Cup-Halbfinale
Die Traurigen hinter der Mauer: Wie die Fans des FC Aarau bei der Niederlage gegen Luzern mitlitten

Die Anhänger des FC Aarau hatten sich auf den historischen Einzug in den Cupfinal gefreut. Bei der Mauer hinter dem Tor wurde gehofft und geträumt. Am Ende blieb bei denen, die draussen bleiben mussten, nur die Enttäuschung. Ein Augenschein.

Frederic Härri
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Im Stadion Brügglifeld dürfen im Cup-Halbfinal nur 100 Zuschauer im Stadion sein. Die Fans, die draussen bleiben müssen, wurden kreativ, um das Spiel dennoch mitverfolgen zu können.
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Weitere Impressionen vom Cup-Halbfinal.
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Diese beiden FCL Fans, an diesem Abend definitiv in der Unterzahl, hielten sich wohlweislich am weniger bevölkerten Ende des Brügglifeld auf.
Ein Familienvater schaute sich das Spiel mit seinen beiden Kindern lieber auf dem Smartphone an.
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Toni, Dario und Giordi genossen vor dem Spiel im Restaurant nebenan ein kühles Getränk.
Der Wirt vom Restaurant Sportplatz verkaufte am Dienstagabend reichlich Bratwürste.
Der Wirt vom Restaurant Sportplatz verkaufte am Dienstagabend reichlich Bratwürste.
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Im Stadion Brügglifeld dürfen im Cup-Halbfinal nur 100 Zuschauer im Stadion sein. Die Fans, die draussen bleiben müssen, wurden kreativ, um das Spiel dennoch mitverfolgen zu können.

Britta Gut

Potpourri Brügglifeld. Unterschiedlicher könnten sie nicht sein, die Menschen, die hier sind, um den FC Aarau in den Cupfinal zu geleiten. Da ist Petar Aleksandrov, der Assistenztrainer des FCA, der Minuten vor dem Anpfiff vor dem Stadion steht, die Turnschuhe schneeweiss, die Socken kunterbunt. «Was machst du hier? Drinnen brauchen Sie einen Stürmer», ruft ihm ein Passant zu, was dem einstigen Meisterspieler nur ein mildes Lächeln abringt.

Da ist auch der Familienvater mit dem Hipsterbart, der sich das Spiel mit den beiden Kindern lieber von weit draussen anschaut. Der Match läuft wenige Meter nebenan, bei ihm läuft er auf dem Handy. Hinters Tor gehen und dort schauen? Nein, nein, das sei «nur was für die Hartgesottenen», sagt er. Für ihn sei das nichts.

Neben dem Brügglifeld hätte man einen Baumarkt eröffnen können

Die hinterm Tor, das sind jene über 100 Fans, die bei Spielen des FC Aarau hinter der Mauer an der Nordostseite des Stadions hervorlugen. Wer schon einmal dort war, weiss: Die Mauer ist hoch. Zu hoch jedenfalls für einen Menschen durchschnittlicher Grösse, um bequem rüber schauen zu können. Und so haben sie ihre Helferlein mitgebracht, um 90 Minuten lang grösser zu sein. Leitern, Sitzbänke, Stühle in zigfacher Ausführung, Harassen aller Art. Mit der Ware hätte man neben dem Brügglifeld einen Baumarkt eröffnen können.

Bei der Eckfahne zwängt sich eine Gruppe Jungs, dreizehn, vierzehn Jahre alt, über die Betonmauer. Sein Trainer habe das Training abgesagt, erzählt der eine. «Alli münd Aarau luege», so die Weisung des Trainers. Hopp Aarau.

Der Videobeitrag und die Stimmen zur FCA-Niederlage gegen Luzern

Tele M1

Beim 1:1 regnet es – Bier, kein Wasser

Pünktlich zum Anpfiff wird gesungen. Nach vier Minuten fällt das 1:0. Es fällt für die Falschen, die Blauen, aus Luzern. Der Klangteppich hinter der Mauer ändert sich nur unmerklich. Egal, sagen sich die meisten. Hopp Aarau. Kämpfen und siegen. Wenig später folgt der Ausgleich. Almeida, per Kopf. Hinter der Mauer regnet es – Bier, kein Wasser. In der Luft liegt so etwas wie Euphorie, gemischt mit der Hoffnung auf Historisches.

Dann ist Pause. Die Anhänger holen Ghackets mit Hörnli, beissen in Schokoriegel, essen saure Würmer mit Pommes frites. Derweil rüttelt der Wind an Masten und Fahnenstangen, nicht aber an der Beharrlichkeit der Anwesenden. Beim Blick auf die Meteo-App fallen erste Tropfen auf den Smartphonebildschirm. Der Stürm kündigt sich an, aber er kommt nicht.

Erinnerungen an den Cuptriumph von 1985

Stürmisch gehen in Halbzeit zwei die Akteure auf dem Feld zu Werke. Einmal schiessen die Aarauer an den Pfosten, da steht es 1:2. Tasar hatte getroffen, der Heimkehrer mit dem neuen Wappen auf der Brust. Bei nicht wenigen hinter der Mauer löst dieser Umstand ungute Gefühle aus. Sinngemäss erheben sie Zweifel am Charakter Tasars, nur formulieren sie das etwas drastischer und ehrverletzender. 1:2 steht es auch noch, als Schiedsrichter Sandro Schärer zum letzten Mal in die Pfeife bläst.

«So schade» findet das ein älterer Herr mit Pferdeschwanz, der 1985 im Wankdorf gewesen sei, damals gegen Xamax, der letzte Cupsieg, Walter Iselins Traumtor. «Heute hätten wir zeigen können, wir sind Aarau, wir sind noch wer», sagt er traurig. Mit hängendem Kopf entschwindet er in die Wohnviertel nebenan, wie die anderen auch. Beim Heimweg fällt der Blick auf ein Plakat. «Ab in Cupfinal» steht drauf. Ein andermal.