Analyse
Danke René Weiler! Der FC Aarau schafft den Ligaerhalt vor allem dank dem Trainer

Vier Runden vor Schluss sichert sich der FC Aarau den Ligaerhalt. Dieser Erfolg hat vor allem einen Namen: René Weiler. Er hat es auch in der dritten Saison geschafft, seine Spieler an ihre Leistungsgrenzen zu bringen.

Ruedi Kuhn
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Trainer Rene Weiler macht einen guten Job beim FC Aarau - wie lange bleibt er noch?

Trainer Rene Weiler macht einen guten Job beim FC Aarau - wie lange bleibt er noch?

Keystone

Spannung, Nervenkitzel und Hektik? Entlassungen von erfolglosen Trainern wie Jeff Saibene, Martin Andermatt und Ranko Jakovljevic? Das war von 2009 bis 2011. Diese Zeiten sind vorbei. Seit drei Jahren herrscht beim FC Aarau Kontinuität.

In der Saison 2013/14 kehrten nach der guten Vorrunde mit 17 Spielen und 18 Punkten sogar Ruhe und Gelassenheit ein. Nun hat die Mannschaft den Ligaerhalt nach dem 3:1-Sieg gegen Lausanne bereits vier Runden vor Schluss auf sicher.

Für die frühe Entscheidung gibt es zwei Gründe: Einerseits überraschte der Super-League-Aufsteiger mit weitgehend starken Leistungen, anderseits erleichterten die miserablen Auftritte von Lausanne in der Vorrunde mit 7 Zählern aus 18 Partien die vermeintliche Herkulesaufgabe.

Der FC Aarau hat den Ligaerhalt also problemlos geschafft. Das verdient Respekt und Anerkennung. Das Team um Captain Burki lancierte die Saison im Brügglifeld vor mehr als 8000 Zuschauern mit einem 4:2-Sieg gegen Luzern und holte im Anschluss gegen alle neun Konkurrenten mindestens einen Punkt. Die Ausbeute von 37 Punkten in 32 Spielen ist beeindruckend. Insbesondere deshalb, weil in dieser Saison kein einziger Super-League-tauglicher Stürmer zum Kader zählte.

Nachfolgend ein Rückblick auf die Saison 2013/14 und ein Ausblick auf 2014/15 unter vier Gesichtspunkten.

Der Star

Beim FC Aarau ist der Trainer das Aushängeschild. René Weiler hat es auch in der dritten Saison geschafft, die Spieler an ihre Leistungsgrenzen zu bringen. Der 40-Jährige ist kommunikativ, energiegeladen, temperamentvoll, gnadenlos konsequent, ja sogar eigenwillig, extrem ehrgeizig und hat noch nichts von seinem Elan eingebüsst. Weiler ist für den Klub ein Glücksfall. Aber aufgepasst: Weiler rieb sich in letzter Zeit auf. Der Erfolgstrainer verliert mehr und mehr an positiver Energie, weil mit Gashi, Widmer, Callà und Ionita Jahr für Jahr die besten Spieler davon laufen und nur ungenügend ersetzt werden. Vertrag bis 2016 hin oder her; erhält Weiler ein gutes Angebot, ist er weg.

Die Sieger

Der erste Gewinner heisst Callà. Der Flügelstürmer stellte dank überragenden Leistungen in der Aufstiegssaison und dank sechs Toren in der Vorrunde dieser Meisterschaft die Weichen für den spektakulären Transfer zum FC Basel. Der zweite Gewinner ist Ionita. Der Moldawier unterschrieb bei Hellas Verona einen Dreijahresvertrag. Der Spieler der Rückrunde heisst Lüscher. Der Spezialist für ruhende Bälle hat sich im Vergleich zur Vorrunde enorm gesteigert.

Die Verlierer

Lehrgeld bezahlen mussten vor allem die beiden Torhüter Mall und König, der als Torhüter-Trainer im Gespräch ist. Schultz verlängerte zwar den Vertrag um ein Jahr, hat aber den Stammplatz verloren. Kehrt er schon bald zum FC Wohlen zurück? Sturmhoffnung Hallenius war zu oft krank und verletzt. Talent Romano fiel ausser Rang und Traktanden und kickt bis Ende Saison bei Wohlen. Martignoni kam in der Rückrunde nicht einmal mehr zu Teileinsätzen. Foschini muss gehen.

Die Perspektiven

Die Abgänge von Widmer Ende der letzten Saison und von Staubli und Callà während der Winterpause führten dazu, dass die aktuelle Mannschaft bezüglich individueller Klasse schwächer ist als jene in der Aufstiegssaison. Die Zuzüge von Unnerstall, Radice, Andrist, Gygax und Bulvitis stärkten zwar die Breite des Kaders, mehr aber auch nicht: In der Saison 2014/15 kann das Ziel nur Ligaerhalt heissen. Ohne drei, vier namhafte Transfers ist sogar diese Hürde hoch. Vielleicht zu hoch: Mit Ausnahme von Aufsteiger Vaduz dürften alle Teams ausser Reichweite liegen. Kommt erschwerend die unterirdische Infrastruktur dazu. Ohne neues Stadion kann der FC Aarau den Platz in den Top 10 langfristig nicht halten. Der Klub spielt sportlich zwar im Konzert der Grossen mit, in Punkto Wirtschaftlichkeit und Infrastruktur ist er nur Strassenmusikant.