Patric With, Sie haben auf Ende Saison Ihren Rücktritt als Trainer des Erstligisten Aarau bekannt gegeben, weil Ihnen der Aufwand mit den langen Fahrwegen zu viel wird. Gibt es auch noch andere Gründe?

Patric With: Sicher überlegt man sich nach vier Saisons auch, ob es an der Zeit wäre eine andere Herausforderung zu suchen, respektive einem anderen den Platz freizumachen. So wie man das als Spieler in der Regel auch tut. Aber in erster Linie ist es ganz klar der Aufwand. Am Freitag zum Beispiel bin ich Dreieinviertelstunden im Auto gesessen.

Sie arbeiten beim Hockey-Ausrüster Ochsner Sport und betreuen in der Zentralschweiz den Profi-Bereich.

Ja. Im Winter zu 80 Prozent, das heisst ich bin drei Tage draussen und jeder Tag ergibt noch einen halben Tag Büroarbeit. Da kommen mit den rund fünf wöchentlichen Einheiten beim EHC Aarau viele Nachtschichten zusammen.

Wie hat die Mannschaft auf den Rücktritt reagiert?

Kürzlich kam Attila Blatter auf mich zu und hat mich im Namen der ganzen Mannschaft gebeten, mir die Sache noch einmal zu überlegen. Das hat mich natürlich extrem gefreut und bringt mich jetzt ganz ehrlich in einen riesigen Gewissenskonflikt. Damit hätte ich nie gerechnet.

Werden Sie sich die Sache noch einmal überlegen?

Im Fokus steht jetzt vorerst ganz klar das Erreichen des 6. Ranges und damit der oberen Masterround. Aber ich werde mir über Weihnachten sicher noch einmal Gedanken machen.

Wenn Sie heute entscheiden müssten – wie gross ist die Chance, dass sie in Aarau bleiben?

Im Moment ist der Fall ganz klar: Ich höre auf.

In innig friedvoller, besinnlicher Umgebung unter dem Tannenbaum könnte also die Meinung vielleicht noch ändern?

Vielleicht. Vielleicht werde ich auch erst nach Weihnachten, auf der Skipiste oder beim Spengler-Cup schauen, zum definitiven Entscheid kommen.

Mit Pokern, sprich Erwirken von besseren Vertragskonditionen, respektive Abchecken des Marktwertes, hat Ihre Ansage nichts zu tun?

Nein, gar nicht. Überhaupt nicht. Ein Tausender mehr oder weniger, davon hängt mein Entscheid bestimmt nicht ab. Für mich als Trainer zählen allein sportliche Aspekte und wie der Klub geführt und mit welchem Konzept er unterwegs ist. Diesbezüglich stimmt es in Aarau.

Man hört, es gibt schon Angebote von der Konkurrenz aus der 1. Liga?

Die gibt es, ja. Aber ich werde ganz bestimmt nicht vor Abschluss der Qualifikation, und bevor ich mir die Sache mit Aarau nochmals durch den Kopf habe gehen lassen, mit irgendjemandem verhandeln oder Gespräche führen. Ich kann mir auch gut vorstellen, ein Jahr als Trainer auszusetzen.

Sie wohnen in Belp – beim abgeschlagenen Schlusslicht in der 1.-Liga-Gruppe 2 also. Da läge ein Wechsel zum Heimteam, mit sie als Spieler ja selber schon dreimal Zentralschweizer 2.-Liga-Meister wurden und auch schon eine Saison Trainer waren, auf der Hand?

Die Vermutung liegt Nahe und es gab auch schon Stimmen, die sagten, ob ich mir das nicht vorstellen könnte. Aber die kamen nicht aus dem Klub, sondern aus dem Umfeld. Schliesslich kenne ich in Belp praktisch jede und jeden, die sich irgendwie für den EHC interessieren.

Das mit dem Weg und dem hohen Aufwand wäre in Belp kein Thema?

Sicher, aber wie gesagt. Bis zum Abschluss der Qualifikation denke ich gar nicht daran, mir Gedanken über Alternativen zu machen. Allein das Erreichen der Top 6 zählt jetzt für mich. Und dazu brauchen wir jeden Punkt. Abgesehen davon müsste in Belp sehr viel ändern, damit es für mich infrage käme.

Goalie Flurin Brunner fällt für den Rest der Saison aus, weil er seine Hüfte operieren muss. Gibt es schon einen Ersatzmann?

Ich bin in den letzten Tagen ziemlich gewirbelt, damit wir Marco Mathis vom SC Langenthal für die letzten vier Qualifikationsspiele gewinnen konnten. Und das hat jetzt geklappt. Er bleibt bis Weihnachten bei uns.

Und für die Zeit danach – also im Idealfall der oberen Masterround und den Playoffs?

Da müssen wir uns noch überlegen, ob wir einen Goalie holen. Unser zweiter Torhüter Misko Heimann hat Jahrgang 1993. Die obere Masterround und die Playoffs wären vielleicht noch etwas viel für ihn.

Gesetzt der Fall, Aarau würde Ihnen künftig einen Helikopter mit Pilot zur Verfügung stellen – wäre dann für Sie klar, dass Sie in Aarau bleiben?

Nein. Abgesehen davon, bei Schneetreiben wie am Freitag könnte wohl ein Helikopter nicht fliegen.