In Kazan, Russland, bestritt Ciril Grossklaus seine vierte EM bei der Elite. Wie immer ging es darum, Kampf um Kampf zu gewinnen und am Ende möglichst weit vorne und vielleicht sogar auf dem Podium zu stehen. Als absolut realistisches Minimalziel hatte sich Grossklaus einen Platz in den Top 7 gesetzt. Dazu hätte er das Viertelfinale erreichen müssen. Er scheidet aber auch dieses Jahr im Achtelfinal aus.

Den ersten Kampf gegen Gabor Ver, Ungarn, konnte Grossklaus im letzten Moment für sich entscheiden. Eigentlich hatte Grossklaus das Zepter den ganzen Kampf über in der Hand. Nach einem individuellen Fehler musste Grossklaus aber eine kleine Wertung (Yuko) abgeben. Viel Zeit blieb nicht um den Rückstand aufzuholen. In der Schlussoffensive konnte Grossklaus noch mehr Druck aufbauen und meinen Gegner in eine gebeugte Haltung zwingen. Mit einer Selbstfalltechnik konnte Grossklaus 15 Sekunden (!) vor Kampfende eine höhere Wertung (Waza-ari) erzielen. Eine Premiere, dass Grossklaus mit einer solchen Technik im Wettkampf punkte! Zudem konnte Grossklaus sich für eine lange zurückliegende Niederlage an der Junioren-WM 2010 revanchieren, wo der Ungar übrigens den 3. Rang belegte.

Die zweite Runde gegen Quedjau Nhabali, Ukraine, verlief genau anders herum. Grossklaus konnte seinen "Angstgegner 2012“ (drei Niederlagen in einem Jahr) im Januar am Grand Prix Havanna noch bestens im Griffkampf auf Distanz halten und souverän bezwingen, geriet er an der EM bereits in der Anfangsphase mächtig unter Druck. Immer wieder konnte Nhabali seinen Kontaktgriff durchsetzen und nur mit grosser Akrobatik konnte Grossklaus ein Wertung verhindern. Entgegen dem Kampfverlauf konnte Grossklaus schliesslich punkten, indem er den Kontaktwurf blocken und Nhabali umdrucken (Video-Szene auf Facebook) konnte. Doch Grossklaus freute sich ein wenig zu früh, denn es war nicht Höchstwertung (Ippon - und somit Kampfende) wie vom Kampfrichter zunächst angegeben. Die Videorichter korrigierten auf eine kleine Wertung (Yuko). Noch nicht ganz gefasst, dass es weiter ging, landete Grossklaus gleich in der nächsten Aktion selber auf dem Rücken. Im Anschluss konnte Grossklaus die höhere Wertung (Waza-ari) des Ukrainers nicht mehr übertrumpfen.

Grand Slam Baku I 8. Mai 2016

In Aserbaidschan fand letzten Sonntag das vorletzte Qualifikationsturnier für die Olympischen Spiele in Rio statt. Schon vor diesem Wettkampf war es ziemlich unwahrscheinlich, dass Grossklaus noch aus dem Kreis der Qualifizierten verdrängt werden könnte. Doch ihm ging es in erster Linie darum, nochmals eine Spitzenleistung abrufen zu können. Was ihm dann auch gelang - und wie! Zum zweiten mal erreichte er in diesem Jahr den Bronzekampf bei einem der absoluten Top-Turniere der Welt!

  • Gleich im ersten Kampf erhielt Grossklaus die Gelegenheit sich bei Quedjau Nhabali für das EM-Aus zu revanchieren. Dieses mal liess Grossklaus nichts anbrennen. Nach nur einer Minute konnte Grossklaus mit meinem Lieblingswurf (Uchi-Mata) den Ukrainer mit Höchstwertung (Ippon) aufs Kreuz legen und vorzeitig als Sieger von der Matte gehen.
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  • Die zweite Runde gegen Sherali Juraev, Uzbekistan, konnte Grossklaus mit einer hohen Wertung (Waza-ari) für sich entscheiden. Diese fiel zwar erst wenige Sekunden vor Schluss - erzielt durch eine Kontertechnik - doch lag Grossklaus schon vorher dank Bestrafungen des Gegners vorne.
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  • Das Viertelfinale bestritt Grossklaus gegen den frischgebackenen EM-Dritten und späteren Turniersieger Marcus Nyman aus Schweden. Fazit: Zu sperriger Griff und zu lange Arme, da gab es (an diesem Tag) kein Durchkommen. Auch wenn Grossklaus in der Schlussminute noch wie ein Berserker auf ihn zustürmte, konnte Nyman seine Defensivtaktik bis zum Schluss durchziehen. So musste ich eine knappe Niederlage mit 3:2 Strafen einstecken.
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  • Im Hoffnungslauf musste Grossklaus gegen Daiki Nishiyama ran, gegen den Grossklaus in den zwei bisherigen Duellen chancenlos blieb. Doch es war nicht der Tag des Doppel-Vizeweltmeisters von 2010/2011 und Grossklaus war noch schön im Schuss von meinem Viertelfinale. Gleich zu Beginn konnte Grossklaus den Japaner mehrmals im Griffkampf überfallartig einspannen, worauf er sich auf die Knie fallen liess, wofür er zwei Strafen kassierte. Diese konnte Grossklaus bis zum Schluss souverän verteidigen.
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  • Im Kampf um Bronze musste Grossklaus  sich dem russischen Nr. 1 - amtierender Vizeweltmeister und Olympia-Favorit - Kirill Denisov stellen. Im Gegensatz zu den bisherigen Begegnungen konnte Grossklaus den Kampf offen gestalten und auch zwei drei mal gefährlich angreifen. Nach gut zwei Minuten liess Grossklaus mich jedoch zu einem Fehler verleiten und schmierte prompt mit Höchstwertung (Ippon) ab. Schade, aber gut gekämpft.
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Insgesamt war es eine sehr gute Leistung, mit welcher Grossklaus auch den absoluten Top-Athleten auf Augenhöhe begegnen konnte. Da Grossklaus als Grand Slam-Fünfter meine Olympia-Teilnahme nun definitiv besiegelte, habe Grossklaus diese Woche nun frei bekommen und das letzte Turnier, den Grand Prix Almaty in Kasachstan, kann Grossklaus in Ruhe weglassen.