rot vom Platz.
Granit Lekaj dribbelt Marco Aratore aus.
Platzverweis nach 82 Minuten. Oliver Jäckle sah nach einem Foul die zweite gelbe Karte.
Marco Aratore, hier im Zweikampf gegen Granit Lekaj, wurde in der 2. Halbzeit eingewechselt.
FCA-Trainer Keller gibt Misic letzte Anweisungen vor der Einwechslung. Joker Misic entscheidet die Partie mit seinem 3:1-Treffer in der 92. Minute.

Nach drei sieglosen Spielen wollte der FC Aarau im Brügglifeld gegen Winterthur endlich wieder gewinnen.

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Auch wenn sie demonstrativ darauf verwiesen, nie ins Zweifeln geraten zu sein: Die Erleichterung konnten die Akteure des FC Aarau nach dem 3:1-Heimsieg gegen Winterthur nicht kaschieren. Nach zuletzt drei gefälligen, aber nur mit einem Punkt belohnten Auftritten entsprach die Anzeige auf der Resultattafel endlich dem Gezeigten auf dem Rasen. Kommt dazu: Ausgerechnet im ersten Spiel nach der Bekanntgabe, dass der erkrankte Topksorer Shkelzen Gashi bis im Frühjahr 2021 ausfallen wird, agierte die Mannschaft im Torabschluss mit der nötigen Effizienz - von vier Schüssen aufs gegnerische Tor landeten drei im Netz.

Seit dem Freitagabend ist auch ein anderer, kleiner Fluch Geschichte: Der FC Aarau kann nämlich doch noch gegen Winterthur gewinnen. Sechs Mal blieb der Versuch zuvor erfolglos – darunter zwei empfindliche 2:5-Klatschen. Der bis dato letzte Sieg gelang am 17. März 2019, am 25. Spieltag der Saison 2018/19, als der damalige Abwehrchef Nicolas Bürgy seinen einzigen Treffer für den FC Aarau während der einjährigen Leihe aus Bern erzielte. Das 1:0 gegen einen Direktkonkurrenten war ein kapitaler Schritt auf dem Weg in die Barrage.

Zurück in die Gegenwart, zum Spiel am Freitagabend: Es zeigte auf, dass der FC Aarau sich nicht verstecken muss vor einem Klub wie dem FC Winterthur, dessen Kader punkto Breite und Prominenz demjenigen der Aarauer überlegen ist. Die Partie brachte jedoch auch hervor, dass der FC Aarau einfach nicht zu Null spielen kann.

Daran keine Schuld trägt Goalie Simon Enzler, der im Sommer aus Luzern aufs Brügglifeld gewechselt ist. Abgesehen von seinem Patzer vor Wochenfrist gegen GC (0:1) ist Enzler der Rückhalt, den ein junges und neu geformtes Team braucht. Stellvertretend dafür stehen die zwei Penaltys, die Enzler als FCA-Goalie bereits parieren konnte. Auch gegen Winterthur brauchte es seine Interventionen, um nicht einem Rückstand hinterherzulaufen und später, um nicht in der Schlussphase den Ausgleich zu kassieren.

Doch auch Enzler konnte bislang eine nun 27 Meisterschaftsspiele andauernde Serie nicht unterbrechen: Die, dass der FC Aarau in jeder Partie mindestens ein Gegentor erhält. Letztmals zu Null spielte man beim Rückrundenauftakt der vergangenen Saison, 2:0 hiess es auswärts gegen Stade Lausanne-Ouchy. Danach beendete der FCA die Spielzeit 2019/20 als Schiessbude der Liga mit insgesamt 80 Gegentoren, 2,2 pro Spiel. Nach zehn Partien in der laufenden Saison sind es bereits wieder 17 Gegentreffer, wobei nach genauerem Hinschauen zu erwähnen ist: Insgesamt zeigt sich die FCA-Abwehr in dieser Saison einigermassen stabil: Nur drei Mal gab es mehr als einen Gegentreffer: Beim 2:2 gegen Kriens, beim 1:3 gegen Wil und beim 2:5 gegen? Na klar, den FC Winterthur, gegen den sich Aarau im Rückspiel im Brügglifeld auf überzeugende Art und Weise für die Pleite am 2. Spieltag revanchierte.

Zwei Jubilare, zwei Gefühlswelten

Grund zum Feiern hatten Raoul Giger und Olivier Jäckle. Giger spielte gegen Winterthur zum 100. Mal im Dress des FC Aarau. Der 23-jährige Rechtsverteidiger zeigte eine starke Partie, liess auf seiner Seite nichts anbrennen und setzte auch offensive Akzente. Er spielte wie zuletzt meistens mit Herzblut und Leidenschaft. Im Gegensatz dazu erlebte Jäckle während seiner 250. Partie für die Aarauer einen rabenschwarzen Abend. Einerseits war der 27-jährige Mittelfeldspieler in einigen Szenen unkonzentriert und leistete sich ungewohnte Fehlpässe ohne Not. Anderseits kassierte er nach 83 Minuten die gelb-rote Ampelkarte. Jäckle unterlief nahe der Mittellinie ein taktisches Foul gegen Winterthurs Anas Mahamid. Die zweite Verwarnung führte schliesslich zum Platzverweis. Die rote Karte ändert allerdings nichts daran, dass Jäckle für den FC Aarau seit Jahren eine zentrale Rolle übernimmt. Er gab sein Debüt am 22. April 2012 beim 3:0 gegen Brühl St. Gallen. Mehr als achteinhalb Jahre später ist er noch immer ein Aarauer und wird das Zeit seiner Profikarriere aller Voraussicht nach auch bleiben. Jäckle ist seit 1981 der 14. Spieler im Dress des FC Aarau, der die Marke von 250 Spielen erreicht. Rekordspieler des FC Aarau ist übrigens Sportchef Sandro Burki mit 373 Einsätzen von 2006 bis 2017 - ob Jäckle seinen ehemaligen Mitspieler und jetzigen Chef dereinst übertrumpfen wird? (ruku/wen)

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