Judo
Brugger Duo: «Wir fahren nicht zum Spass dorthin»

Tobias Meier und Michael Kistler vom Judo-Club Brugg wollen an den U21-Europameisterschaften in Sarajevo Gold holen. Dafür trainieren die beiden mit den Älteren und müssen unter anderem Freizeit und Ausgang opfern.

Jessica Widmer
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Tobias Meier (rechts) und Michael Kistler trainieren seit sechs respektive zehn Jahren in Brugg.

Tobias Meier (rechts) und Michael Kistler trainieren seit sechs respektive zehn Jahren in Brugg.

Jessica Widmer

An diesem Wochenende treffen sich die besten Judoka-Junioren Europas in der bosnischen Hauptstadt. Mit dabei sind die 19-jährigen Brugger Tobias Meier und Michael Kistler. Das ist alles andere als selbstverständlich, denn in der letzten Saison hatten beide mit hartnäckigen Verletzungen zu kämpfen. Vor allem für den Sohn des früheren Olympiateilnehmers Daniel Kistler, der das letzte Turnier des Jahres wegen eines Schlüsselbeinbruchs verpasste, kam die Nomination aus heiterem Himmel. Kistler erfuhr per E-Mail von seinem Glück.

Arbeit und Sport im Zusammenspiel

Die Freunde trainieren seit sechs, respektive zehn Jahren täglich im nationalen Sportausbildungscenter Mülimatt mit dem Judo-Club Brugg. Nebenbei arbeiten die beiden. Sie absolvieren das Sport-KV, welches vier anstatt drei Jahre in Anspruch nimmt und immer darauf ausgelegt ist, dass sie genügend Zeit zum Trainieren haben. Tobias macht die Ausbildung in einem Fitnesscenter und Michael bei der Fachhochschule Nordwestschweiz.

Finanzieller Balanceakt

«Vom Judo allein kann man in der Schweiz leider nicht leben. Es ist einfach nicht populär genug. Daher sind wir auf unsere Eltern und auch auf private Sponsoren angewiesen», stellt Kistler klar. «Ein Turnierwochenende kostet locker 1000 Franken, es muss alles aus der eigenen Tasche finanziert werden. Das Ziel ist es, so viele Turniere wie möglich zu bestreiten, damit wir uns für Grossanlässe wie WM und EM (diese sind vom Verband finanziert, Anm. d. Red.) qualifizieren können.»

Respekt den Trainings-Älteren

Die Medaillengewinne letzte Woche am Grand Prix in Rijeka von ihren Teamkollegen Domenic Wenzinger, Ciril Grossklaus und Flavio Orlik spornen Meier und Kistler zusätzlich an. «Wir schauen zu ihnen auf. Wie wir es im Judo gelernt haben: Begegne den Trainings-Älteren mit Respekt», sagt Meier. Die Stimmung unter den Sportlern im Brugger-Judo-Team ist ausgezeichnet. Beide haben vor ihrer Abreise nach Sarajevo etliche Glückwünsche mit auf den Weg bekommen. Für die Titelkämpfe haben sie sich ein klares Ziel gesteckt: Gewinnen wollen sie. «Wir fahren nicht zum Spass dorthin», betont Michael Kistler.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben die jungen Judokas keine speziellen Rituale. Alles verlaufe instinktiv, da sie die Kampfsituationen seit Jahren trainieren. «Wichtig ist es, den Fokus immer auf den ersten Kampf zu legen. Nicht daran denken, was nachher kommt. Das macht nur nervös und lenkt ab», sind sich die beiden einig.

Olympische Spiele als langfristiges Ziel

Grosse Stücke auf die beiden hält auch ihr Trainer Giorgio Vismara: «Bei Meier und Kistler ist es wichtig, dass sie den Fokus jetzt nicht verlieren. Ich lasse sie mit den Älteren trainieren, damit sie Erfahrung sammeln und von ihnen lernen können. Dies soll sie weiterbringen. Um etwas zu erreichen, müssen die beiden auch bereit sein, Dinge wie Freizeit und Ausgang zu opfern.» Wenn er mit ihnen über die gemeinsamen Ziele spricht, dann geht es oft um die Olympischen Spiele. «Darauf arbeiten wir hin,» sagt Vismara.