FC Aarau
Darum ist der FC Winterthur heute nicht der Favorit

In den letzten 30 Matches gingen die Mannschaft von Cheftrainer Boro Kuzmanovic nur selten als Verlierer vom Spielfeld: Der FC Aarau gehörte zu den Bezwingern. Auf dem Brügglifeld konnten die Zürcher seit 1981 sage und schreibe nur einmal punkten.

Patrick Haller
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Der FC Winterthur, ein Phänomen

Der FC Winterthur, ein Phänomen

Keystone

Abgesehen vom FC Basel (im Halbfinale des Schweizer Cups) liess sich Winterthur im vergangenen Frühjahr ausschliesslich vom FC Aarau bezwingen, der das Heimspiel dank einem späten Penaltytreffer von Shkelzen Gashi mit 2:1 zu seinen Gunsten entscheiden konnte.

FC Aarau: 29 Jahre voller Hochs und Tiefs
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FC Aarau: 29 Jahre voller Hochs und Tiefs

Die Aarauer setzten somit eine eindrückliche Serie gegen Winterthur fort - von den 16 Direktduellen (seit 1981) endeten 15 Begegnungen mit einem Aarauer Sieg; nur einmal sicherten sich die Zürcher wenigstens einen Punkt. Einen Auswärtssieg von Winterthur gab es im Stadion Brügglifeld letztmals vor rund 45 Jahren zu sehen. Auch in der aktuellen Spielzeit kam der bislang einzige Bezwinger der
Eulachstädter aus dem Aargau, als sich der FC Wohlen auf der Schützenwiese überraschend mit 1:0 durchzusetzen wusste.

Ansonsten feierte «Winti» verdiente Siege gegen Locarno (5:0), Vaduz (2:0) und Chiasso (1:0) - also gegen jene drei Mannschaften, die dem FC Aarau im bisherigen Saisonverlauf einige Punkte abnahmen. Zuletzt siegte Winterthur auch zu Hause gegen den Aufstiegskontrahenten aus Bellinzona (1:0), um sich endgültig an der Tabellenspitze zu etablieren.

(Noch) ist gut Lachen bei Boro Kuzmanovic und FC Winterthur Gut Lachen bei Boro Kuzmanovic und FC Winterthur

(Noch) ist gut Lachen bei Boro Kuzmanovic und FC Winterthur Gut Lachen bei Boro Kuzmanovic und FC Winterthur

Keystone

Grosse Ausnahme im Schweizer Fussball

Es kommt nicht von ungefähr, dass der dreimalige Schweizer Meister (1906, 1908 und 1917) zurzeit auf einer Erfolgswelle reitet, denn die Zürcher setzen auf grosse Kontinuität im eigenen Kader. In der abgelaufenen Sommerpause musste mit Rückkehrer Denis Simijonovic (GC) nur ein Akteur integriert werden, nachdem mit Luca Zuffi (Thun) und der FCA-Verpflichtung Goran Antic auch nur zwei Spieler mit regelmässiger Einsatzzeit abgegeben worden waren. Entsprechend gelang es Winterthur auch, nahtlos an die starken Leistungen aus der zweiten Hälfte der letzten Spielzeit anzuknüpfen.

Auch sonst ist der Verein eine bunte Ausnahme in der Landschaft des Schweizer Profifussballs. Statt Status Quo dröhnt Punkmusik aus den Lautsprechern, und es gibt sogar eine Sirupkurve für den Nachwuchs der Anhängerschaft, die sich in der Bierkurve daheim fühlt. Die Schützenwiese gehört zu den am besten besuchten Stätten der Challenge League, obwohl der Aufstieg gar nicht erreicht werden kann. Die entsprechende Lizenz hat der Verein nämlich nicht beantragt. Die Fans stört dies nicht. Sie stehen auf den Rängen, egal ob der Gegner Wohlen oder Basel heisst.

Für einige der älteren Zuschauer waren dies Erinnerungen an vergangene, ruhmreichere Zeiten, mit zwei (verlorenen) Cupfinals als letzte Highlights. Seit 35 Jahren spielt der FCW nun - abgesehen von 3 Spielzeiten - in der zweithöchsten Spielklasse, vor 11 Jahren wäre er beinahe Konkurs gegangen, ehe er vom heutigen Präsidenten Hannes W. Keller gerettet wurde.

Auf der Tribüne geht es locker zu statt verbissen, man plaudert und prostet sich zu, und die Sprüche leben eher vom Humor denn vom Hass der Gastmannschaft gegenüber. Die Bierkurve ist bekannt als tolerant und friedlich, sogar, wenn die Rotblauen eintreffen. Nun ja, lieben tut man sich nicht: der Präsident Hannes W. Keller sagte einst, als es darum ging, ob der FC Winterthur fürs Spiel nach Basel gehen würde: «Nein, wir gehen nicht zu diesen brunzigen Baslern.»

Ohne Hannes W. Keller, den Unternehmer, gäbe es dies alles nicht mehr. Über 12 Millionen Franken hat er laut «Tages Anzeiger» schon in den Verein investiert, um Defizite zu decken. Als Dank dafür helfen alle fleissig mit, Geld in die Kasse zu kriegen. Grosseinkäufe sind ebenso wenig möglich wie Kurzschlussreaktionen. Als die Resultate unter Trainer Boro Kuzmanovic anhaltend schlecht blieben, sprach Keller ein Machtwort. Diese Ruhe bezahlte sich aus, in diesem Frühjahr schaffte es die Mannschaft aus der Abstiegszone bis an den Barrageplatz heran.

Starallüren sucht man bei den Winti-Kickern vergebens. Nach dem Spiel trifft man sie beim Schwatz in der Bar um die Ecke, ohne Luois Vuitton-Köfferchen und Starallüren. Passt zu Aarau, eigentlich. (cls)

Verfolgen Sie das Spiel FC Aarau gegen FC Winterthur ab 19.45 Uhr im Live-Ticker auf www.aargauerzeitung.ch.