Matchbericht
Beste Halbzeitbilanz seit sechs Jahren: Der FC Aarau gewinnt 1:0 gegen Xamax und wird die Vorrunde als Tabellenzweiter beenden

Nach seinem Doppelpack in Kriens entscheidet Shkelzen Gashi auch das letzte FCA-Vorrundenspiel gegen Xamax mit dem einzigen Treffer der Partie. Am Ende ist beim verdienten Heimsieg auch etwas Glück dabei.

Sebastian Wendel
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Die angezeigte Nachspielzeit ist bereits abgelaufen, da lanciert Xamax einen letzten Angriff – und es kommt zu dieser Szene, an deren Ende die Aarauer sich glücklich schätzen können, dass Schiedsrichterin Esther Staubli den Mut zum Penaltypfiff nicht hat, nachdem FCA-Verteidiger Leon Bergsma Gegenspieler Mafouta mit der Fussspitze im Gesicht trifft. Xamax-Trainer Mattia Binotto sprintet aufs Spielfeld und tobt – verständlich.

Der letzte Akt der Vorrunde schliesst vielleicht so etwas wie einen Kreis: In den vergangenen Wochen wurde der FC Aarau in zahlreichen Penalty-Situationen benachteiligt, nun schlägt sich das Glück im letzten Spiel des Jahres auf ihre Seite.

Doch auch so geht das Heimteam als verdienter Sieger vom Platz. Sie investieren insgesamt mehr als die Neuenburger, auch wenn die Arbeit zu einem Grossteil aus unprätentiösen Dingen wie robuster Zweikampfführung, einer seriösen Ordnung und einem hohen Laufpensum besteht. Und es braucht an diesem Abend erneut einen glänzend aufgelegten Goalie Simon Enzler, der in der Startphase und auch beim Neuenburger Schlussfurioso matchentscheidend eingreift.

Rrudhanis Geniestreich und der abgezockte Gashi

Viel Glanz ist auf dem Spielfeld nicht auszumachen – bis auf die 24. Minute, die dann doch das Gütesiegel «hohe Fussballkunst» verdient: Am rechten Strafraumeck spielen Bunjaku und Rrudhani Katz und Maus mit den Xamax-Verteidigern, insbesondere der Lupfer Rrudhanis auf seinen Companion ist ein Geniestreich, wie ihn in dieser Liga nicht viele Spieler im Repertoire führen. Einmal freigespielt, leitet Bunjaku direkt weiter auf Shkelzen Gashi, der den Ball abgezockt im Xamax-Tor versorgt.

Donat Rrudhani (rechts) gibt die Vorlage zum Tor von Shkelzen Gashi.

Donat Rrudhani (rechts) gibt die Vorlage zum Tor von Shkelzen Gashi.

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Ja dieser Gashi: Es ist sein dritter Treffer in dieser Woche, nach zuvor über dreimonatiger Verletzungspause – erneut entscheidet er eine enge Partie zu Gunsten seiner Mannschaft. Solche Spieler machen am Ende in so ausgeglichenen Wettbewerben wie der diesjährigen Challenge-League-Ausgabe den Unterschied. Aus Aarau-Sicht ist zu hoffen, dass der 33-Jährige in der Rückrunde von Verletzungen verschont bleibt und weiter ein wichtiger Faktor im Aufstiegsrennen sein kann.

Dieses wird der FC Aarau Ende Januar vom zweiten Tabellenplatz aus in Angriff nehmen – egal, mit welchem Resultat sich am Sonntag Winterthur und Vaduz trennen. Mit 31 Punkten haben die Aarauer bei Saisonhalbzeit so viele geholt wie noch nie seit dem Abstieg aus der Super League im Jahr 2015. Und nach erstmals drei Siegen in Serie in dieser Spielzeit gehen sie mit einem sehr guten Gefühl in die Winterpause. «Das hat sich die Mannschaft verdient», findet Trainer Stephan Keller nach dem Schlusspfiff lobende Worte, «sie hat verstanden, welche Tugenden in dieser ausgeglichen Meisterschaft gefragt sind.»

Aaraus Cheftrainer Stephan Keller dirigiert während des Spiels und lobt danach seine Mannschaft.

Aaraus Cheftrainer Stephan Keller dirigiert während des Spiels und lobt danach seine Mannschaft.

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Ein Wendepunkt ist rückblickend das 0:2 in Schaffhausen Mitte November, als Aarau in Überzahl nicht nur spielerisch, sondern auch punkto Einstellung alles vermissen lässt. Seither strahlen Spieler die nötige Siegermentalität aus – das Resultat sind zehn Punkte aus den vergangenen vier Partien. Die 3024 Zuschauer verabschieden die Mannschaft mit einem Sonderapplaus in die Festtage – und verlassen dann mit grosser Vorfreude auf die Rückrunde das Stadion.

Telegramm

FC Aarau – Neuchâtel Xamax FCS 1:0 (1:0)

Brügglifeld. – 3’024 Zuschauer. – SR: Staubli. – Tore: 24. Gashi (Bunjaku) 1:0.

Aarau: Enzler; Giger (72. Hasani), Thaler, Bergsma, Kronig; Bunjaku, Njie (46. Schwegler); Rrudhani (65. Balaj), Schneider, Spadanuda (85. Avdyli); Gashi (72. Almeida).

Xamax: Guivarch; Ouattara, Djuric, Berisha, Gonçalves (7. Tavares); Hammerich (60. Saiz), Beloko; Veloso (60. Nuzzolo), Gazzetta (74. Alili), Haile-Selassie (60. Lahiouel); Mafouta.

Bemerkungen: Aarau ohne Thiesson (gesperrt), Conus, Jäckle (beide krank), Gouano und Senyurt (beide nicht im Aufgebot). Xamax ohne Dakouri, Epitaux, Ouhafsa, Pasche (alle verletzt), Morina, Rodriguez und Surdez (alle nicht im Aufgebot). – 7. Gonçalves verletzt ausgeschieden. – Verwarnungen: 20. Njie (Unsportlichkeit), 25. Djuric, 42. Beloko, 69. Giger (alle Foulspiel), 96. Mafouta (Reklamieren).

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