Boxen
Ando Hakob will bieten, was er selbst nie hatte – und riskiert dafür sogar seinen Ruf

Der 32-jährige Boxer aus Baden bestreitet am Samstag in Basel seinen 18. Profikampf. Fast ebenso wichtig ist ihm aber seine Rolle als Mentor. Und er sagt: «Wer nicht bereit ist, um 5 Uhr aufzustehen, kann gehen.»

Martin Probst
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Nemanja Cekic (l.) trainiert mit Ando Hakob für seinen ersten Box-Kampf.

Nemanja Cekic (l.) trainiert mit Ando Hakob für seinen ersten Box-Kampf.

Alexander Wagner

Ando Hakob sitzt auf einem Sofa, also eigentlich auf Holzpaletten mit Kissen darauf, und sagt: «Ich lehne mich hier ziemlich weit aus dem Fenster. Es geht ja auch um meinen Ruf.»

Nun gut. Fenster hat es in der ehemaligen Industriehalle im zweiten Untergeschoss des Trafo-Gebäudes in Baden keine. Dafür alles, was das Herz eines Boxers höherschlagen lässt. Und zu viel Komfort kann in einem Sport, der so vieles abverlangt, die Kämpfer gemütlich machen.

Mit Boxen kennt sich Hakob aus. 17 Profikämpfe hat er schon bestritten, davon 14 gewonnen. Am Samstag kommt es in Basel zum 18. Kampf. Er sollte also wissen, was er behauptet, wenn er eine Prognose wagt.

Am Samstag kämpft Ando Hakob in Basel.

Am Samstag kämpft Ando Hakob in Basel.

zvg

«Irgendwann», sagt Hakob und zeigt auf einen Mann neben ihm, «kann er Schweizer Meister werden. Und ich will ihm bieten, was ich nie hatte.»

Er hat Fehler gemacht, die sich nicht wiederholen sollen

Hakob will Mentor sein, Berater und Trainer, vor allem aber jemand, der an ihn glaubt, sich sprichwörtlich aus dem Fenster lehnt.

Der Mann, dem Hakob so viel zutraut, ist Nemanja Cekic, 21-jährig und wohnhaft in Neuenhof. Am Samstag kämpft er im Vorprogramm. Zum ersten Mal.

«Ich weiss noch genau, wie ich mich vor meinem ersten Kampf fühlte», sagt Hakob. «Und vor allem weiss ich, wie viele Fehler ich machte, weil es niemanden gab, der mir zeigte, wie ich sie vermeide.»

Warum aber ist sich Hakob so sicher, dass Cekic seinen Weg machen wird? «Ich habe sehr viele gesehen, die kamen an mit einer grossen Klappe und waren ebenso schnell wieder weg.» Und er ergänzt:

«Man muss bereit sein, um 5 Uhr aufzustehen, um vor der Arbeit ins Training zu gehen und danach wieder.»

Cekic bringt diesen Willen mit. Aber da ist auch noch etwas ­anderes, das Hakob begeistert. «Für mich ist es schwierig, gute Sparringspartner zu finden, weil sie nach einem Mal nicht mehr kommen», sagt er. Zu eindrücklich ist die Wucht des 32-Jährigen, der sich am Samstag in Basel für einen Titelkampf empfehlen will.

Im Vorjahr hätte Hakob um den Europameistertitel boxen können, aber eine Verletzung stoppte ihn. «Ich will beweisen, dass ich dazu fähig bin, auch wenn in meinem Alter inzwischen dieses und jenes schmerzt.»

Als er wieder kommen wollte, war klar: Der kann was

Um kampfbereit zu bleiben, braucht Hakob starke Trainingspartner. Und als er mal wieder suchte, meldete sich Cekic, der damals Thai-Boxer war. «Ich dachte mir, wo bin ich gelandet, dass sich jetzt nicht einmal mehr Boxer melden», erinnert sich Hakob.

Und trotzdem lud er den 21-Jährigen ein. Und war überrascht. Noch viel mehr, als sich Cekic am nächsten Tag wieder meldete, wann er das nächste Mal kommen soll.

Ando Hakob (l.) mit seinem Schützling Nemanja Cekic.

Ando Hakob (l.) mit seinem Schützling Nemanja Cekic.

Alexander Wagner

«Dieser Wille, gepaart mit seinen Fähigkeiten, lässt mich an ihn glauben», sagt Hakob. So sehr, dass er sich aus dem Fenster lehnen würde. Hätte es denn welche in seinem Gym in Baden.

Ando Hakob der Kritiker

Ando Hakob ist von der Coronapandemie stark be­troffen. Wie viele Kampfsportler litt er unter den Folgen der Massnahmen. «Ich hatte das Glück, dass ich ein eigens Gym besitze und trainieren konnte, während andere Fitnessstudios schliessen mussten», sagt er. Eine wichtige Einnahmequelle ging aber auch ihm verloren. In Baden betreibt er einen Crossboxing-Klub, bietet vor allem Personal-Training an. Doch das war lange nicht erlaubt. «Für mich herrscht zu grosse Willkür, wer was darf», sagt er. «Es wird zu viel unternommen, das nicht nötig wäre.» Für seine Kritik an den Massnahmen, die oft auch umstrittene Inhalte umfasst, erhalte er viel Lob. «Nur traut sich niemand, öffentlich dazu zu stehen.» Hakob fürchtet sich vor erneuten Schliessungen, selbst verzichtet er aber auf die Impfung. (mpr)

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