Vor drei Wochen zog Ciril Gossklaus aus, die Welt zu erobern. Mit einem Sieg beim European Open in Tallinn, einem Bronzeplatz am Grand Prix von Miami und einer kräfteraubenden Woche mit Kampftrainings bei 35 Grad in Kiew im Gepäck kam es gestern zum Wiedersehen mit seinem Klub, seinem Heimpublikum, seiner Turnhalle in Brugg-Lauffohr.

Das neue Selbstbewusstsein des 22-jährigen Judo-Profis ist in der gut besuchten Heimstätte des Brugger NLA-Teams jederzeit spürbar.

Gegen aussen locker, sich für Dutzende von Gratulationen bedankend, innerlich hoch konzentriert und fokussiert, stürzt er sich in den beiden Begegnungen mit Romont förmlich auf seine Gegner, die alsbald zu Opfern verkommen.

Die zwei blitzsauberen Ippon-Siege demonstrieren das grosse Selbstvertrauen des Hottwilers, der in seiner Gewichtsklasse bis 90 kg innerhalb von zwei Wochen von Platz 124 auf Rang 32 in der Welt vorgerückt ist.

Sieg 1: Ciril Grossklaus gegen Romont

Sieg 1: Ciril Grossklaus gegen Romont

Kurzer Prozess mit Romont

Ciril Grossklaus ist der heimliche Star in der Schulanlage Langmatt, ohne dass er diese Rolle zelebrieren würde. Es gibt auch keinen Grund, denn an diesem Nachmittag ist er längstens nicht der einzige Aargauer Kämpfer, der kurzen Prozess macht.

Die Affiche lautet Leader (Brugg) gegen Zweiter (Romont), die beiden Kampfresultate 12:2 und 14:0.

Die Überlegenheit von Grossklaus, Wenzinger, Iten, Nietlispach und Co. ist derart frappant, dass wohl der schwierigste Akt des Tages für die Brugger die Aufgabe bleibt, die weissen Judogis beim anschliessenden Spaghetti-Essen am clubeigenen Sommernachtsfest sauber zu behalten.

Sieg 2 von Ciril Grossklaus

Sieg 2 von Ciril Grossklaus

Eine weisse Weste zumindest behält Brugg in der Mannschafts-Meisterschaft. Und Cirils Teamkollegen kommen ab der Erfolgswelle ihres derzeitigen Aushängeschildes beinahe schon ins Philosophieren.

Wie etwa der sanfte Riese Patrik Moser: «Diese Leistungen spornen einerseits an, machen andererseits auch ein wenig nachdenklich. Man fragt sich, wieso ein solcher Erfolg einem selber nicht schon gelungen ist, weil man ja im Training in der Gruppe auch merkt, dass man sich durchaus mit Ciril messen kann.»

Auch der Angesprochene selber meint: «Ob meine Siege die Teamkollegen anspornen, kommt auf den Typ drauf an. Wir trainieren seit Jahren gemeinsam und die anderen wissen, dass sie auch nicht weit weg von meinem Leistungsvermögen sind.»

In der Pause ans Mikrofon

An den letzten Grosserfolg in Miami erinnert in Lauffohr nur noch die Werbebotschaft für Pensacola in Florida auf dem Dress, für deren Entfernung Grossklaus seither schlicht die Zeit fehlte.

Die beiden Kämpfe gegen Romont nimmt er aber genauso Ernst, als würde es um die WM-Krone gehen. «Sich auch hier zu motivieren, ist nicht schwierig. Man darf einfach nicht überheblich sein. Dass es mir gelingt, mich ganz auf den nächsten Kampf, den nächsten Wurf zu konzentrieren, war zuletzt mein Erfolgsrezept.»

In der Pause zwischen den Kämpfen organisiert Ciril Grossklaus höchstpersönlich das Sponsoring-Werfen der «Kleinen», moderiert es sogar als Speaker.

Er geniesst sein Heimspiel. Lange dauert es nicht. Denn nach Tallin, Miami und Kiew folgen in den nächsten Wochen Aufenthalte in Fribourg, Sotschi (Trainingslager) und Rio de Janeiro (WM).