Im Februar 2018 finden Olympische Spiele statt. Denken Sie bereits daran?
Rico Peter: Ja, schon. Es gibt aber bereits vorher wichtige Rennen, in denen wir die Selektionskriterien von Swiss Olympic erfüllen müssen. Wobei dies für uns Formsache sein sollte.

Wie realistisch ist der Gewinn einer Olympia-Medaille?
Eine Medaille ist unser Ziel. Wenn man die vergangene Saison betrachtet – zumindest, was den Viererbob betrifft –, ist das auch realistisch. Mit dem Zweierbob wird es wohl schwieriger. Allerdings haben wir für den kleinen Schlitten neues Material. Wenn in Südkorea die richtigen Kufen montiert sind, liegt vielleicht auch im Zweier eine Medaille drin.

Ist der Druck grösser als vor einer normalen Saison?
Es ist sicher etwas mehr Druck vorhanden, weil das Ziel bevorsteht, auf das man dreieinhalb Jahre lang hingearbeitet hat. Jetzt folgt der Teil, in dem einfach alles passen muss. Wir haben eine optimale Ausgangslage geschaffen.

Rico Peter.

Rico Peter.

Wie gehen Sie mit Druck um?
Ich hatte damit nie Probleme. Ich bin eher locker eingestellt und setze mich nicht unter Druck. Dennoch habe ich an den Olympischen Spielen 2014 einiges gelernt. Damals stand ich am Startbalken und dachte: «Jetzt folgt also dieses Rennen.»

Dabei hätte in dieser Situation alles andere, nur nicht dieser Gedanke, in meinem Kopf auftauchen müssen. So konnte es nur in die Hosen gehen. Inzwischen arbeite ich mit einem Mentaltrainer zusammen, damit das nicht mehr passiert.

Bereiten Sie sich auf eine Olympia-Saison anders vor als üblich?
Vom Inhalt der Vorbereitung und punkto Bobfahren lief eigentlich alles so ab wie in früheren Jahren. Einzig beim Material haben wir zugelegt und den Trainingsumfang vergrössert.

Ich habe diesen Sommer voll auf die Karte Sport gesetzt, um athletisch alles rausholen zu können. Ich zählte nicht zu den stärksten Athleten am Start. Ich hoffe, dass wir in dieser Saison schneller starten werden.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der vergangenen Saison gewonnen?
Bei der Ausrüstung sind wir im Viererbob bei den Besten dabei, wahrscheinlich besitzen wir hier sogar das beste Material. Im Zweier liegt noch einiges drin, darum haben wir viel in eine neue Aerodynamik investiert.

Starker Saisonabschluss: Bobpilot Rico Peter.

Starker Saisonabschluss: Bobpilot Rico Peter.

Zuletzt haben Sie eine Trainingswoche in Südkorea verbracht. Warum?
Die Olympia-Bahn ist anspruchsvoll. Man kann in Pyeongchang zwar Fehler machen und fällt nicht gleich um. Trotzdem es ist schwierig, schnell zu fahren. Welche Linie die schnellste ist, ist schwer herauszufinden. Deshalb war die Woche eine wertvolle Erfahrung. Das nächste Mal dürfen wir erst kurz vor den Olympischen Spielen vor Ort trainieren.

Sie haben mit den Vorbereitungen für die Saison früh begonnen. Ist es Ihnen nie langweilig geworden?
Es war ein langer Sommer. Weil man in der Bahn nicht wirklich trainieren kann, haben wir viel Abwechslung in den Trainingsalltag gebracht, damit die Motivation hoch bleibt. Wir gingen in Norwegen fischen, sind auf dem Vierwaldstättersee Wasserski gefahren oder haben in Italien Ausflüge gemacht.

Sie verbringen als Team viel Zeit. Ist es schon zu Lagerkoller gekommen?
Während der Saison verläuft das Zusammensein nicht immer reibungslos. In den vergangenen drei Jahren hatte ich aber ein tolles Team. Wir sind zwar immer gemeinsam unterwegs, jeder nimmt sich aber die Zeit, um einmal für sich zu sein.

Wenn dennoch Unstimmigkeiten vorhanden sind, sprechen wir sie an. Dann bin ich als Pilot und Teamführer gefordert. Dass es keinen Zoff gibt, ist auch ein Grund für unseren Erfolg.

Beschweren sich Ihre Anschieber, wenn Sie einen Fahrfehler begehen?
Wenn ich einen Fahrfehler mache, ist das ärgerlich. Aber ausser nicht ernst gemeinten Sprüchen kommt wenig zurück. Mit Ausnahme einzelner Rennen waren wir immer relativ schnell unterwegs. Unser Problem liegt meistens beim Start. Doch als der langsamste Athlet im Team darf ich nicht motzen.

Wie wird entschieden, welcher Anschieber im Zweier für Tempo sorgt?
Generell entscheiden ich und Nationaltrainer Wolfgang Stampfer, wer zum Einsatz kommt. Er kann die Situation neutral einschätzen. Im Zweierbob fährt grundsätzlich immer der stärkste Athlet mit, es finden aber während der Saison mehrere Wechsel statt.

Man kann alle Rennen mit dem gleichen Anschieber bestreiten, nur ist dieser beim wichtigsten Wettkampf mit Sicherheit nicht gleich fit, wie wenn er zuvor die eine oder andere Pause erhalten hat.

Wie schwierig ist es für Sie, während der Saison jeweils mehrere Tage von der Familie weg zu sein?
Sagen wir es so: Es ist umso schöner, nach Hause zu kommen. Am schwierigsten war für mich immer die Distanz zu meiner Tochter. Früher waren ihre Entwicklungssprünge während meiner Abwesenheiten riesig, da lagen Welten zwischen Hin- und Rückreise.

Rico Peter im Viererbob.

Rico Peter im Viererbob.

Mittlerweile ist sie sechs Jahre alt und macht dieses Leben schon eine gefühlte Ewigkeit mit, zudem erleichtern die technischen Möglichkeiten wie Skype vieles. In meinem Team ist sich jeder bewusst, was auf ihn zukommt, wenn er den Weg als Spitzensportler einschlägt. Vielleicht wird es bald nicht mehr so sein, deshalb geniessen wir das Hier und Jetzt umso mehr.

Das tönt, als würden Sie nächste Woche in Ihre letzte Saison starten.
Das lasse ich offen. Am wichtigsten ist betreffend Zukunftsplanung die Situation mit den Sponsoren. Es ist meine 13. Saison, seit meinem ersten Jahr ist kein Sponsor abgesprungen.

Zu Beginn waren es einige Franken, nun sind es riesige Summen, die sie investieren. Deshalb würde ich es verstehen, wenn sie sich anders orientieren wollen. Wenn sie sich nochmals dazu bereit erklären, mich und mein Team vier Jahre zu unterstützen, dann wäre schon sehr viel geklärt.