Nach der Schlusssirene liegen sich die Spieler des TV Endingen in den Armen. Es ist geschafft. Der TVE besiegt die Lakers Stäfa in Spiel 3 mit 28:25 und steigt nur ein Jahr nach dem Abstieg wieder in die NLA auf. Es wird gejubelt, gefeiert und ... geweint. Speziell bei TVE-Captain Christian Riechsteiner fliessen die Tränen hemmungslos. Immer wieder wird er von seinen Teamkollegen in die Arme genommen.  

«Die vergangenen Wochen waren nicht so einfach. Ich hoffe Martin Pauli hat unseren Aufstieg gesehen und sich gefreut. Wir sind für ihn aufgestiegen! Diesen Erfolg widmen wir voll und ganz ihm», sagt Riechsteiner. Wie viele seiner Teamkollegen auch erinnert er sich in der Stunde des Erfolgs an Torhütertrainer Martin Pauli. Die Aargauer Handball-Legende war wenige Tage vor Beginn des Playofffinals im Alter von 67 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. 

Martin Pauli verstarb wenige Tage vor Beginn des NLB-Playofffinals.

Martin Pauli verstarb wenige Tage vor Beginn des NLB-Playofffinals.

«Er fehlt mir und der ganzen Mannschaft. Das tut schon weh», sagt Riechsteiner. Gleichzeitig betont der TVE-Captain, dass der Playofffinal eine sehr heilende Wirkung auf die TVE-Seele gehabt habe. «Die Beerdigung war am Freitag vor dem ersten Spiel des Playofffinals. Es hat sicher geholfen, dass wir uns danach gleich wieder voll auf den Sport konzentrieren mussten. Das hat viel Ablenkung gebracht.»

Erinnerungen an die Playouts vor Jahresfrist

Neben all den Tränen und den Gedanken an Martin Pauli kam aber auch die Freude über den Aufstieg bei den Surbtalern nicht zu kurz. Rückraumspieler Nemanja Sudzum dazu stellvertretend: «Ich fühle mich hervorragend! Das dritte Spiele war schwierig, weil wir noch in Erinnerung hatten, was in der vergangenen Saison geschehen ist...»

Die Mannschaft des TV Endingen feiert den Aufstieg in die NLA

Damals hatte der TVE in der Playoutserie gegen GC Amicitia im Kampf gegen den Abstieg ebenfalls mit 2:0 Siegen geführt und war dann nach drei Niederlagen in Serie doch noch abgestiegen. «Diese Erinnerungn erklären vielleicht auch, warum wir uns etwas schwer getan haben. Aber wir haben gut gekämpft und schlussendlich gewonnen. Wir sind aufgestiegen, das ist alles was zählt und die Krönung der gesamten starken Saison!»

Tatsächlich absolvierte der TVE eine sehr starke Saison. Die Surbtaler haben von 26 Partien gerade einmal deren zwei verloren und den Playofffinal mit 3:0 Siegen auf dem schnellstmöglichen Weg für sich entschieden. Riechsteiner, Sudzum und Co. stellten die beste Abwehr und den besten Angriff der Liga. Kurzum: «Wir waren die beste Mannschaft der Saison in der NLB. Das haben wir nun noch einmal bewiesen und uns so den Aufstieg verdient», sagt Sudzum.

Der Dank des Trainers

Dem pflichtet auch Trainer Zoltan Majeri bei: «Wir haben eine wahnsinnige Saison gespielt. Eine solche Bilanz ist für niemanden einfach zu erreichen. Die NLB ist keine schlechte Liga. Jedes Spiel war auf seine Art eine Herausforderung. Deshalb bin ich sehr stolz auf meine Mannschaft.»

Im Gegensatz zu den Spielern, deren Gedanken sich in erster Linie um die Feierlichkeiten des Aufstiegs in die NLA drehten, ist der Trainer zu diesem Zeitpunkt bereits einen Schritt weiter: «Meine Gedanken werden schon heute Abend um die NLA kreisen. Ich freue mich darauf und habe volles Vertrauen in meine Mannschaft, dass sie dafür bereit sein wird in der kommenden Saison.»

Neben der Mannschaft richtet sich die Dankbarkeit Majeris auch an das Publikum: «In diesem Sport ist so vieles Kopfsache. Wenn du diese Zuschauer hinter dir hast, kannst du nur gewinnen», sagt er. 1782 Zuschauerinnen und Zuschauer hatten am frühen Samstagabend für Stimmung gesorgt und die Endinger in die NLA getrommelt und geschrien.

Kündig und Sarac beenden Karriere

Einer, der in der kommenden Saison in der höchsten Schweizer Spielklasse nicht mehr dabei sein wird, ist Sebastian Kündig. Der 26-Jährige beendet seine Karriere im Leistungssport ebenso wie Armin Sarac (28). «Ich schaue mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das, was heute geschehen ist. Natürlich freue ich mich unglaublich über den Aufstieg. Aber ich hatte schon eine lange, tolle Zeit hier. Es ist nie einfach, einen Schlussstrich unter etwas Gutes zu ziehen. Aber jetzt ist der Moment dazu gekommen. Hauptsache wir sind aufgestiegen», sagt Kündig.

Und dann lässt er sich, gegen die Tränen ankämpfend, trotzdem ein kleines Hintertürchen offen: «Ich habe mich relativ früh in der Saison zum Rücktritt entschieden. Es gab immer wieder Momente, in denen ich über meinen Entscheid nachgedacht habe. Es fällt mir schwer, aber vorläufig bleibe ich bei meinem Entscheid.» Sagts und lächelt die Tränen weg.

Villigers Vorfreude auf die NLA

Auch TVE-Geschäftsführer Christian Villigers Augen sind stark gerötet, als er mit der «AZ» spricht. Wie Captain Riechsteiner kämpft auch Villiger immer noch mit den Tränen, weil seine Gedanken bei Martin Pauli weilen: «Es war eine sehr emotionale Zeit in den vergangenen Tagen nach Martins Tod. Jetzt ist die Freude über den Aufstieg umso grösser. Diesen widmen wir ihm!»

Auf die kommende Saison blickt Villiger voller Vorfreude: «Mit Claudio Vögtli und Sven Schafroth haben wir bereits zwei Verpflichtungen bekannt gegeben. Die beiden sollen bei uns eine Chance erhalten, sich zu etablieren.» Der TVE will seinem Konzept, jungen Spielern, die sich andernorts nicht durchsetzen konnten auch in der NLA treu bleiben.

In den kommenden Wochen und Monaten will der TVE nach Möglichkeit noch einen Deckungsspieler verpflichten. Noch offen ist die Zukunft von Tano Baumann, dessen Vertrag beim TVE ausläuft und noch nicht verlängert worden ist. Ansonsten bleibt die Mannschaft zusammen. Von der U19-Elite des HSC Suhr Aarau stösst zudem Noah Grau zur Mannschaft.

Und wer weiss, vielleicht schafft der TVE in der kommenden Saison in der NLA den Ligaerhalt und wird so seiner Bezeichnung als Liftmannschaft nicht gerecht.