NLA-Handball

Crowdfunding gestartet: Warum ein Neuzuzug beim TV Endingen im Internet um finanzielle Hilfe bittet

Killian Hirsbrunner (r.) bittet um finanzielle Unterstützung für seine erste Saison in der NLA.

Killian Hirsbrunner (r.) bittet um finanzielle Unterstützung für seine erste Saison in der NLA.

Killian Hirsbrunner ist vor dieser Saison neu zum TV Endingen gekommen. Der Kreisläufer braucht Geld, um die Kosten für seine erste Saison in der Nationalliga A zu decken. Um an die nötigen Mittel zu kommen, wählt der 24-Jährige nun einen ungewöhnlichen Weg.

Killian Hirsbrunner ist Kreisläufer. Einer, der sich mit Wucht gegen seine Gegenspieler durchsetzt und auch schwierige Anspiele zu Toren verwerten kann. Für diese Eigenschaften hat ihn der TV Endingen verpflichtet in diesem Sommer. Gleichzeitig ist Hirsbrunner aber auch Student. Einer, der nicht nur im GoEasy in Station-Siggenthal zum Training erscheint, sondern auch zweimal pro Woche von Baden nach Freiburg und zurück pendelt. All das kostet Hirsbrunner Geld. Geld, das er zurzeit nicht aufwenden kann. Und deshalb bittet Hirsbrunner jetzt im Internet um Unterstützung.

Auf der Crowdfunding-Plattform «I Believe In You» können dem 24-Jährigen seit ein paar Tagen Sponsoringbeiträge zugesichert werden. 7000 Franken strebt Hirsbrunner mit seinem Aufruf an, knapp die Hälfte (Redaktionsschluss Freitag) hat er bisher eingenommen.

In einem langen Text, in seiner Muttersprache Französisch verfasst, wendet sich der Romand an potenzielle Unterstützer. «Ich bin auf der Suche nach Sport-, Firmen- oder Privatgeldern, um meine erste Saison in der Schweizer Handball-Elite bestreiten zu können», schreibt Hirsbrunner. «Das gesammelte Geld erlaubt mir, mich während dieses Abenteuers selbst zu versorgen.» Tägliche Aufwendungen will er damit bezahlen, ergänzt Hirsbrunner. Dinge wie Miet- und Ausrüstungskosten, ein Fitness- oder ein SBB-Abo.

Die Suche nach festen Sponsoren läuft noch harzig

«Das Crowdfunding soll mir helfen, meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, bis ich einen Job gefunden habe», sagt Killian Hirsbrunner auf Nachfrage am Telefon. Gerne will er 40 Prozent arbeiten, doch eine passende Lösung zu finden, sei in seiner Situation gar nicht so einfach. Hirsbrunner trainiert mit dem TV Endingen mehrmals pro Woche – manchmal morgens, manchmal mitten am Nachmittag. Das bedarf nach flexiblen Arbeitszeiten und verständnisvollen Arbeitgebern. Daneben studiert Hirsbrunner Teilzeit an der Hochschule für Wirtschaft in Freiburg. Business Administration, am Montag beginnt sein Masterstudiengang.

Dass ein Sportler den Weg übers Crowdfunding wählt, darf man durchaus als speziell bezeichnen, zumal auf solchen Plattformen für gewöhnlich in Gemeinschaftsprojekte investiert wird. Er habe auch nach anderen Möglichkeiten gesucht, sagt Hirsbrunner. Doch für Förderbeiträge von Swiss Olympic fehlen ihm die Qualifikationen. Von den Eltern kann und will er sich nicht abhängig machen. Auch die Suche nach festen Sponsoren läuft harzig, Hirsbrunner muss sich im professionellen Handball erst noch einen Namen machen.

In der WG mit Bardet und Larouche

Hirsbrunner aber lässt sich nicht entmutigen, zumal er seinem Traum vom Leben eines Profisportlers so nah wie nie zuvor ist. Nach guten Leistungen bei seinem Heimatklub US Yverdon und einem Abstecher zur NLB-Mannschaft von Biel haben ihn die Endinger vor dieser Saison in den Aargau geholt. Hirsbrunner kam quasi im Doppelpack mit Maxime Bardet, dem zweiten Spieler mit Yverdoner Vergangenheit. «Maxime ist einer meiner besten Freunde», sagt Hirsbrunner. Seit kurzem teilen die beiden nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch eine Wohngemeinschaft: Mit Justin Larouche, dem dritten frankophonen Neuzuzug, leben sie in Baden in einer vom Verein organisierten Wohnung.

Gute Voraussetzungen also, damit sich Killian Hirsbrunner in seiner neuen Heimat entfalten kann. Auf der Platte läuft es noch nicht wie gewünscht, Hirsbrunner wartet nach zwei Spielen weiter auf den ersten Treffer in der NLA. Vielleicht klappt es damit ja schon diesen Samstag in Schaffhausen, gegen die grossen Kadetten. «Das wäre sensationell», sagt Hirsbrunner.

Kadetten Schaffhausen – TV Endingen (NLA, 3. Runde): Samstag, 12. September, BBC Arena Schaffhausen, Anpfiff 19 Uhr.

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