Die Konsequenz: Der HSC Suhr Aarau ist in den letzten zwei Runden der Qualifikation dringend auf Punkte angewiesen, um die Finalrunde doch noch zu erreichen. Doch wie soll die Negativspirale durchbrochen werden?

Vielleicht kommt der heutige Cuphalbfinal dafür genau richtig. Zwar müssen die Aarauer einmal mehr auswärts antreten und Pfadi Winterthur ist der klare Favorit, doch das hält den HSC Suhr Aarau nicht davon ab, dieses Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Schliesslich will man erstmals seit elf Jahren wieder einen Cupfinal erreichen. «Wir gehen nach Winterthur, um zu gewinnen. Natürlich wird es ein schwieriges Spiel, aber wir wissen, dass wir Pfadi schlagen können», sagt Joel Kaufmann und fügt hinzu. «Der Cuphalbfinal ist auch im Hinblick auf die Meisterschaft extrem wichtig. Wenn wir gewinnen, kann das enorm viel auslösen.»

Nur dem HSC zu Liebe

Der 26-jährige Flügelspieler des HSC Suhr Aarau läuft heute Abend zum ersten Mal in seiner Karriere in einem Cuphalbfinal auf. Eine Karriere, die er 2014 eigentlich schon beendet hatte. Damals – nach sechs Jahren in der ersten Mannschaft des HSC Suhr Aarau – entschied er sich aufgrund mehrerer Verletzungen, darunter ein Knorpelschaden im Fuss, kürzerzutreten. Die Schmerzen waren zu gross. Kaufmann spielte daraufhin noch kurz in der Nationalliga B, zuletzt lief er in der 1. Liga bei Olten auf. Mit dem Spitzenhandball hatte der Gränicher abgeschlossen. Er konzentrierte sich auf seine berufliche Karriere und hat berufsbegleitend die Bauführerschule in Angriff genommen.

Doch dann kam im Sommer der Anruf des HSC Suhr Aarau. Aufgrund der Verletzung von Beau Kägi war die Mannschaft auf der Flügelposition plötzlich nur noch dünn besetzt und brauchte einen erfahrenen Backup. «Ich bin ehrlich: Von mir aus hätte ich nie mehr eine Rückkehr in den Spitzenhandball ins Auge gefasst. Und ich hätte es auch für keinen anderen Verein getan ausser für den HSC Suhr Aarau. Ich bin in diesem Verein gross geworden und habe ihm extrem viel zu verdanken. Daher war für mich klar, dass ich es probieren werde, auch wenn ich weiss, dass es für meinen Körper sicher nicht das Beste ist», sagt Kaufmann. Sein Fuss schmerzt praktisch nach jedem Training, teilweise wird schon das Treppenlaufen zur Qual. «Das gehört für einen Handballer halt dazu», so Kaufmann lapidar.

Joel Kaufmann im Einsatz für den HSC Suhr Aarau.

Joel Kaufmann im Einsatz für den HSC Suhr Aarau.

Auch wenn Joel Kaufmann meist nur wenige Minuten pro Spiel auf dem Parkett steht, kommt ihm innerhalb der Mannschaft eine wichtige Rolle zu. «Ich bin ein alter Hase beim HSC Suhr Aarau und kann den Jungen zeigen, dass man stolz sein muss darauf, in der ersten Mannschaft spielen zu dürfen. Diese Vorbildfunktion will ich übernehmen», so Kaufmann. Eine Rolle, die ihm liegt und die er mit vollem Einsatz ausübt. Es überrascht daher nicht, dass er jeweils der lauteste HSC-Spieler auf der Bank ist und seine Mitspieler anfeuert.

Genau diese Extra-Energie von der Bank könnte im heutigen Cupspiel gegen Pfadi Winterthur entscheidend sein. «Die knallharte Deckung von Pfadi wird uns wehtun. Umso wichtiger ist es, dass wir eine extrem gute Teamleistung abrufen können. Dafür braucht es eine Top- Stimmung im Team, aber auch auf der Bank und auf der Tribüne», weiss Joel Kaufmann.