FC Wohlen
Das Drama um Janko Pacar: Der Goalgetter wird in dieser Saison keine Tore mehr schiessen

Kreuzband gerissen, Seitenband gerissen, Meniskus gerissen – Janko Pacar, der Torjäger des FC Wohlen, liegt flach.

Ruedi Kuhn
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Da lief es Pacar noch rund: Der Stürmer traf im Derby gegen Aarau gleich zweimal.

Da lief es Pacar noch rund: Der Stürmer traf im Derby gegen Aarau gleich zweimal.

Marc Schumacher/freshfocus

«Die Verletzungen in meinem rechten Knie sind schlimm», sagt Janko Pacar. «Noch viel schlimmer ist der psychische Schmerz. Aber ich möchte nicht über die schrecklichen Ereignisse sprechen. Ich muss erst einmal verkraften, was passiert ist. Ich brauche einige Tage Abstand.»

Bittere Worte von Pacar, aber was ist passiert? Blicken wir zurück: Eine Stunde ist im Meisterschaftsspiel vom Samstag zwischen dem FC Wohlen und Neuchâtel Xamax (1:2) am vergangenen Samstag gespielt: Pacar liefert sich mit Gegenspieler Samir Ramizi ein Laufduell. Der Mittelstürmer des FC Wohlen rutscht nahe der gegnerischen Grundlinie aus, bleibt mit dem rechten Bein im Rasen hängen, stürzt und bleibt am Boden liegen.

An Rückschläge gewöhnt

Das Unheil nimmt seinen Lauf: Wohlens elffacher Saisontorschütze muss während mehrerer Minuten behandelt und mit der Bahre vom Spielfeld getragen werden. Nach Spielschluss humpelt Pacar an Krücken in Richtung Ausgang des Stadions Niedermatten. Er wird in die Luzerner Klinik St. Anna überliefert und geröntgt.

Nach einer weiteren Untersuchung mittels einer Magnetresonanz-Tomographie (MRT) steht die Diagnose fest: Das vordere Kreuzband und zusätzlich das Seitenband im rechten Knie sind gerissen. Ausserdem ist auch der Meniskus gerissen. Operiert wird Pacar allerdings erst dann, wenn die Schwellung am Knie weg ist. Das dürfte in rund zehn Tagen der Fall sein.

Bilder der Partie gegen Xamax:

Janko Pacar muss das Feld auf der Bahre verlassen. Er könnte bis zu sechs Monate ausfallen.
3 Bilder
Max Veloso (Xamax) gegen Florian Stahel (Wohlen)
FC Wohlen - Xamax (30. Runde, Challenge League, 2016/17)

Janko Pacar muss das Feld auf der Bahre verlassen. Er könnte bis zu sechs Monate ausfallen.

freshfocus

«Ich habe den Knall gehört und wusste, dass mein rechtes Knie zerfetzt ist», sagt Pacar. «Bis jetzt wurde ich in meiner Karriere von schlimmen Verletzungen verschont, aber nun hat es mich ganz böse erwischt.» An Rückschläge ist sich Pacar allerdings gewöhnt. Der Mittelstürmer des FC Wohlen erlebte während seiner acht Jahre im Profi-Geschäft einige Tiefen.

Dabei hatte alles so gut begonnen. Der Sohn von Eltern mit kroatischen Wurzeln galt als grosses Talent und war gerade einmal 18 Jahre alt, als ihm der FC Luzern einen langfristigen Profivertrag anbot. Der damalige Luzern-Trainer Rolf Fringer hielt grosse Stücke auf das kleine Juwel. Pacar verfügte zweifellos über das Rüstzeug für eine grosse Karriere. Er war schnell, trickreich, unberechenbar und torgefährlich.

Durchbruch gelang ihm nie

Blickt Pacar heute auf seine Karriere zurück, kann und darf er allerdings nicht zufrieden sein. Der Durchbruch ist ihm nicht gelungen. Vor dieser Saison musste er sogar mit anderen arbeitslosen Berufsfussballern in Dietikon trainieren. Er wartete lange Zeit vergeblich auf Angebote von Klubs aus der Super oder Challenge League. Kurz vor dem Meisterschafts-Auftakt bot Wohlens Ehrenpräsident René Meier Pacar einen Dreijahresvertrag an.

Drei Jahre? Was für ein Vertrauensbeweis! Manch einer stellte sich damals die Frage: Was will der Freiämter Challenge-Ligist mit Pacar, der in den Jahren zuvor bei Klubs wie dem SC Kriens, Winterthur, Chiasso, Servette und dem rumänischen Klub Petrolul Ploiesti nie richtig auf Touren kam?

Bei Wohlen kam Pacar in die Gänge und entwickelte sich um Goalgetter.

Bei Wohlen kam Pacar in die Gänge und entwickelte sich um Goalgetter.

Urs Lindt/freshfocus

Hohe Ziele gesetzt

Die Antwort auf diese Frage gab Pacar selbst: Elf Tore hat er in dieser Saison schon erzielt. Gegen Xamax (4:1), Chiasso (2:0) und zuletzt im Derby gegen den FC Aarau (3:0) wurde der 26-jährige Offensivspieler sogar zum Doppeltorschützen. Für den Goalgetter ist die starke Ausbeute keine Überraschung.

«Ich habe mir in meiner Laufbahn immer hohe Ziele gesetzt», sagt er. «Mein Ziel in dieser Saison waren mindestens zehn Tore. Jetzt habe ich schon elf. Und ich bin sicher, dass mir im Schlussspurt noch der eine oder andere Treffer gelingen wird», gab sich Pacar noch vor dem für ihn verhängnisvollen Spiel gegen Xamax zuversichtlich.

Ein Tor wird Pacar in dieser Saison nicht mehr schiessen. Die schwere Knieverletzung und der Meniskus-Schaden zwingen ihn aller Voraussicht nach zu einer Pause bis Ende dieses Jahres. Ein kleines Trostpflaster gibt es: Weil Pacar beim FC Wohlen einen Vertrag bis 2019 unterschrieben hat, muss er sich wenigstens in finanzieller Hinsicht keine Sorgen machen.