FC Aarau

Das Duell der Riesen: FCA-Verteidiger Giuseppe Leo trifft auf Lausanne-Stürmer Aldin Turkes

Giuseppe Leo und der FC Aarau kassierten diese Saison in 10 Spielen 22 Gegentore. Bild: Freshfocus

Giuseppe Leo und der FC Aarau kassierten diese Saison in 10 Spielen 22 Gegentore. Bild: Freshfocus

In der Partie des FC Aarau gegen Leader Lausanne-Sport trifft die statistisch schlechteste Defensive auf die beste Offensive. Es kommt auch zum spannenden Vergleich zwischen den beiden 1,93-Meter-Hünen Giuseppe Leo und Aldin Turkes.

Giuseppe Leo weiss genau, was auf ihn zukommt. «Turkes ist ein sehr guter Stürmer. Grossgewachsen, schnell und einer, der vorne die Bälle festmachen kann. Und der weiss, wo das Tor steht.»

Angst, dass es nach den fünf Gegentoren in Lausanne erneut gehörig im Aarauer Netz rappeln könnte, hat Leo nicht. Obwohl die Statistik genau das befürchten lässt.

Gemäss dieser stellen die Waadtländer mit 26 Treffern den stärksten Angriff der Challenge League, die Aarauer aber mit 22 Gegentoren die schwächste Defensive. Das ficht Leo nicht an: «Heimspiel, 20 Uhr, Flutlicht, viele Zuschauer – was gibt es Schöneres?»

Was er bescheiden nicht erwähnt: Bei neun der zehn einkassierten Tore in Lausanne und in Vaduz ist er gar nicht auf dem Platz gestanden. Der 24-Jährige verzichtet indes auf eine Manöverkritik an seinen Teamkollegen. Er sagt nur «Wir können es sicher besser und müssen heute Abend vor allem geduldig sein. Nicht meinen, eine frühe Führung sei Pflicht. Besser ist, zuerst einmal kompakt und gut zu verteidigen», sagt Leo.

Giuseppe Leo kommt beim FC Aarau immer besser in Form.

Giuseppe Leo kommt beim FC Aarau immer besser in Form.

Rahmen bescheinigt ihm viel Entwicklungspotenzial

Wie Gegenspieler Turkes misst auch der Aarauer Innenverteidiger 1,93 Meter und freut sich auf das Duell der Riesen. «Ich spiele lieber gegen grosse Spieler», sagt Leo. Sein Trainer Patrick Rahmen ist froh, hat er mit dem robusten Innenverteidiger eine Antwort auf die physische Präsenz von Turkes parat. «Giuseppe hat grosse Qualitäten im Infight, antizipiert gut, und auch sein Aufbauspiel ist okay», sagt Rahmen. «Er muss aber noch konstanter werden.»

Leo spielte bereits gegen Turkes in der vergangenen Saison, damals spielte der Stürmer allerdings noch für Rapperswil.

Leo spielte bereits gegen Turkes in der vergangenen Saison, damals spielte der Stürmer allerdings noch für Rapperswil.

Weil er vor seinem Wechsel zum FC Aarau im Sommer 2018 beim Karlsruher SC nicht oft gespielt habe, sei er zu Beginn etwas schwer in die Gänge gekommen, sagt Rahmen. «Aber er ist erst 24-jährig und hat noch viel Entwicklungspotenzial.»

Leo sieht das auch so, doch haben seine Erfahrungen ihn gelehrt, nicht zu weit in die Zukunft zu denken. Seit einem Kreuzbandriss vor fünf Jahren, als er es eben erst in die zweite Mannschaft von Bayern München geschafft hatte, nimmt er jeden Tag so, wie es eben kommt. Was allerdings nicht bedeutet, sein Ehrgeiz habe gelitten.

Er ist schon stolz darauf, während 13 Jahren das Bayern-Trikot getragen zu haben, hat seinen Wechsel in die Schweizer Provinz aber noch nie bereut. Über seine erste Saison hier sagt er: «Ein Wahnsinn, was geschehen ist. So etwas Krasses werde ich nie mehr erleben: Ein miserabler Start, eine sensationelle Aufholjagd und mit dem 4:0 und 0:4 sowie der Niederlage im Penaltyschiessen gegen Xamax eine Barrage, wie sie verrückter nicht sein kann.»

Da sei ihm wieder einmal klar geworden, wie unberechenbar der Fussball sei, wie nah Freud und Leid beisammen lägen. «Ich denke, diese Erfahrungen haben mich gelassener gemacht», sagt Leo.

Leo freut sich auf das Duell gegen Lausanne-Stürmer Turkes.

Leo freut sich auf das Duell gegen Lausanne-Stürmer Turkes.

