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Hat es das schon mal gegeben? Der FC Aarau schenkt Vaduz in Überzahl den Sieg

Obwohl die Aarauer früh in der zweiten Halbzeit mit einem Mann mehr auf dem Feld stehen, geht das Spiel gegen die Liechtensteiner mit 1:3 verloren. Zwei Gegentreffer innert fünf Minuten nach der Roten Karte für Simani besiegeln die Niederlage.

Sebastian Wendel
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Wieder eine komfortable Ausgangslage verschenkt: FCA-Torschütze Gashi mag nicht hinschauen.

Wieder eine komfortable Ausgangslage verschenkt: FCA-Torschütze Gashi mag nicht hinschauen.

Marc Schumacher / freshfocus

Neutrale Beobachter würden sagen: «Spielt Aarau, ist Spektakel garantiert.» Solche mit einem FCA-Herz hingegen fragen sich: «Warum gibt die Mannschaft schon wieder eine komfortable Ausgangslage aus der Hand?»

Wir erinnern uns an den 10. August: In Neuenburg spielt Aarau Xamax eine Halbzeit lang an die Wand, führt zur Pause 2:0 und es stellt sich nur noch die Frage, wie hoch der Gästesieg ausfallen wird. Am Ende steht es 4:2 für Xamax, nach zwei Doppelschlägen innerhalb von je zwei Minuten.

17 Tage später empfängt Aarau den FC Vaduz: 1:1 das Pausenresultat. Dann kommt es sieben Minuten nach Wiederanpfiff zu einem Rencontre zwischen FCA-Captain Shkelzen Gashi und Denis Simani, in dem der Vaduzer einen Kopfstoss andeutet. Die harte, aber berechtigte Strafe: Rote Karte für Simani. Also alles angerichtet für den vierten Aarauer Saisonsieg?

Könnte man meinen. Doch dann passiert, was sich wohl für alle der 3207 Zuschauer wie ein Novum anfühlt: Zwei Gegentore innerhalb von fünf Minuten nach dem Platzverweis für den Gegner – hat es das schon einmal gegeben? 54. Minute, Dobras, 1:2. 57. Minute, Gajic, 1:3.

Liebe FCA-Spieler: Mit Gastfreundschaft ist im Fussball etwas anderes gemeint!

Zuerst pennt die gesamte Aarauer Hintermannschaft, ehe nach dem abgefälschten Schuss von Dobras auch Goalie Enzler keine gute Falle macht. Dann vertändelt FCA-Verteidiger Jan Kronig dilettantisch den Ball im eigenen Strafraum und schenkt so Gajic das 1:3.

Aarau-Verteidiger Jan Kronig (vorne) schenkt mit einem haarsträubenden Ballverlust den Vaduzern das 1:3.

Aarau-Verteidiger Jan Kronig (vorne) schenkt mit einem haarsträubenden Ballverlust den Vaduzern das 1:3.

Marc Schumacher / freshfocus

Apropos Geschenk: Für solche ist an diesem Abend nicht nur die Aarauer Hintermannschaft, sondern auch Schiedsrichter Luca Piccolo zuständig. Der Freistoss in der 4. Minute, der zum frühen 1:0 durch den Vaduzer Rahimi führt, ist eine Erfindung des Unparteiischen. Und Piccolos Entscheidung, kurz vor dem Pausenpfiff auf Penalty für das Heimteam zu entscheiden, muss man auch aus Aarauer Sicht als schlechten Witz bezeichnen. Das «Foul» von Rahimi an Rrudhani ist keines – Shkelzen Gashi ists egal, präzis besorgt er den Ausgleich.

Zwar fällt das 1:1 Sekunden vor der Pause und somit zu einem psychologisch idealen Zeitpunkt, doch kann der Treffer nicht überschatten, dass der Penalty gleichbedeutend ist mit der ersten Grosschance für das Heimteam. Gegen den Abwehrriegel der Liechtensteiner, die von Beginn an mit einer Fünferkette verteidigen, findet Aarau kaum Lücken und agiert fehlerhaft, wenn der Durchbruch mal gelingt.

Jubel beim Heimteam nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Gashi (2.v.l.).

Jubel beim Heimteam nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Gashi (2.v.l.).

Marc Schumacher / freshfocus

Spieler wie Spadanuda, Njie und Jäckle können ihre Gala-Auftritte beim 5:2 vor Wochenfrist gegen Ouchy nicht bestätigen. Auch nach dem 1:3 rennt Aarau pausenlos an, aber zu durchschaubar, eine klare Torchance gibt es keine zu notieren. Was gegen eine Mannschaft, die mit neun Feldspielern verteidigt, zugegeben auch wenig verwunderlich ist.

Verschenkt hat Aarau ein besseres Ergebnis in den fünf Minuten nach dem Platzverweis. Oder um es mit den Worten des ehemaligen FCA-Captains im TV-Studio zu sagen: «Das ist kein Qualitätsproblem, sondern eine Frage der richtigen Einstellung. Vaduz hat es den Aarauern vorgemacht.»

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