Je eine WM- und Olympia-Bronzemedaille, drei Teilnahmen an Olympischen Spielen, Meistertitel in der Schweiz und Schweden, mehrere Jahre in einer der besten Ligen der Welt in den USA: Der Palmarès der 27-jährigen Marty-Twins gehört zum Besten, was es im Schweizer Frauen-Eishockey gibt.

Jahrelang gehörten die Zwillinge zu den Leistungsträgerinnen im Nationalteam, Julia in den letzten Jahren zudem als Captain. Nun ist das letzte Länderspiel gespielt, der Rücktritt gekommen. Verteidigerin Julia hängt die Schlittschuhe gar ganz an den berühmten Nagel, Stürmerin Stefanie spielt zumindest noch eine weitere Saison – und dies nach ihrem Schweden-Abstecher wieder bei Université Neuchâtel.

Lehrreiche Zeit in den USA

Der Exploit von Sotschi, der Gewinn der Bronzemedaille an den dritten Olympischen Spielen ihrer Karriere, ist für beide der wohl wichtigste Höhepunkt ihrer langen Karriere. Beiden fällt es jedoch schwer, «meine 20 Jahre Eishockey und 12 Jahre in der Nationalmannschaft auf ein einziges Ereignis zu reduzieren», wie Stefanie Marty sagt.

Beide sehen im vierjährigen Studium in den USA – Stefanie ein Jahr an der University of New Hampshire und danach an der Syracuse University, Julia nach dem gemeinsamen ersten Jahr an der Northeastern University – einen wichtigen Abschnitt ihrer Karriere. Julia spricht von einer sehr lehrreichen Zeit.

Auch die Jahre in Schweden – beim schwedischen Serienmeister Linköping – stehen zuoberst in der Hierarchie der Karrierehöhepunkte. Zusammen natürlich auch mit dem überraschenden Gewinn der WM-Bronzemedaille 2012 in Burlington. Dabei schwärmt Stefanie speziell von der Saison 2013/2014 in Schweden, der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. «Ich habe die Tatsache, dass ich tagtäglich mit unzähligen Weltklassespielerinnen trainieren und spielen konnte, extrem genossen», sagt Stefanie.

Dem Verband erhalten bleiben

Nur wenige Jahre haben die Zwillinge nicht im gleichen Team gespielt, drei Jahre in den USA, später, als sich Stefanie für eine halbe Saison dem HC Université Neuchâtel anschloss, bevor sie nach Linköping zurückkehrte und Julia die Saison mit Reinach bestritt. Es sollte die letzte für sie sein, denn neben dem Nationalmannschaft-Rücktritt wird Julia Marty auch nicht mehr ins Klubgeschehen eingreifen.

«Ich habe im März im neuen Sportmedizin-Zentrum Altius Swiss Sportmed Center eine Stelle als Leistungsdiagnostikerin angetreten», sagt Julia, die sich weiterhin an der ETH Zürich zur Sportlehrerin ausbilden lässt und «erst mal die freie Zeit geniessen will».

Raeto Raffainer, der Direktor der Nationalmannschaften des Verbandes, will Julia Marty «in irgendeiner Form, vielleicht auch als Trainerin, im System behalten». Etwas, «das ich mir durchaus vorstellen könnte», wie Julia sagt. Festlegen will sie sich allerdings noch nicht, vorerst wird sie ein Wochenende mit der U18-Nati verbringen. In den Länderspielen gegen Deutschland gehört sie dem Trainerstab an.

Stefanie hingegen wird weiterhin in der Schweizer Meisterschaft spielen, wieder bei Uni Neuchâtel, wo man sie «als leuchtendes Vorbild auf und neben dem Eis», so Uni-Verantwortliche Laure Aeschimann, mit offenen Armen empfangen hat. Beruflich hat sie eine Stelle bei der SBB in Bern gefunden und will sich «erst einmal in der Berufswelt einleben, bevor ich langfristig plane».