Challenge League
Mit Prominenz in den Süden: Der FC Aarau fliegt zum Training in die Türkei (vielleicht)

Verändert sich die Corona-Lage nicht dramatisch, fliegen die Aarauer am Mittwoch für zehn Tage in die Türkei. Im Trainingslager mit dabei ist ein Schweizer EM-Teilnehmer - und auch der neue Stürmer wird mitfliegen, sofern bis dahin alle Transferformalitäten erledigt sind.

Sebastian Wendel
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Loris Benitos letzter Klub war Girondins Bordeaux - seit Sommer ist er vertragslos und wartet auf die Fortsetzung der Karriere ausserhalb der Schweiz.

Loris Benitos letzter Klub war Girondins Bordeaux - seit Sommer ist er vertragslos und wartet auf die Fortsetzung der Karriere ausserhalb der Schweiz.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

Er hätte für die Rückrunde in die zweithöchste Liga Englands wechseln können, in die prestigeträchtige Championship zum Traditionsklub Nottingham Forest – aber Loris Benito wollte nicht. «Die boten mir einen Vertrag bis Ende Saison an. Das habe ich abgelehnt», begründete er die mutige Absage gegenüber dem «Blick».

Stattdessen wird der bald 30-Jährige am Mittwoch in Richtung Türkei abheben: Zusammen mit der Mannschaft des FC Aarau. Bei seinem Stammklub machte er bereits im Herbst gelegentlich mit, nun will er die zehn Tage Trainingslager in Belek nutzen, neu in Schwung zu kommen, während sein Berater Philipp Degen den Markt sondiert – und aus Benitos Sicht hoffentlich in Form eines langfristigen Vertragsangebots Erfolg haben wird.

Obwohl er seit der erfolgreichen EM im vergangenen Sommer, gefolgt von der Vertragsauflösung in Bordeaux, vereinslos ist, will Benito (noch) nichts von einer beruflichen Rückkehr in die Schweiz wissen. Nicht weniger als die Bundesliga oder England sollen es sein. Also ist auch ein Wettkampf-Comeback beim FC Aarau noch sehr weit entfernt, falls es überhaupt einmal dazu kommen sollte.

Eigengewächs vor dem Absprung

Im vergangenen März unterschrieb Devran Senyurt nach einigen Saisons im Nachwuchs seinen ersten Profivertrag beim FC Aarau – datiert bis 2024. Zu einem Aufgebot bzw. einem Pflichtspiel-Einsatz im Team von Cheftrainer Stephan Keller kam der 17-Jährige bislang nicht, dafür debütierte er im vergangenen Herbst für die U18-Nationalmannschaft der Türkei. Auch wenn die Entwicklung im Klub nach der Vertragsunterschrift nicht voranging wie gewünscht – beim FCA glaubt man weiterhin an den in Olten geborenen Mittelfeldspieler. Doch Senyurt und sein Umfeld scheinen keine Geduld mehr zu haben; kaum anders sind die Bilder zu interpretieren, die am Montag auftauchten und die Senyurt in Begleitung von Vater und Berater in der Türkei zeigen – genauer gesagt auf dem Klubgelände des Zweitligisten Altinordu Izmir, wo er scheinbar sogar schon am Training teilgenommen hat. Dass Senyurt ins Heimatland seiner Eltern wechselt, ist also sehr wahrscheinlich: Gemäss AZ-Informationen wird er jedenfalls nicht am Trainingslager des FC Aarau teilnehmen, das ebenfalls in der Türkei stattfindet. Stattdessen dürfte in diesen Tagen der Transfer in die Stadt an der Ägäis offiziell werden. Senyurts Platz im Trainingslager erhält wohl ein Spieler aus dem U18-Team. (wen)

Dennoch begrüsst man im Brügglifeld die Anwesenheit des prominenten Mitreisenden, der Flug- und Hotelkosten übrigens aus dem eigenen Sack bezahlt. Benito soll in der Türkei nicht nur Trainingsgast, sondern auch Ansprechpartner für die vornehmlich jungen FCA-Spieler sein und ihnen vorleben, wie man es im Profifussball auch ohne das Talent eines Lionel Messi weit bringen kann: Benito ist unter anderem portugiesischer und zweifacher Schweizer Meister sowie 13-facher Nationalspieler.

Es gilt: Sind die Aarauer am Ende der zehn Tage in der Türkei gerüstet für eine erfolgreiche Rückrunde und hat Benito das passende Angebot aus einer grossen Liga auf dem Tisch, hat sich die temporäre Wiedervereinigung für beide Parteien gelohnt.

Verkauf des Tafelsilbers käme schräg daher

Weil sowohl in der Türkei als auch in der Schweiz die Corona-Einreisebestimmungen relativ locker sind (nur Test-, keine Quarantänepflicht), hält der FC Aarau an der Reise fest und wird, verändert sich die Lage bis Mittwochmittag nicht dramatisch, nach Belek reisen. Dies bis auf das abwanderungswillige Eigengewächs Devran Senyurt (siehe Text unter Bild) mit allen Spielern, die auch in der Vorrunde das FCA-Trikot getragen haben – sprich: Es deutet sich kein Abgang an, Sportchef Sandro Burki hat bis dato für Topspieler wie Spadanuda, Rrudhani, Enzler oder Bergsma kein konkretes Angebot erhalten.

Spadanuda (links) und Rrudhani bleiben dem FC Aarau erhalten: Nur ein unmoralisches Angebot dürfte an dieser Situation etwas ändern.

Spadanuda (links) und Rrudhani bleiben dem FC Aarau erhalten: Nur ein unmoralisches Angebot dürfte an dieser Situation etwas ändern.

Marc Schumacher / freshfocus

Und sollte sich dies während der Transferphase bis Mitte Februar ändern, müsste ein solches Angebot fast schon unmoralische Züge haben, damit der FCA darauf eingeht: Mit der guten Ausgangslage im Aufstiegsrennen vor Augen will man die Mannschaft unbedingt zusammenhalten, umso mehr, da die Klubführung selber den Aufstieg zum Ziel ausgerufen hat. Da käme ein Verkauf des Tafelsilbers in der Winterpause schräg daher.

Indes wird gemäss AZ-Informationen ab heute ein neues Gesicht zum FC Aarau stossen: Der händeringend gesuchte Mittelstürmer scheint gefunden, soll am Dienstagmittag unterschreiben und danach das erste Mal mit dem FC Aarau trainieren.

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