Daniel Wiederkehr hat seinen Bug schon länger nach Rio ausgerichtet. Aber nun geht es wirklich Schlag auf Schlag. Nachdem der Spitzenruderer schon seit mehreren Jahren zum erweiterten Kreis des Schweizer Nationalkaders gehörte, ist ihm in diesem Winter rechtzeitig der entscheidende Sprung gelungen. In den Leistungstests zeigte er starke Resultate. Dem seit 2014 im Schweizerischen Verband tätigen Headcoach Iain Wright aus Neuseeland ist dies nicht entgangen. Er fordert extrem hohe Leistungen von seinen Athleten, und Wiederkehr war einer von denen, die dieses horrende Pensum erfolgreich meisterten.

Nun sitzt der Vorzeigeruderer aus Baden in einem der Boote, die sich an der diesjährigen WM in Frankreich für Olympia qualifizieren sollen. Wiederkehr ist ein Leichtgewicht (Maximalgewicht 72,5 kg). Der erfolgreiche Schweizer London-Vierer (5. Platz) ist nach zwei Jahren Unterbruch wieder in derselben Formation am Start. Wiederkehr konnte nun zu dieser starken Gruppe aufschliessen und rudert mit Michael Schmid im Doppelzweier. Die beiden sind keine unbeschriebenen Ruder-Blätter auf internationalen Gewässern: Wiederkehr gewann 2011 U23-Bronze, Schmid 2014 WM-Bronze und EM-Silber. An der internationalen Regatta in Piediluco vor einigen Wochen holten Schmid und Wiederkehr im Skiff Gold und Bronze. Die Leistungskurve der beiden zeigt weiterhin nach oben.

Härtetest in Bled

Nun folgt der nächste Härtetest im slowenischen Bled, wo sich die internationale Elite am ersten Weltcup trifft. Die Chancen sind intakt, dass die beiden an der WM Anfang September ihr Olympia-Ticket abholen. Das tönt allerdings leichter gesagt, als es ist. Besonders der Rudersport ist trainingsintensiv. Seit Jahren spult Wiederkehr täglich zwei bis drei Einheiten ab. Das ist überhaupt nur möglich, weil er sein Studium zum Wirtschaftsingenieur an der Fachhochschule Nordwestschweiz äusserst flexibel gestalten kann, eine ideale Voraussetzung, um aus den sportlichen Ambitionen das Maximum herauszuholen. Nebst der professionellen Betreuung im Verband kann der 27-Jährige auf die volle Unterstützung seines familiären Umfelds und seines Heimatvereins, des Ruderclubs Baden, zählen. Und dann ist da noch einer: Stephan Steiner, selber Vizeweltmeister und mehrfacher Schweizer Meister, wirkt als unterstützender Coach und gibt Wiederkehr wertvolle Tipps. In der Hoffnung, dass Wiederkehr nächstes Jahr in der brasilianischen Metropole für Aufsehen sorgen wird.