Eidgenössisches Turnfest
Da war null Angst bei den Ostschweizern Koch und Beck

Kurt Beck und Beat Koch konnten die Nacht auf gestern nicht wie geplant im Zelt verbringen. Die beiden Ostschweizer verbrachten zusammen mit rund 300 anderen Turnern die Nacht auf Freitag nicht wie geplant im Zelt, sondern im Kongresshaus.

Michael Schenk
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Beat Koch (links) und Kurt Beck vom TV Gossau haben sich trotz Sturm zu jeder Zeit sicher gefühlt. Schenk

Beat Koch (links) und Kurt Beck vom TV Gossau haben sich trotz Sturm zu jeder Zeit sicher gefühlt. Schenk

Kurt Beck und Beat Koch waren im Geräteturn-Zelt, als am Eröffnungstag des Eidgenössischen Turnfests in Biel kurz vor 20 Uhr der Fallwind Jorno über den See gebraust kam und sich just über dem Festglände zu einem veritablen Sturm aufgebläht hat.

Ein Orkan «light», der in der Folge diverse Verpflegungsstände und Übernachtungszelte flachgelegt hat. Ein Bild, das letztlich in erster Linie überdramatisch aussah. «Wir wollten uns gerade auf den Weg an die Eröffnungsfeier machen, als uns Polizisten baten, das Gelände zu verlassen», erzählt der 57-jährige Kurt Beck.

Als Evakuation freilich hätten sie die Räumung des Festparks nie empfunden. «Nein», so Beck, «im Gegenteil – es war actionreich.» Von Angst sei da nie die geringste Spur gewesen, ergänzt Becks Kollege Beat Koch.

Koch und Beck sind schon einen Tag früher als ihre jungen Vereinskolleginnen und -kollegen, mit denen sie gestern von Wettkampfstation zu Wettkampfort zogen, angereist. Die beiden Ostschweizer vom TV Gossau waren zwei der rund 300 Turner, die die Nacht von Donnerstag auf Freitag nicht wie geplant im Zelt, sondern im Kongresshaus in Biel verbringen mussten.

Oder durften – je nach Betrachtung. Eine Verschlimmerung war es hinsichtlich Luxus und Komfort auf jeden Fall nicht. «Von Helferinnen und Helfern haben wir sehr schnell erfahren, dass der Zeltplatz in Sutz verwüstet ist und wir Richtung Kongresshaus müssten», sagt Koch.

Ein Kamerad hätte zudem via Handy und Twitter davon erfahren und sie darauf hingewiesen. «Es war wirklich alles super organisiert und ist reibungslos abgelaufen», räumt Kurt Beck ein. Sie hätten denn auch gut geschlafen und immer genug und gut zu essen gehabt.

Entschieden, dass sie am Donnerstagabend fürs «Znacht» den lokalen Kebap-Türken berücksichtigen, hätten sie nicht aus der Not heraus, sondern «ganz freiwillig.» Sie hätten sich ergo zu jederzeit gut aufgehoben und sicher gefühlt, sagen Koch und Beck.

Eine solche Situation an einem Turnfest mit seinem TV Gossau schon einmal erlebt zu haben, daran kann sich Kurt Beck nicht erinnern. Dabei ist der Programmierer aus dem Kanton St. Gallen im Seeland immerhin schon an seinem achten Eidgenössischen Turnfest mit von der Partie.

Was die Stimmung angeht, so tue der Sturm am Donnerstagabend der persönlichen guten Laune und der Geselligkeit unter der Turnerschar «überhaupt keinen Abbruch. Im Gegenteil – jetzt erst recht», sagen Beck und Koch unisono.

Koch und Becks Teamkollege Patrik Keller, der an diesem frühen Nachmittag in der Coop Arena die Fahne schwenkt, um seine Kameradinnen auf der Aerobic-Bühne anzufeuern, ist erst gestern Mittag in Biel eingetroffen.

Vom Sturm habe er zwar gehört – aber: «Als ich ankam und ins Festgelände lief, habe ich praktisch nichts davon bemerkt. Es sieht aus, wie es aussehen muss, nur die Sonne dürfte etwas mehr scheinen», sagt er.

Ein unwissentlich dickes Lob also an Militär, Zivilschutz und die freiwilligen Helferinnen und Helfer, die die Nacht auf gestern mit Aufräumen durchgemacht und ganz offensichtlich einen tollen Job gemacht haben.