Challenge League

Chiasso-Captain und Ex-FCA-Spieler Stephan Andrist: «Auf den Verlierer kommen zweifellos schwierige Zeiten zu»

Stephan Andrist kehrt als Captain des FC Chiasso ins Brügglifeld zurück.

Stephan Andrist kehrt als Captain des FC Chiasso ins Brügglifeld zurück.

Der frühere Aarauer Mittelfeldspieler Stephan Andrist kehrt am Samstag (Anpfiff: 18.30 Uhr) mit Chiasso ins Brügglifeld zurück. Obwohl der 32-Jährige erst auf diese Saison hin ins Tessin gewechselt hat, trägt er dort bereits die Captainbinde.

Plötzlich huscht ein Lächeln über das Gesicht von Stephan Andrist. «Die fünf Jahre als Profi in Deutschland zwischen 2015 und 2020 haben mich nicht nur geprägt, sie haben mich auch verändert», sagt er. «Ich bin älter und reifer geworden.»

Die Zeit bei Hansa Rostock bleibt ihm in bester Erinnerung. «Ich habe zuerst nicht einmal gewusst, wo Rostock genau liegt», fügt der gebürtige Thuner hinzu. «Die Stadt im hohen Norden Deutschlands war für mich eine Unbekannte. Vor der Vertragsunterschrift war ich drei Tage dort, fühlte den Puls und war von allem Anfang an begeistert. Die zwei Saisons in Rostock waren menschlich und sportlich eine wunderbare Zeit. Rostock ist nicht nur eine schöne, sondern auch eine fussballverrückte Stadt. Wenn es sportlich rund läuft, kommen mehr als 15000 Zuschauer zu den Heimspielen.»

Andrist nahm sich ein Appartement in Warnemünde und fühlte sich pudelwohl. «Der Weg von meiner kleinen Wohnung zum Strand dauerte nur fünf Minuten», sagt er. «Hier konnte ich nach den Trainings und den Spielen abschalten, die Batterien aufladen und Kraft tanken.» Andrist erkämpfte sich bei Hansa Rostock einen Stammplatz und machte sich einen Namen. Trotzdem verlängerte der Drittligist den Vertrag nicht.

Verschiedene Engagements in Deutschland

Von 2017 bis 2019 spielte der Mittelfeldspieler mit dem grossen Kämpferherzen für Wehen Wiesbaden. In den vergangenen eineinhalb Jahren folgten zwei kurze Engagements in Aalen und Saarbrücken. Nachdem Aalen aus der dritten Bundesliga in die Regionalliga abgestiegen war, musste er sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Bei Saarbrücken machte Andrist die Coronakrise einen Strich durch die Rechnung.

«Die drei, vier Monate in Saarbrücken waren speziell», blickt er zurück. «Wir trainierten vor dem Pokal-Halbfinal gegen Leverkusen während sechs Wochen. Und zwar nur für dieses Spiel! Der Fussball rückte in den Hintergrund. Dafür gab es jede Menge Coronatests.»

Trotz Corona, trotz einigen sportlichen Rückschlägen und einem turbulenten 2020 blickt Andrist mit positiven Gedanken auf die Zeit in Deutschland zurück. «Ich wollte in meiner aktiven Karriere mindestens einmal ins Ausland», sagt Andrist.

«Als das Angebot von Rostock kam, war ich schon 27 Jahre alt. Mir war deshalb klar, dass ich diese Chance nützen musste. Jetzt oder nie! Die Zeit in Deutschland werde ich nie vergessen. Es war eine wertvolle Erfahrung. Nun werde ich meine Karriere in der Schweiz fortsetzen.»

Eine Rückkehr mit ­gemischten Gefühlen

Gesagt, getan: Auf diese Saison hin erhielt Andrist einen Jahresvertrag in Chiasso. Der 32-Jährige ist bei den Südtessinern innert kürzester Zeit zu einem Führungsspieler auf und neben dem Spielfeld avanciert. Mehr noch. Andrist staunte nicht schlecht, als auf seinem Platz in der Garderobe vor dem ersten Ernsteinsatz im Cup gegen den FC Zürich die Captain-Binde lag.

«Trainer Raino Baldieri hat mir das Captain-Amt anvertraut, ohne mich vorher zu informieren», blickt Andrist zurück. Umso grösser war seine Freude, dass er Chiasso als neuen Anführer in der ersten Hauptrunde des Cups zum 3:2-Sieg gegen den FCZ führen konnte. Der Start in die Meisterschaft ist den Südtessinern mit dem 2:5 in Schaffhausen und dem 0:2 im heimischen Stadion Riva IV gegen Aufstiegsfavorit GC allerdings missglückt.

Stephan Andrist (l.) wechselte in der Winterpause der Saison 2013/14 vom FC Basel zu Aarau.

Stephan Andrist (l.) wechselte in der Winterpause der Saison 2013/14 vom FC Basel zu Aarau.

Und jetzt kehrt Andrist mit dem FC Chiasso an seine frühere Wirkungsstätte nach Aarau zurück. Mit gemischten Gefühlen. «Ich erlebte in den anderthalb Jahren im Brügglifeld Höhen und Tiefen», sagt er.

«Die Saison 2013/14 unter der Führung von Trainer René Weiler war gut. Ein Jahr später sind wir leider abgestiegen. Das tat weh. Jetzt aber freue ich mich auf die spezielle Atmosphäre im kleinen Stadion und werde mit Sicherheit den einen oder andern alten Bekannten treffen.»

Nach einem Nasenbeinbruch lief Stephan Andrist 2014 mit einer Maske im FCA-Design auf.

Nach einem Nasenbeinbruch lief Stephan Andrist 2014 mit einer Maske im FCA-Design auf.

Weil der FC Aarau und Chiasso in der Startphase zweimal verloren haben, fehlt es nicht an Brisanz. «Eines ist klar: Nach einer dritten Niederlage in Folge müsste man von einem Fehlstart sprechen. Auf den Verlierer kommen also zweifellos schwierige Zeiten zu», sagt Andrist.

Autor

Ruedi Kuhn

Ruedi Kuhn

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