Challenge League
0:0 im spektakulären Spitzenspiel: Keller bricht in Winterthur die «Lex Jäckle»

Nach dem Unentschieden auf der Schützenwiese trennt den FC Winterthur und den FC Aarau weiterhin ein Punkt. Die hochklassige Partie war ein Abnützungskampf, der keinen Verlierer verdient hat.

Sebastian Wendel
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Als an der Seitenlinie satte fünf Minuten Nachspielzeit angezeigt werden, geht ein anerkennendes Raunen durchs Publikum. Ja, diese Partie darf gerne noch ein bisschen länger dauern. Das Resultat von 0:0 korreliert nicht mit dem Unterhaltungswert: Topchancen, Aluminiumtreffer, mirakulöse Abwehraktionen, gepfefferte Zweikämpfe, knifflige Schiedsrichter-Entscheidungen – alles ist drin. Und weil die Höhepunkte gleichmässig verteilt sind, zum Beispiel treffen beide Mannschaften die Torumrandung, ist die Punkteteilung am Ende das logische und gerechte Resultat.

Das sieht auch FCA-Trainer Stephan Keller so, der sich nach Schlusspfiff weniger über das Resultat denn über die Gangart des Gegners ärgert. «In der Winterthurer Lokalzeitung wurde gefordert, gegen Aarau ein bisschen mehr dreinzuschlagen. So war es dann auch in der ersten Halbzeit», schimpft er im TV-Interview.

Schiedsrichterin Esther Staubli war von A bis Z gefordert: Sie verwehrt Aarau einen Penalty, auf der Gegenseite ist sie nach Rrudhanis Attacke gegen Ballet gnädig mit dem Aarauer (nur Gelb). Hinter vorgehaltener Hand schimpfen nach dem Spiel viele Akteure über die Unparteiische, der die Partie phasenweise tatsächlich entgleitet – zehn Gelbe Karten zeugen nicht von Fingerspitzengefühl und sind zu viele in einem intensiven, aber stets fair geführten Match . Doch dass Staubli eine Mannschaft mehr benachteiligt hat als die andere, ist nicht der Fall: Ihre Fehler verteilen sich «gerecht» auf beide Seiten.

Das ungeschriebene Jäckle-Gesetz beim FCA

Im Vorfeld der Partie lautet mit Blick auf Aarau die drängendste Frage: Kehrt Olivier Jäckle nach seiner Gelbsperre in die Startelf zurück? Oder vertraut Trainer Keller nach dem 2:0 gegen Wil im Zentrum wieder auf das starke Duo Bunjaku/Rrudhani? Tatsächlich: Jäckle verfolgt die Partie von An- bis Schlusspfiff auf der Bank. Sportlich ist Kellers Entscheidung drei Tage nach dem Wil-Spiel absolut nachvollziehbar, Diskussionsstoff liefert sie trotzdem. Denn es gibt (oder gab?) beim FC Aarau ein ungeschriebenes Gesetz mit dem Namen «Jäckle spielt immer»: Letztmals weder angeschlagen noch rekonvaleszent, also gesund auf der Bank Platz genommen hat das Urgestein (seit 2012 im Profiteam) im August 2015 (!). Unter Kellers Vor-Vor-Vor-Vorgänger Livio Bordoli.

Ins Spiel: Der gegenseitige Respekt der Aufstiegsanwärter Aarau und Winterthur ist vom Anpfiff an zu spüren. So ist es kein Wunder, dass bis zur ersten gefährlichen Szene in einem der Strafräume 23 Minuten vergehen: Nach einem langen Abschlag von FCA-Goalie Simon Enzler kommt schliesslich Almeida zum Abschluss, der geblockt wird. Zuvor aber wird Spadanuda von Lekaj gelegt, eher ein Penalty als keiner. Kurz darauf hat auch «Winti» seine erste Grosschance, als Alves seinen Aussenristschlenzer von Enzler um den Pfosten gelenkt sieht.

Kurz darauf nimmt Keller bereits den ersten Wechsel vor: Der rotgefährdete und inferiore Linksverteidiger Conus muss raus, für ihn kommt Kronig, der mit seiner ersten Aktion eine Traumflanke auf Almeida schlägt – Latte! Keine Minute später wird ein Fallrückzieher von Bunjaku von zwei Winterthurern auf der Torlinie geklärt.

So wie Aarau vor der Pause, ist das Heimteam nach dem Wiederanpfiff dem 1:0 näher. Ein Wahnsinnsreflex von Enzler nach Gelmis Kopfball aus nächster Nähe und der Pfosten nach Ramizis Weitschuss verhindern indes ein Tor. Wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff hat Aaraus Spadanuda dann doch noch den Matchball auf dem Fuss – ohne Erfolg.

Das 0:0 ist ein gutes Resultat für beide, auch für den FC Aarau: Zum dritten Mal in Folge kein Gegentor – das gab es letztmals im Mai 2019.

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