Challenge League
Big Point im Aufstiegsrennen: Der FC Aarau besiegt Winterthur trotz langer Unterzahl mit 2:0

Kevin Spadanuda und Randy Schneider sorgen für die Tore. Matchentscheidend sind die Minuten vor der Pause, als Aarau glücklich um einen Penalty für die Gäste herumkommt und seinerseits auf zwei Tore Vorsprung erhöht.

Sebastian Wendel
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Geschafft! Nach dem Schlusspfiff reckt Stephan Keller die Arme in die Höhe, ballt die Fäuste – und gar ein kleines Lächeln ist im Gesicht des FCA-Trainers zu erkennen. Eine grosse Last fällt in diesem Moment ab, der Druck vor dem Duell gegen die als Tabellenführer angereisten Winterthurer war riesig. Es galt: Verlieren verboten! Und wie seine Mannschaft die knifflige Aufgabe gelöst hat, verdient ein grosses Kompliment.

Telegramm

FC Aarau – FC Winterthur 2:0 (2:0)

Brügglifeld. – 3’011 Zuschauer. – SR: Gianforte. – Tore: 27. Spadanuda (Rrudhani) 1:0. 43. Schneider (Spadanuda) 2:0.

Aarau: Enzler; Thaler, Bunjaku, Bergsma; Giger, Njie, Conus (70. Qollaku), Kronig; Schneider (60. Balaj); Rrudhani (60. Almeida), Spadanuda (92. Schwegler).

Winterthur: Spiegel; Lekaj, Gelmi, Arnold (82. Ballet); Corbaz; Gonçalves (90. Isik), Alves, Ramizi (82. Ltaief), Schättin (69. Diaby); Manzambi, Buess.

Bemerkungen: Aarau ohne Jäckle (krank), Aratore, Caserta, Gouano und Senyurt (alle nicht im Aufgebot). Winterthur ohne Cavar, Costinha, Lovisa, Pepsi, Tolino (alle verletzt), Dakaj, Di Nucci, Hammer und Pauli (alle nicht im Aufgebot). – Verwarnungen: 7. Giger (Handspiel), 14. Rrudhani, 37. Kronig, 60. Ramizi, 87. Gonçalves (alle Foulspiel). – Platzverweis: 50. Giger (gelb-rot, Foulspiel).

Ein Fussballspiel dauert 90 Minuten plus Nachspielzeit, doch oft sind es rückblickend nur wenige Minuten, die über den Ausgang der Partie entscheiden. So ist es auch im Aufeinandertreffen der beiden meistgenannten Aufstiegsfavoriten: Es läuft die 41. Minute, das Heimteam führt 1:0, da köpfelt Winterthurs Schättin aufs FCA-Tor, will schon zum Jubeln ansetzen – doch Simon Enzler fährt den Arm aus und kratzt den Ball tatsächlich noch von der Linie.

Dann: Nochmals kommt der Ball vors Tor und dort trifft FCA-Verteidiger Kronig Roman Buess am Hinterfuss. Der Winterthurer fällt viel zu theatralisch und vielleicht deshalb verzichtet Schiedsrichter Gianforte auf den Penaltypfiff – Fakt ist: Elfmeter für die Gäste und die grosse Chance auf den Ausgleich wäre die richtige Entscheidung gewesen.

Es kommt noch besser für die Aarauer: Im Gegenzug wird der Ball zu Spadanuda abgefälscht, der schnell schaltet und zu Schneider zurücklegt – 2:0! Statt mit einem Unentschieden geht das Heimteam mit einem Zweitore-Vorsprung in die Halbzeitpause – was für ein Gegensatz, der sich als wegweisend herausstellen sollte.

Er hilft dem FC Aarau auch, den Rückschlag kurz nach Wiederanpfiff wegzustecken. In der 49. Minute muss Raoul Giger nach der zweiten Verwarnung vom Platz. Wie bei der Penaltyszene liegt der Schiedsrichter falsch: Zuvor wird Aaraus Thaler von Manzambi abgeräumt, klares Foul, so dass es zum folgenden Einsteigen Gigers gar nicht hätte kommen dürfen.

Über vierzig Minuten in Unterzahl stehen dem Heimteam nun bevor – wie schlägt es sich in dieser Konstellation? Zur Erinnerung: Bereits zwei Mal in dieser Saison gab Aarau ein Spiel aus den Händen nach einem Platzverweis für den Gegner. Antwort: Die personelle Unterzahl scheint den Aarauern deutlich besser zu stehen. Angestachelt von der Aussicht, in der Tabelle bis auf einen Zähler an Winterthur heranzurücken, werfen sie sich zu Zehnt in jeden Zweikampf, kämpfen heroisch und wenn die Gäste doch einmal zum Abschluss kommen, stellt sich ihnen der einmal mehr überragende Simon Enzler in den Weg.

Hinten der Goalie und vorne Kevin Spadanuda ragen aus dem starken Kollektiv heraus: Wie der Topskorer in der 27. Minute nach Rrudhani-Pass Gegenspieler Arnold aussteigen lässt und den Ball zum 1:0 in die entfernte Torecke schlenzt, ist grosse Klasse. Neun Ligatore, vier Vorlagen – Spadanuda ist mittlerweile an 60 Prozent der Tore beteiligt. Die Galavorstellung der offensiven Lebensversicherung rückt im Spitzenspiel die Tatsache, dass der FC Aarau dringend einen treffsicheren Mittelstürmer mit Wasserverdrängung braucht, etwas in den Hintergrund.

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