Playouts: Dieses Gespenst hat das Frauen-Team des SC Reinach vertrieben. Teamleiter Franz Pelloli gibt für die am Samstag mit dem Auswärtsspiel bei den ZSC Lions Frauen beginnende Meisterschaft die Richtung vor: «Ein Platz unter den ersten Vier ist das Ziel» und Neu-Alt-Trainer Philippe Steiner doppelt nach: «Wir wollen vorne mitmischen.» Das neue Selbstvertrauen fusst auf einer ganzen Reihe von Erfolgen auf dem Transfermarkt.

Reinach hat sich klar verstärkt und sein schmales Kader erweitert. Kronjuwel unter den «Neuen» ist Nationaltorhüterin und Olympiaheldin Florence Schelling, die neben ihrem Pensum beim Erstligisten Bülach im Reinacher Tor stehen wird. Pelloli denkt, dass Schelling «bis Weihnachten bis zu sieben Mal für uns spielen wird, danach ist der 1.Liga-Kalender noch nicht erstellt.»

Marty-Zwillinge gehen getrennte Wege

Reinach litt letzte Saison extrem unter dem Entscheid der Marty-Sisters, die olympische Saison beim schwedischen Meister Linköping zu spielen. Eigentlich hätten die Zwillinge wieder zu Reinach zurückkehren sollen, doch dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung: Stefanie Marty wird – zumindest bis Ende November – beim Ligakonkurrenten Uni Neuchâtel spielen, «aus beruflichen Gründen», wie sie unterstreicht, denn die 26-Jährige absolviert beim Bundesamt für Statistik in Neuenburg ein achtmonatiges Praktikum. Danach kehrt sie allerdings nicht zu Reinach zurück, sondern widmet sich dem Unternehmen Titelverteidigung mit Linköping in Schweden. So ist Verteidigerin und Nati-Captain Julia Marty die «einzige Marty» in Reinach.

Verstärkung aus Amerika

Ganz ohne «Zwillinge» wird das Reinacher Frauen-Team jedoch nicht auskommen müssen, denn die Oberwynentalerinnen haben das Rennen um die von der ganzen Liga gejagten Doppelbürgerinnen Chelsea und Raschelle Jamarillo für sich entschieden. Die beiden US-Spielerinnen wechseln von der University of Massachusetts ins beschauliche Reinach.

Trainer Philippe Steiner, lange Jahre Delegationsleiter der Frauen-Nationalmannschaft, kennt die beiden von einem Nati-Tryout und traut ihnen «den Sprung ins Nationalteam durchaus zu.» Allerdings – ganz Trainer – hat er noch einige «Mängel» ausgemacht, die es zu beheben gilt: «Die Grundschnelligkeit fehlt noch, aber die Wasserverdrängung ist da.»

Und weil die neuen Ausländerinnen Katerina Flachsova und Ingvild Farstad, die beiden Nationalspielerinnen Tschechiens und Norwegens, durchaus im Kreis der besten Ausländerinnen in der Schweiz mithalten könn(t)en, ist mit Reinach – früher ein sicherer Medaillenkandidat – wieder zu rechnen.

Erstmals gegeneinander

Historisches wird am 28. September passieren: Dann nämlich stehen sich Julia und Stefanie Marty erstmals in der Schweiz in einem Ligaspiel gegenüber. Mit Ausnahme ihres USA-Aufenthaltes haben die beiden bisher immer im gleichen Team gespielt. «Ein komisches Gefühl», sagt Julia und Stefanie fügt bei: «Aber wir sind bei Profis genug, dass wir das auf dem Eis ausblenden können.» Vor dem Spiel, so meinen beide, «dürfte der eine oder andere flotte Spruch fallen.» Trotz unterschiedlicher Trikots, eines wird sich gleich bleiben: Julia und Stefanie werden in ihrem Team zu den Leaderinnen gehören, genauso wie im Nationalteam.