Frauen-WM Curling
Curling-Captain Tirinzoni: «Wir müssen jetzt zuerst das alles verkraften»

Aaraus Skip Silvana Tirinzoni zieht nach der WM der Frauen in Riga ein gemischtes Fazit. Die Curling-Frauen schafften es nicht, mit den Top-Teams mitzuhalten.

Peter Lerch und Andreas Fretz
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Silvana Tirinzoni bilanziert die WM in Riga ernüchtert.

Silvana Tirinzoni bilanziert die WM in Riga ernüchtert.

Keystone

Die Schweizer Meisterinnen vom Curlingclub Aarau belegten an der Weltmeisterschaft in Lettland den 5. Schlussrang. Sie haben das Ziel, das Tirinzoni selber vorgegeben hatte, knapp verpasst. Die 33-jährige aus Oberrohrdorf wollte in ihrer dritten WM-Teilnahme (nach 2006 und 2007) erstmals in die Ausmarchung der besten vier Teams kommen. Im Nachhinein müssen sich die Schweizerinnen besonders über ihre Vorrunden-Niederlage gegen die Lettinnen ärgern. In einem Gespräch vor der Abreise an die WM sprach Tirinzoni über die immer grössere Ausgeglichenheit im Frauen-Curling. «Es gibt an der WM eigentlich nur ein Team, das etwas abfällt: Lettland», sagte Tirinzoni damals. Doch ausgerechnet gegen die Frauen aus dem Gastgeberland verlor Aarau 7:8 nach Zusatz-End.

Silvana Tirinzoni, die WM ist für Sie vorzeitig zu Ende gegangen. Sie hatten sich die Qualifikation für die Playoffs vorgenommen, gereicht hat es zum 5. Schlussrang. Ihr Urteil?

Silvana Tirinzoni: «Im Moment sind wir alle sehr enttäuscht. Wenn wir zurückschauen, trauern wir vor allem der Niederlage gegen Lettland nach. Die Lettinnen haben einfach besser gespielt als wir, dennoch sollte das natürlich nicht passieren. Mit einem Sieg wären wir ja direkt in die Playoffs gekommen. Von da her ist es wirklich eine extreme Enttäuschung. Aber wir haben im ganzen Turnier gekämpft und hatten bis zum Schluss Hoffnung. Wir haben in jedem Spiel alles gegeben, und deshalb bin ich stolz auf unser Team. Wir müssen jetzt aber zuerst das alles verkraften.»

Die Lettinnen waren ein inferiores Team. Sie verloren zehn von elf Spielen, und dies meist deutlich. Daneben haben Sie selber in der Vorrunde nur gegen lauter Favoriten verloren, gegen Schweden, Schottland, Kanada und Europameister Russland. Die Niederlage gegen Lettland fällt also aus dem Rahmen. War es einfach ein Unfall?

«Ich will die Lettinnen auch nicht schlechter machen, als sie sind. Sie hatten doch ein paar gute Spiele, gegen uns haben sie sogar sensationell gut gespielt. Aber damit muss man halt immer rechnen, an der WM gibt es eigentlich keine schlechten Teams. Wir haben uns dort einfach enorm verkrampft, weil wir wussten, dass wir dieses Spiel unbedingt gewinnen mussten.»

Wo sehen Sie sich jetzt im Vergleich mit den absoluten Topteams?

«Wir hatten natürlich gehofft, dass wir mit den besten Teams mithalten würden. Mit dieser Einstellung sind wir hierhergekommen. Wir haben die meisten ja an Turnieren auch schon geschlagen. Wir konnten jedoch in der Vorrunde einige Male nicht unser gewohntes Niveau ausspielen.»

Nach dem Sieg gegen Russland im ersten Entscheidungsspiel hatten Sie nur gut zwei Stunden Pause, bis sie gegen die ausgeruhten Amerikanerinnen antreten mussten. Hat die knappe Erholungszeit zwischen zwei so wichtigen Partien eine Rolle gespielt?

«Es kann eine Rolle spielen, aber daran will ich es auf keinen Fall festmachen. Wir Curler sind es ja, auch an freien Turnieren, gewohnt, zwei- oder manchmal sogar dreimal am Tag zu spielen. Aber ganz sicher war es für die Amerikanerinnen kein Nachteil.»

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