Curling
Wie die Aarauerinnen in der Corona-Blase ihren WM-Titel verteidigen wollen

Die Curlerinnen des CC Aarau um Skip Silvana Tirinzoni vertreten die Schweiz an der WM in Calgary. Es sind besondere Titelkämpfe, die ursprünglich vor einem Monat in Schaffhausen hätten stattfinden sollen.

Marcel Kuchta
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Haben die Aarauerinnen mit Skip Silvana Tirinzoni (r.) auch in Calgary Grund zum jubeln?

Haben die Aarauerinnen mit Skip Silvana Tirinzoni (r.) auch in Calgary Grund zum jubeln?

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Vor ein paar Tagen dürften die weltbesten Curlerinnen, die sich derzeit in Calgary versammeln, kurz mal leer geschluckt haben. Aus dem östlichen Zipfel Kanadas drang da nämlich die Kunde, dass die am 6. Mai beginnende Eishockey-Frauen-WM abgesagt wird. Die Gesundheitsbehörden der Provinz Nova Scotia, wo die Spiele in Halifax und Truro hätten durchgeführt werden sollen, zogen wegen der epidemiologischen Lage kurzerhand die Notbremse.

Schon seit über zwei Wochen in der Curling-Blase

Würde den Curlerinnen, deren Titelkämpfe am kommenden Freitag, ein paar tausend Kilometer entfernt in der Provinz Alberta beginnen, plötzlich dasselbe Schicksal ereilen? Stand jetzt sieht es nicht so aus. Zumal sich die Schweizer Curlerinnen, die für den CC Aarau an den Start gehen, schon seit zwei Wochen in Calgary aufhalten. Bereits anfangs April reiste die Delegation in den Westen Kanadas – und begab sich dort in die «Curling-Blase».

Im Vorfeld der WM wurden, unmittelbar im Anschluss an die Männer-WM, noch zwei Grand-Slam-Turniere mit den zwölf weltbesten Vereinsteams ausgetragen. Dies alles an dem Ort, wo nun auch die Weltmeisterschaft der Frauen über die Bühne gehen wird. Für die Aarauerinnen sicher ein nicht zu unterschätzender Vorteil, weil man erstens die obligatorische Quarantäne schon länger hinter sich hat und zweitens auch die Wettkampfbedingungen in der Halle gewöhnt ist.

Von Schaffhausen nach Calgary

Ursprünglich hätten die Titelkämpfe der Frauen Ende März in Schaffhausen stattfinden sollen. Die dortigen Organisatoren sahen sich aber nicht imstande, das nötige Sicherheitskonzept für die teilnehmenden Equipen aus aller Welt umzusetzen. In Calgary ist das mit der entsprechenden Hotel-Infrastruktur etwas einfacher.

Ob mit oder ohne Heimvorteil ist klar, dass die Schweizerinnen mit grossen Ambitionen ins WM-Turnier gehen. Sie sind schliesslich die Titelverteidigerinnen nach ihrem Triumph 2019 in Dänemark. Und es geht in Calgary ja nicht nur um WM-Meriten, sondern auch um die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele in Peking im kommenden Februar. Dazu müssen die Aarauerinnen einen Platz in den Top 6 holen.

Silvana Tirinzoni sagt:

«Wir sind uns bewusst, was dieser sechste Platz bedeuten würde. Sowohl für die Schweiz, als auch für uns als Team. Aber wir wollen natürlich an dieser WM nicht nur sechste werden – das ist so etwas wie das absolute Minimalziel. Unser Ziel ist es, eine Medaille zu gewinnen, bestenfalls sogar den Titel zu verteidigen.»

Dass die Schweizerinnen dieses Ziel erreichen, steht eigentlich nicht zur Debatte. Alleine die Art und Weise, wie sich die Crew um Skip (Third) Silvana Tirinzoni, Fourth Alina Pätz, Second Esther Neuenschwander und Lead Melanie Barbezat für die WM qualifizierte, war an Deutlichkeit nicht zu überbieten. Erst wurde man ungeschlagen Schweizer Meister und besiegt dabei die Hauptkonkurrentinnen des Teams Oberwallis fünfmal. Dasselbe Kunststück gelang dem CC Aarau wenig später an den WM-Trials, wo man drei weitere Male gegen die härtesten Rivalinnen gewann.

Die grösste Konkurrenz droht den Schweizer Curlerinnen an der WM in Calgary von Gastgeber Kanada, den ewigen Rivalen aus Schweden und Schottland sowie den asiatischen Teams. Und alle hoffen sie, dass am Ende nicht wieder Corona die Regie führt.