Inlinehockey

«Dann muss das Inlinehockey eben meistens hinten anstehen»

Oliver Egloff gibt der jungen Mannschaft letzte Tipps für die anstehende Partie.

Oliver Egloff gibt der jungen Mannschaft letzte Tipps für die anstehende Partie.

Die Hurricanes-Zwillinge Oliver und Severin Egloff wuchsen mit dem Inlinehockey auf. Wieso sie heute als Nachwuchstrainer tätig sind, inwiefern die Wirbelstürme zur Familiensache wurden und warum sie nichts von erzieherischem Druck im Sport halten.

Wer von Ihnen beiden erblickte zuerst das Licht der Welt?

Oliver Egloff:  Das war Severin.

Sind Sie durch diesen Vorsprung auch im Inlinehockey ein bisschen erfahrener als Ihr Bruder?

Severin Egloff: Natürlich (lacht). Spass beiseite, ich denke wir weisen beide ähnliche Stärken auf.

Und wo liegen diese expliziten Qualitäten auf dem Feld?

Severin Egloff:  Unsere Spielübersicht sowie der konditionell gute Zustand sind sicherlich unsere Trümpfe.

Sie spielen zusammen in derselben Mannschaft, gibt es da eine gewisse Rivalität zwischen Ihnen?

Oliver Egloff: Im Moment haben wir etwa gleich viele Skorerpunkte auf dem Konto (zwinkert). Nein im Ernst, ich denke, dass wir eher miteinander als gegeneinander arbeiten. Klar Zuhause necken wir uns aber schon zwischendurch.

Severin Egloff: Das gehört einfach dazu. In erster Linie sind diese gegenseitige Sticheleinen aber auch Motivationsspritzen.

Severin Egloff (hinten links) leitet die unpopuläre Aufwärmphase.

Severin Egloff (hinten links) leitet die unpopuläre Aufwärmphase.

Generell beobachtet man, dass das Inlinehockey hier in Lenzburg schon ein bisschen zur Familiensache wurde.

Oliver Egloff: Das ist auf jeden Fall so. Unsere Eltern kochen jeweils während dem Trainingslager. Alle werden eingebunden. Das ist für uns normal und sicherlich auch schön, denn jeder gehört dazu.

Severin Egloff: Spielerfrauen helfen beispielsweise auch als Tischoffizielle an Heimspielen. Diese Hilfe von Drittpersonen gewährleistet ein wichtiges und zuverlässiges Fundament für den gesamten Verein.

Demnach herrscht bei den Hurricanes eine gesunde und gute Vereinskultur?

Oliver Egloff: Es gibt logischerweise immer die einen oder anderen Differenzen innerhalb einer Gruppe, aber das gibt es bei der Arbeit oder bei deinen Liebsten, das gehört einfach dazu. Zum Glück sind nicht alle Menschen gleich gesinnt, sonst wäre es weder spannend noch würde sich der Verein weiterentwickeln. Das Klima ist bestens und die Diskussionen sind angeregt.

Seit dieser Saison bilden Sie das Trainerduo der Novizen-Nachwuchsmannschaft. Wieso entschieden Sie sich für dieses Engagement?

Severin Egloff: In dieser Funktion können wir den jungen Menschen etwas weitergeben. Seit 13 Jahren spielen wir aktiv Inlinehockey und sind mit diesem Sport aufgewachsen. Wir wollen die Freude weitervermitteln und helfen nun das fortzusetzen, was uns zu dem gemacht hat, wer wir sind.

Ihre Hingabe ist auch in Ihren Trainingseinheiten wiederzuerkennen. Der Umgang ist locker und cool.

Oliver Egloff: Genau, wir sind sicherlich eine kleine Familie. Unsere Absicht ist es nicht, die Jungs zu schlauchen, sondern wir  wollen, dass sie es in den Trainings und das Leben im Team so erleben, wie wir uns auch am wohlsten fühlen würden. Dies ist unser Leitgedanke als Trainer.

Ist das vielleicht auch gerade schön oder gar befreiend, dass man im Randsport auch Druck von den jungen Schultern nehmen kann?

Oliver Egloff: Wir setzen sicherlich eher auch auf den Spassfaktor. Diese erdrückende Konkurrenz, wie wir sie vom Fussball kennen, gibt es bei uns nicht. Aber auch wir geben dem Nachwuchs natürlich Ziele vor. Wir predigen folgende Devise: Es ist nie ein Muss. Die Kinder können sich ihre Ziele nach ihren Fähigkeiten ausrichten. Der eine will zum Beispiel fehlerfrei skaten können, der andere einen stärkeren Schuss. Wir messen sie dann an ihren formulierten Zielen und motivieren sie damit. Wir wollen ihnen nicht vorschreiben, dass sie ein Top-Hockeyspieler werden sollen, sondern wünschen uns nur, dass sie ihre Ziele erreichen.

Verbirgt sich in Ihrer Trainerposition auch eine gewisse Vaterrolle?

