Zwischen 1960 und 1990 entwickelte sich Bern zum Schweizer Box-Mekka. Mehrere Berner Profis kämpfen in dieser Zeit in ihrer Gewichtsklasse um den EM-Titel (Chervet, Hebeisen, Scacchia). Viele wechselten den Club in ihrer Zeit als Spitzenboxer nie. Auch Yves Studer, der erfolgreichste Schweizer Boxer der Neuzeit, wechselte den Verein nur ein Mal.

Emotional schwierig, sportlich wichtig

Diesen Schritt vollzieht nun auch Davide Faraci, mehrmaliger Schweizer Meister im Mittelgewicht und grösste Schweizer Box-Hoffnung. Er wechselt vom Boxring Baden nach Zürich. «Der Boxclub Zürich bietet mir bessere Trainingsmöglichkeiten, weil dort mehr Wettkampfboxer sind und ich somit auch mehr Sparrings absolvieren kann», sagt der 23-jährige aus Leuggern. Deshalb hat sich Faraci nicht nur von seinem Stammklub, sondern auch vom langjährigen Trainer Engin Köseoglu getrennt. «Engin hat mich in den letzten zehn Jahren als Trainer begleitet und ich verdanke ihm sehr viel. Die Entscheidung ist mir aus persönlicher Sicht nicht einfach gefallen», sagt er. Sportlich hingegen sei es der richtige Weg. «Das Training ist anders als in Baden. Es ist immer gut, auch mal neuen Dingen eine Chance zu geben, um vorwärtszukommen», so Faraci.

Keine zu hohen Erwartungen

«Natürlich ist der Wechsel von Davide ein Verlust für den Boxring Baden«, bedauert Ex-Trainer Köseoglu. Hinsichtlich der neuen Herausforderung möchte der langjährige Förderer Faraci raten, dass er seine Erwartungshaltung nicht zu hoch setzen soll. «Auf diesem sehr hohen Niveau, auf welchem er sich als Boxer bewegt, macht man keine allzu grossen Fortschritte mehr. Wichtig sind die Geduld und die Arbeit vor allem im mentalen Bereich», sagt er.

Wechsel geht ok

Neu trainiert wird Faraci in Zürich von Vitali Tomoshenko (Cheftrainer), Axel Dröge (Krafttrainer) und Matthias Luchsinger (Sportlicher Leiter). Betonen möchten sie, dass der Wechsel von Faraci nur mit dem Einverständnis von Engin Köseoglu zugelassen wurde. «Engin ist ein langjähriger und guter Freund von mir. Hätte dieser Wechsel unser Verhältnis bedroht oder verändert, dann hätte er nicht stattgefunden», sagt Luchsinger.

So geht für Faraci der Kampf um ein lange gehegtes Ziel in einem neuen Club weiter. «Nach vielen Verletzungen wünsche ich mir primär ein verletzungsfreies Jahr 2015. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio ist und bleibt mein grösstes Ziel», sagt Faraci. 2012 fehlte ihm zur Qualifikation für die Olympischen Spiele nur ein Sieg.