Ivan Kron, ein sicherer Wert für die Freiämter Ringer, offenbarte nach der Niederlage die Gefühlslage. Minutenlang sass er wie ein Häufchen Elend auf der Matte. «Kein Freiämter zeigte eine gute Leistung», resümierte Alttrainer Leonz Küng später. Das ganze Team habe diesen Match verloren. Freiamts aktueller Trainer, Marcel Leutert, suchte die Schuld erst beim defensiv eingestellten Gegner, gestand aber schliesslich ein, dass sein Team ringerisch zu schwach gewesen sei. Hergiswil kämpfte in je-der Beziehung abgeklärter. Coach Hanspeter Wisler sprach von einem Vorteil, sich zwei Wochen auf diesen Kampf vorbereiten zu können. Die Napfringer hatten vor einer Woche den Spitzenkampf Freiamt-Willisau genau beobachtet und die richtigen Schlüsse gezogen.

Frühzeitige Weichenstellung

Der Untergang von Meister Freiamt begann bei der Aufstellung. Obwohl die Aargauer bis 60kg Freistil einen neuen Ausländer aus dem Hut zauberten, präsentierte Hergiswil die erfolgversprechendere Formation. Freiamt plante den Einsatz von Dennis Vollenweider bis 84kg, doch der schwedisch-schweizerische Doppelbürger hatte sich just vergangene Woche im Norden verletzt.

So baute Trainer Leutert auf die Hoffnung, dass sich die guten Ansätze bei der Niederlage gegen Willisau in eine Leistungssteigerung verwandeln würden. Doch die ersten fünf Einzelkämpfe zerstörten diese Illusion. Nur der Neue, Petru Toarca, erfüllte seine Pflicht. Allerdings haftete seinem Schultersieg der Makel eines Würgegriffs an. Der Rest liess sich unter «Pleiten, Pech und Pannen» einordnen. Pascal Gurtner lieferte Werner Suppiger im Schwingerduell ein Angriffsspektakel. Aber der Schaffhauser in Aargauer Diensten liess jedes taktische Feingefühl vermissen. In der Entscheidungsrunde führte er 3:0. Zwei Minuten später ging er als 4:10-Verlierer von der Matte.

Desolate Einstellung

Die Aargauer Fans erwarteten angesichts des 9:12-Pausenrückstandes eine meisterliche Reaktion. Doch diese blieb aus. In derselben Lethargie traten die weiteren fünf Freiämter auf die Matte. Sinnbildlich dafür torkelte Sandro Vollenweider während dreier Minuten umher, bis er die erste Runde 0:6 verloren hatte. Zwar wendete er das Blatt mit einem 3:0- und einem 9:4-Rundengewinn. Doch das Momentum blieb auf Hergiswiler Seite. Dann knickte der letzte Freiämter Strohhalm. Der 60-kg-Greco-Spezialist Patrick Stadelmann erwies sich gegen den verzweifelt anrennenden Markus Murer bis 66kg Freistil ringerisch unantastbar.

Der Meister muss sich in dieser Verfassung ab sofort darauf fixieren, im Dezember wenigstens das Duell um Bronze für sich zu entscheiden. Willisau und Hergiswil verfügen in dieser Saison über mehr Substanz.