FC Aarau

Dank Denker und Lenker Serey Die: Der FC Aarau bricht in Kriens den Auswärtsfluch

Neuverpflichtung Geoffroy Serey Die (r.) scheint für den FC Aarau Gold wert zu sein.

Neuverpflichtung Geoffroy Serey Die (r.) scheint für den FC Aarau Gold wert zu sein.

Das Team von Patrick Rahmen siegt in Kriens dank einem starkem Kollektiv 3:2. Trotzdem rückt dabei ein Spieler in den Vordergrund: Denker und Lenker Serey Die. Der Neuzuzug war der beste Mann auf dem Feld.

Das Zitat von Kriens-Präsident Werner Baumgartner spricht Bände: «Der FC Aarau war die bessere Mannschaft und hat verdient gewonnen. Aber hätte Geoffroy Serey Die für uns gespielt, wären wir wohl als Sieger vom Platz gegangen.»

Was für ein Kompliment an die Adresse von Serey Die. Der 34-jährige Ivorer war tatsächlich der beste Mann auf dem Kunstrasen in Kriens. Seine Verpflichtung scheint für den FC Aarau Gold wert zu sein. Er ist das Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, also exakt der Spieler, den es in der Achse gebraucht hat.

Serey Die ist einerseits Haudegen und Abräumer, anderseits setzt er dank Power, Technik und Antrittsschnelligkeit offensive Akzente. Er hat ein gutes Auge, kann das Spiel beruhigen, kann es aber auch schnell machen. Wie er nach gut einer Stunde mit einem Energieanfall das 1:0 von Elsad Zverotic eingeleitet hat, war grosse Klasse.

Passt ihm etwas nicht, kann er böse werden

Und noch etwas: Der Neue im Dress des FC Aarau hat keine Berührungsängste. Passt ihm etwas nicht in den Kram, kann er böse werden. Sehr böse. Als Teamkollege Markus Neumayr nach knapp einer halben Stunde einen Aussetzer hatte, kam es zum grossen Donnerwetter. Es war geradezu beängstigend, ja furchterregend mit anhören und mit ansehen zu müssen, wie Hitzkopf Serey Die den Teamkollegen zusammenstauchte.

Die klaren Worte verfehlten ihre Wirkung nicht: Neumayr wurde mit Fortdauer der Partie besser. Serey Die hat bewiesen, dass er ein Leader ist. Gut möglich, dass er mit mehr Spielpraxis noch dominanter und wertvoller wird. Mit Captain Zverotic und dem aufstrebenden Flügelstürmer Kevin Spadanuda, der den Penalty vor dem zwischenzeitlichen 2:0 herausholte, gab es beim ersten Auswärtssieg im fünften Spiel zwei weitere Gewinner.

Dass der FC Aarau über individuelle Klasse verfügt, ist bekannt. In den vier Auswärtsspielen gegen Winterthur (1:1), Chiasso (2:4), Lausanne (1:5) und Vaduz (2:5) blieb er sieglos, kassierte 15 Treffer und liess es zeitweise sogar an der nötigen Solidarität vermissen. Das war diesmal anders.

«Die Körpersprach hat gestimmt»

Der Auswärtsfluch ist gebrochen. Entscheidend für den Erfolg waren das Kollektiv und die mannschaftliche Geschlossenheit. Das Team von Patrick Rahmen war von der ersten Sekunde an bereit, das heisse Duell gegen die Kämpfer, Wühler und Beisser des SC Kriens anzunehmen.

«Die Körpersprache hat von Beginn an gestimmt», sagt der Trainer des FC Aarau. «Ich habe nach dem 2:5 in Vaduz und während der Vorbereitung auf die Partie in Kriens gespürt, wie selbstkritisch die Spieler waren. Sie wollten nach dem Rückschlag den Sieg und waren bereit, für die drei Punkte alles zu geben.»

Das unnötige FCA-Zittern in den Schlussminuten

Und so verdiente sich der FC Aarau den ersten Auswärtssieg in dieser Saison vor allem dank einer starken Willensleistung. Mal schauen, welche Auswirkungen das Erfolgserlebnis in knapp zwei Wochen beim Heimspiel gegen Leader Lausanne haben wird.

Mit einem Erfolg könnten die Aarauer bis auf vier Punkte an die Waadtländer herankommen. Dafür braucht es allerdings eine weitere Steigerung. Vor allem in der Defensive. Und da sind wir doch noch bei einem kritischen Ansatz: Der FCA führte in Kriens 2:0 und 3:1, liess den Gegner in der Hitze des Gefechts und wegen individueller Fehler jedoch zweimal bis auf einen Treffer herankommen.

Dass Rahmens Team in den Schlussminuten noch zittern musste, war unnötig, aber es entspricht auch einer gewissen Logik: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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