Oliver Egloff: Nein das hingegen nicht. Wir grenzen uns diesbezüglich schon ab. Klar, führen wir mit dem einen oder anderen mehr Gespräche, aber alle wissen, dass wir am Ende des Tages ihre Trainer sind.

Sie sind seit mehreren Jahren im Randsport beheimatet, wollen Sie denn mit Ihrem Inlinehockey-Sport auch bekannter werden?

Oliver Egloff: Es wäre natürlich interessant, solch eine Entwicklung zu beobachten. Aber die Hindernisse beginnen bereits innerhalb der Stadtgrenzen. Wir sind natürlich nicht der einzige Verein, der in Lenzburg auf Unterstützung zählt. Zudem haben wir mit dem Eishockey einen ausgeprägt entwickelten Konkurrenten. Gewisse Eishockeyaner wagen sich zwar im Sommer ins Inlinehockey, aber diese Aufenthalte sind meist von kurzer Dauer. Ich persönlich präferiere den lnlinehockeysport, obwohl ich bereits einmal Eishockey-Luft geschnuppert habe. Das kleinere Feld, der quirlige Ball und die spielflussfördernde Regelauslegung verbinden diesen einzigartigen Sport. Zudem ist Inlinehocky sicher nicht so schroff wie Eishockey.  

Wie nehmen Sie das wahr, gilt das Inlinehockey als reine Männerdomäne?

Severin Egloff: Das sehe ich nicht so. Diejenigen Mädchen, die bereits in unserer Nachwuchsmannschaft spielten, wurden stets akzeptiert. Unsere Sportart fördert den gegenseitigen Respekt. Wir haben in Lenzburg zwar keine Damenmannschaft, aber in den anderen Verein ist zu beobachten, dass die Förderung der Mädchen bzw. Frauen immer professioneller wird.

Wie schwierig gestaltet sich die Nachwuchsrekrutierung bei den Hurricanes?

Oliver Egloff: Generell läuft auch bei den zukünftigen Inlinehockey-Cracks immer sehr viel. Die Schule hat wieder begonnen, die Eishockeysaison steht vor der Tür. Das Inlinehockey muss dann eben meisten hinten anstehen. Wir hatten aber auch schon bis zu 15 Jungs im Training. Severin und ich haben aber sogar gelernt, dass man auch nur zu zweit ein Training machen kann – und dabei Spass haben kann. Aber ja klar, es wäre schön, wenn noch mehr den Weg in unsere Mehrzweckhalle finden würden.

Ich habe mir sagen lassen, dass es am vergangenen Wochenende noch zu einer nichtalltäglichen Situation gekommen sei, was ereignete sich da?

Oliver Egloff: Wir hatten eigentlich ein Spiel mit den Kleinen. Wir waren auf den Platz während weit und breit  kein Schiedsrichter zu sichten war. Die Begegnung wurde offiziell verschoben und die Jungs waren richtig enttäuscht. So entschieden wir uns, mit dem Gegner eine Freundschaftspartie auszutragen. Aber nicht wir gegen sie, sondern mit gemischten Teams. So spielten wir also alle zusammen. Es war wirklich genial. Die Kleinen strahlten, machten eine neue Erfahrung und getrauten sich auch Dinge, die man unter Druck nie wagen würde. Das war eine coole Erfahrung, die im Breitensport in dieser Form wohl nicht möglich wäre. Genau solche Ereignisse pflegen zudem einen gesunden Kontakt zu den jeweiligen Vereinen.

Kann es sein, dass mögliche Kooperationen zwischen Vereinen eine langfristige Sicherstellung des Nachwuchses mit sich bringen können?

Severin Egloff: Rothrist und Zofingen bildeten bereits zusammen eine Nachwuchsabteilung. Es kann gut sein, dass auch die Hurricanes irgendwann einmal von so einer Kooperation profitieren werden.  

Ist denn jedes Kind ein geborener Inlinehockeyaner?

Oliver Egloff: Ja, das kann jedes Kind.

Severin Egloff: Das sehe ich anders, man braucht schon gewisse koordinative Anlagen. Das Wichtigste ist allerdings, dass man sich mitreissen lässt und den nötigen Biss mitbringt.

Was würden Sie einem Kind sagen, das in Erwägung zieht, Inlinehockey zu betreiben?

Oliver Egloff:  Es ist einfach genial, dass wir mit Gleichgesinnten unserer Leidenschaft nachgehen können. Da die Altersabgrenzung zwischen den Mannschaften nicht so strikt ist, bekommt man hier auch einmal die Chance, mit den Älteren mitspielen zu können. Zudem nehmen wir jedes Kind so wie es ist. Alle Schützlinge, die bisher hierher kamen, hatten Freude an diesem Sport. Und wie schon mehrmals betont, steht diese Freude im Mittelpunkt. Von quälerischem Drill halten wir nichts.

Meistgesehen

Artboard 1