Challenge League
Sirupkurve, St. Pauli der Schweiz, Callà und Kartoffelsalat – das ist Aarau-Gegner Winterthur

Am Freitagabend (ab 20.30 Uhr im AZ-Liveticker) gastiert der FC Aarau beim Tabellenzweiten FC Winterthur. Der Verein wird von Fussballromantikern gemocht und teilweise verehrt – weil er vieles anders macht als die meisten Profiklubs.

Frederic Härri
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Vor einem Jahr spielten Davide Callà und Shkelzen Gashi noch gegeneinander (und einst miteinander in Basel), jetzt ist Erstgenannter Mitglied im Winterthurer Trainerteam.

Vor einem Jahr spielten Davide Callà und Shkelzen Gashi noch gegeneinander (und einst miteinander in Basel), jetzt ist Erstgenannter Mitglied im Winterthurer Trainerteam.

Marc Schumacher / freshfocus

Der Gegner

Der FC Winterthur gehört zu den beliebtesten Vereinen in der Challenge League. Und dabei findet er Sympathisanten weit über die Stadtgrenzen hinaus. Der Klub wird derart gemocht, weil er vieles anders macht als die anderen Institutionen im Schweizer Profifussball. Der FCW gibt sich eine Sozialcharta, setzt sich für schwächer Gestellte ein, spricht sich für Inklusivität und gegen Rassismus und Homophobie aus. Anekdoten zum Verein werden sich oft und gerne erzählt.

So gibt es im Stadion Schützenwiese eine Tribüne ausschliesslich für Kinder, die sich Sirupkurve nennt und gleich neben der «Bierkurve» zu stehen kommt. Hier werden die Resultattafeln noch altmodisch per Hand ausgewechselt, wenn ein Tor fällt. Fans essen hier nicht nur Wurst, sondern auch Kartoffelsalat. Manch ein Fussballromantiker entdeckt im FC Winterthur einen Gegenentwurf zum durchkommerzialisierten Betrieb fernab von allen Mancitys und Paris Saint-Germains dieser Welt. Nicht umsonst wird der Verein gerne auch als «St. Pauli der Schweiz» betitelt, was in Puristenkreisen einem Ritterschlag gleichkommt.

Zum Image des unkonventionellen Underdogs passt, dass «Winti» die grosse Fussballbühne Super League in neuerer Zeit nie betreten hat. Gleichwohl hat der Klub reihenweise Spieler hervorgebracht, die sich für grössere Aufgaben empfohlen haben. Die Schweizer (Ex)-Nationalspieler Admir Mehmedi, Luca Zuffi und Pajtim Kasami wurden in der hauseigenen Jugendabteilung geschmiedet, und Marwin Hitz, Amir Abrashi und Manuel Akanji machten in Winterthur die ersten Schritte ins Profitum. Auch Davide Callà – einst beim FC Aarau und dort noch immer geschätzt – spielte in Winterthur, einst als Junior und zuletzt von 2018 bis zu diesem Frühjahr.

Inzwischen hat Callà seine fussballerische Karriere beendet und assistiert beim FC Winterthur seinem ehemaligen Chefcoach Ralf Loose im Trainerstab. Im Kader, der mit soliden bis sehr guten Challenge-League-Spielern bestückt ist, sticht Mittelstürmer Roman Buess heraus. Der 29-Jährige (auch mit FCA-Vergangenheit) hat in der laufenden Saison bereits fünf Tore geschossen.

Ralf Loose (rechts, hier beim Abklatschen mit Stephan Keller) ist seit drei Jahren Trainer in Winterthur.

Ralf Loose (rechts, hier beim Abklatschen mit Stephan Keller) ist seit drei Jahren Trainer in Winterthur.

Martin Meienberger

Die bisherige Saison

Am Dienstag verlor der FC Winterthur sein erstes Spiel in der laufenden Meisterschaft. In Vaduz verloren die Eulachstädter mit 0:2 und mussten auf Rang eins Xamax vorbeiziehen lassen. Die Form der letzten Tage spricht nicht für den FCW, der am Wochenende zudem das blamable Cup-Aus gegen das unterklassige Étoile Carouge verkraften musste. Doch wählt man den grösseren Rahmen kann sich der Winterthurer Start mehr als sehen lassen: Lediglich einer Niederlage stehen zwei Unentschieden und vier Siege gegenüber. Das macht 14 Punkte und Zwischenrang zwei.

Die letzten Duelle der beiden Teams

In der vergangenen Saison wies der FC Aarau in der Liga eine ausgeglichene Bilanz gegen Winterthur aus. Auf ein 2:5 am zweiten Spieltag folgte später ein 3:1-Sieg, ein torloses Unentschieden sowie zuletzt ein spektakuläres 3:3, das aufgrund von Rasenproblemen auf der Schützenwiese im Wiler Exil im Stadion Bergholz gespielt wurde. Einige Monate zuvor feierten die Aarauer auf ihrer Cup-Reise gegen Winterthur einen berauschenden 3:0-Sieg im Viertelfinal.

Die voraussichtliche FCA-Aufstellung

Olivier Jäckle steht nach seiner Gelbsperre wieder zur Verfügung. Er könnte für den gegen Wil überragenden Donat Rrudhani ins zentrale Mittelfeld rücken, welcher wiederum den Platz auf dem Flügel von Landsmann Liridon Balaj erben könnte. Auf der Sechser-Position hat Trainer Keller die Qual der Wahl zwischen Allen Njie und Imran Bunjaku, der am Dienstag mit seiner rigorosen Defensivarbeit geglänzt hatte. In der Innenverteidigung scheint sich Marco Thaler dank guter Leistungen festgespielt zu haben.

Positionskonkurrent Jan Kronig ist zuletzt nach weiter links gerückt. Als Rechtsverteidiger könnte erneut Jérôme Thiesson beginnen. Bastien Conus und Raoul Giger, zu Beginn der Saison (mit Abstrichen) Stammkräfte, kommen derzeit nur von der Bank. Offen auch, ob Captain Shkelzen Gashi wieder in die Startelf rückt und neben Mickaël Almeida stürmen darf, oder ob erneut Marco Aratore eine Chance von Beginn weg erhält. Unbestritten sind Goalie Simon Enzler und Topskorer Kevin Spadanuda.

Schauen Sie auch den FCA-Talk zur Frage, ob Jäckle und Gashi in die Startelf zurückkehren sollten.

Spielt Olivier Jäckle wieder von Beginn weg im zentralen Mittelfeld des FC Aarau?

Spielt Olivier Jäckle wieder von Beginn weg im zentralen Mittelfeld des FC Aarau?

Marc Schumacher / freshfocus

Der AZ-Tipp

Der FC Winterthur und der FC Aarau trennen sich 2:2-Unentschieden.

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