Der Münchner mit venezianischen Wurzeln ist sich sicher, dass der FC Aarau auch in dieser Saison vorne mitmischt. Nach der Verpflichtung von Serey Dié könne man nicht mehr von einem Substanzverlust im Vergleich mit der letzten Spielzeit sprechen. «Wir werden uns gegen Lausanne nicht verstecken», verspricht Leo.

«Ich habe mich bei Lausanne vom ersten Tag an wohlgefühlt»

Aldin Turkes muss nicht lange nachdenken. «Klar kenne ich Leo. Ich habe mit Rapperswil gegen ihn gespielt. Er ist gut im Zweikampf und kopfballstark.» Dreimal hat der 23-Jährige in seiner Laufbahn bisher gegen Aarau getroffen, im direkten Duell mit Giuseppe Leo aber noch nie.

Das Tor vor einem Jahr war ein Penalty, und beim 5:1 vor zwei Monaten mit seinem neuen Klub Lausanne-Sport erzielte er zwar das 2:0, doch in jener Partie drückte Leo die Ersatzbank.
Turkes sitzt am frühen Dienstagnachmittag in einem Raum im Bauch der Pontaise und ist bestens gelaunt. Kunststück: Mit acht Toren in zehn Spielen hat er bei seinem neuen Arbeitgeber eingeschlagen. «Ich habe mich bei Lausanne vom ersten Tag an wohlgefühlt», sagt Turkes.

Turkes erzielte zuletzt acht Tore in zehn Partien für Lausanne.

Turkes erzielte zuletzt acht Tore in zehn Partien für Lausanne.

Mit seinem Sturmpartner Andi Zeqiri (sieben Tore) versteht er sich auf und neben dem Platz blendend. «Wir verständigen uns zwar mit Hand und Fuss, weil er nur französisch spricht und ich noch dabei bin, es zu lernen», sagt Turkes. «Aber wir haben dieselbe Mentalität und denselben Humor.»


Beim FC Rapperswil-Jonaging bei ihm der Knopf auf


In der Karriere des Zugers ging es bisher rauf und runter. Die Klubs: Luzern, GC, FCZ, Vaduz, Rapperswil und jetzt Lausanne-Sport. Bei den Hoppers hat er einst eine Lehre zum Büroassistenten gemacht und beim FCZ nach sieben Spielen unter Trainer Sami Hyypiä geglaubt, er starte durch, bevor ihn Uli Forte aussortierte.

Mit Giorgio Contini hatte er es in Vaduz gut, unter Roland Vrabec weniger. Aber er war erstmals von zu Hause weg und lernte, wie es ist, ein Leben als Profi zu führen. «In Rapperswil ist mir dann der Knopf aufgegangen», sagt Turkes und ist Trainer Urs Meier dankbar, dass er ihm Vertrauen geschenkt habe. Mit 16 Toren wurde er zusammen mit dem Krienser Nico Siegrist Torschützenkönig in der Challenge League.


Logisch, dass er umworben wurde. Auch der FC Aarau hätte ihn gerne gehabt. «Ich konnte mir schon vorstellen, für ihn aufzulaufen, und hatte ein gutes Gespräch mit Trainer Patrick Rahmen», erzählt Turkes. «Aber dann kam das Angebot von Lausanne, und ich konnte nicht Nein sagen.» Zumal Contini dort Trainer ist. Dieser sagt: «Aldin hat sich sehr positiv entwickelt. Er ist technisch stark und hat Selbstvertrauen. Er kann es weit bringen.»

Auch der FC Aarau war im Sommer an Aldin Turkes interessiert.

Auch der FC Aarau war im Sommer an Aldin Turkes interessiert.


Turkes, in seiner Freizeit ein passionierter Fortnite-Gamer, braucht den Entscheid nicht zu bereuen. Leader in der Tabelle, Leader in der Torschützenliste und bei einem Verein, dem es an nichts fehlt. Sein Vorbild ist Zlatan Ibrahimovic, «weil dieser nicht nach links und nicht nach rechts schaut und tut, was er für richtig hält.»


Turkes hat in den U17- bis U20-Auswahlen für die Schweiz gespielt und einmal für Bosnien-Herzegowina in der U21. Er sei ein wenig enttäuscht gewesen, dass er trotz der vielen Tore für Rapperswil vom Schweizer Verband nichts mehr gehört habe. Und hat dann in seinem zweiminütigen Einsatz für Bosnien gegen Portugal gleich ein Tor geschossen.


Treffen will er heute Abend auch gegen den FC Aarau. «Ich liebe es, im Brügglifeld, diesem stimmungsvollen Stadion, zu spielen», sagt Turkes.

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