Boxen
Blas-Miguel Martinez aus Möhlin kämpft im Wembley um EM-Titel

Fünf Jahre jagte Blas-Miguel Martinez dem Traum des spanischen Meisters hinterher. Mit der Erfüllung dieses Traums öffnete sich eine neue Türe. Heute Mittwoch reist er nach Las Vegas, um zum grössten Kampf seiner Karriere anzutreten.

Andreas Fretz
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Blas-Miguel Martinez wird im Wembley-Stadion zwar nicht als Favorit in den Ring steigen - trotzdem ist im Boxen alles möglich.

Blas-Miguel Martinez wird im Wembley-Stadion zwar nicht als Favorit in den Ring steigen - trotzdem ist im Boxen alles möglich.

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So richtig fassen, was da auf ihn zukommen wird, kann es Blas-Miguel Martinez noch nicht. «Es ist wie Weihnachten und Geburtstag an einem Tag», sagt der 33-jährige Profiboxer aus Möhlin. Am kommenden Freitag hat er im Londoner Wembley-Stadion, dem Nationalstadion der englischen Fussballnationalmannschaft, seinen grossen Auftritt.

Nicht als Fussballer, sondern als Boxer. Im Supermittelgewicht trifft er auf den Engländer Jamie Cox. Es geht um den EM-Titel nach Version WBO. Mehrere 10 000 Zuschauer werden erwartet. Beim letzten Box-Event war das Wembley mit 80 000 Zuschauern ausverkauft.

Das höchste der Gefühle

«Ein Auftritt im Wembley ist vergleichbar mit einem Kampf im Box-Mekka Las Vegas», sagt Gregor Stadelmann, Präsident des Nobel Art Boxing in Frenkendorf. In Frenkendorf trainiert Martinez, übernimmt im Verein diverse Aufgaben als Helfer und arbeitet selbst als Trainer. Nun hat er sich vier Wochen auf den Kampf seines Lebens vorbereitet. Am Donnerstag absolvierte er sein letztes Sparring über die Kampfdistanz von 12 Runden. Am Mittwoch reist die Schweizer Delegation nach London.

Doch wie kam Martinez überhaupt zu diesem Kampf? Der Grund liegt in seiner spanischen Staatsbürgerschaft. Am 1. Mai feierte der zweifache Familienvater den bisher grössten Erfolg seiner Karriere: Nach fünf Jahren vergeblichen Anrennens krönte er sich in La Coruña zum spanischen Meister.

Dieser Titel öffnete ihm die Türen. Nachdem Cox’ Herausforderer Lee Markham schliesslich ausfiel, sprang Martinez kurzfristig ein. Die kurze Vorbereitung sei kein grosses Problem, glaubt Martinez. Denn der Kampf in La Coruña dauerte nur zwei Runden, dann schickte der Mann aus Möhlin seinen Gegner auf die Bretter. «Ich musste mich also nicht grossartig erholen von diesem Kampf», sagt Martinez, der neben dem Boxen als Polizist arbeitet.

Nichts ist unmöglich

Gegen Cox – einen Engländer in England also – ist Martinez klarer Aussenseiter. Doch der Kampf in Spanien habe gezeigt, dass im Boxen alles möglich sei. «Ein guter Treffer kann reichen», sagt Martinez, der in 29 Profikämpfen 21-mal gewonnen hat, davon 12-mal durch K. o.

Äusserst eindrücklich ist die Bilanz von Cox. Der 28-Jährige hat alle seiner 18 Profikämpfe gewonnen. Er blickt auf eine aussergewöhnliche Amateurkarriere zurück. Er wurde 2005 englischer Meister und gewann 2006 die Commonwealth Games. 2007 wechselte Cox ins Profilager. Seine Karriere verlief bis 2011 einwandfrei. Der Boxer aus Swindon reihte Sieg an Sieg im Halbmittelgewicht und wurde im Herbst 2011 Commonwealth Champion. Damals wurde er bereits als kommender Weltmeister gefeiert.

Doch dann holte ihn sein turbulentes Privatleben ein. Als sein Training darunter litt, liess ihn sein Promoter Frank Warren pausieren. Das Comeback in diesem Jahr beendete der Engländer durch technischen K. o. in der ersten Runde und verbesserte seinen Kampfrekord auf 18 Siege in 18 Kämpfen.

Martinez fühlt sich immer noch fit

«Klar wird es gegen Cox schwer», sagt Gregor Stadelmann, «aber eigentlich sind wir jetzt schon Gewinner. Im Wembley einzulaufen, dass erlebt man nur einmal in seiner Karriere.» Martinez empfindet den Kampf als späte Genugtuung in seiner langen Karriere. 15 Jahre boxt er wettkampfmässig, seit 2007 als Profi. Trotz seiner 33 Jahre sei er nun in einem guten Alter. «Ein Boxer braucht 10 Jahre, um sich voll zu entwickeln», sagt Martinez.

Zwar spüre er mittlerweile durchaus das Alter, aber Aufhören sei noch kein Thema. «Solange ich gerne im Ring stehe, werde ich boxen», sagt er. Nächste Saison wird er bestimmt noch dranhängen. Reich wird er aber nicht mit seinem Sport. «Mit den Kosten für Manager, Sparringpartner, Flüge und Hotel bleibt nicht viel Geld übrig», sagt Martinez. Doch reich an Erfahrung, das wird er nach seinem nächsten Kampf mit Sicherheit sein.

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