Das Wetter am frühen Samstagabend im Aarauer Schachen steht sinnbildlich für den Spielverlauf aus Sicht der FC Aarau Frauen: Zuerst kalt geduscht, dann den Gegner kurzzeitig abgetrocknet, ehe wieder starker Regen einsetzte.

Dabei hätte nach den zwei Startniederlagen gegen starke Gegnerinnen aus Zürich (FCZ) und Luzern – diese Teams stehen zurzeit punktgleich an der Tabellenspitze – alles besser werden sollen. Das Team von Andreas Zürcher rechnete sich gegen die Frauen des Grasshopper Clubs Zürich reelle Chancen aus, den ersten Sieg in der noch jungen NLA-Saison einzufahren. Doch bereits nach 20 Spielminuten musste diese Erwartungshaltung relativiert werden. Die Aussicht, der jeweiligen Gegenspielerin in dieser Spielzeit erstmals auf Augenhöhe begegnen zu können, hatte auf die jungen FCA-Spielerinnen eher eine lähmende anstatt eine motivierende Wirkung.  

Schlechtes Umschaltspiel

Anders ist es nicht zu erklären, dass das Heimteam bereits nach einer guten Viertelstunde mit 0:2 im Hintertreffen lag. In der zweiten Minute – während starken Regenfalls - war es ein katastrophales Fehlzuspiel von Aussenverteidigerin Nicole Tiller, der zum frühen 1:0-Führungstreffer für GC führte. „Das kann einmal passieren, aber wir hätten dann aufwachen müssen, was uns leider nicht gelungen ist“, kommentierte FCA-Torhüterin Fabienne Kohler den Kaltstart ihres Teams.

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Die Aarauerinnen blieben fahrlässig und wurden kurze Zeit später erneut bestraft. Dieses Mal war es ein Kollektivfehler, der zum Gegentor führte: Das Umschaltspiel funktionierte beim Heimteam in dieser Szene überhaupt nicht, sodass ein grosses Loch zwischen Mittelfeld und Verteidigung klaffte, welches die GC-Stürmerin Celina Tenini auszunützen wusste.

Aufholjagd dank Jenzer und Lahmici

Nach dem 2:0 liess der Regen und die Unkonzentriertheit der FCA-Frauen beinahe unisono nach. Und prompt als es trocken wurde, schlug das Heimteam erstmals zurück. Julia Höltschi steckte in der 31. Minute ein Zuspiel zu Nati-Spielerin Lara Jenzer durch, die mit einem präzisen Schuss ins linke, untere Eck verkürzen konnte. Wäre Assist-Geberin Höltschi etwas kaltblütiger vor dem Tor gewesen, hätte das Heimteam auch mit einem Unentschieden in die Pause gehen können. Doch die 21-Jährige traf in der 35. Minute nur die Querlatte. FCA-Captain Fabienne Kohler: „Nach dem zweiten Gegentor haben wir 60 Minuten lang eine gute Leistung gezeigt und Vollgas gegeben.“

Diese Leistungssteigerung wurde in der zweiten Halbzeit dann auch endgültig auf dem Totomat ersichtlich: Die Aarauer Abwehrchefin Delia Lahmici köpfte nach einem Fehler von GC-Goalie Nadja Furrer zum verdienten 2:2 ein. Der Ausgleichstreffer hätte eine Zwischenetappe auf dem Weg zum ersten Dreier der Saison werden können. Denn in der Folge waren es die Aarauerinnen, die das 3:2 suchten.

Schwarzer Abend für Tiller

Doch dann setzte wieder der Regen ein und es kam zu einer Szene, die der erst 18-jährigen Nicole Tiller wohl das komplette Wochenende versaute: Die Aussenverteidigerin beackerte im eigenen Strafraum ihre direkte Gegenspielerin solange, bis dem Schiedsrichter gar nichts anderes mehr übrig blieb, als auf Elfmeter zu entscheiden. FCA-Goalie Kohler ahnte zwar die Ecke, konnte den Schuss aber nicht parieren. Sie analysierte den Elfer so: „Das war ein unnötiger Penalty, was bei uns zu einem Zusammenbruch führte.“ Sie nahm ihre junge Teamkollegin aber sogleich in Schutz: „Das kann passieren, wenn man kämpft.“  

Die FC Aarau Frauen waren in der verbleibenden Viertelstunde nicht mehr zu einer Reaktion fällig. Nach der bemerkenswerten Aufholjagd war die Luft nach dem erneuten Rückstand draussen.

Ist Captain Fabienne Kohler eine Schönrednerin?

Dementsprechend bedrückt war die Stimmung nach dem Spiel. Kohler: „Wir sind alle niedergeschlagen. Meine Aufgabe als Captain ist es nun, die Spielerinnen wieder für den Mittwoch aufzubauen.“ Dann treffen die noch sieg- und punktlosen Aarauerinnen auf die Frauen des FC Basel. Eine Herkulesaufgabe. „Wir wollen ihnen das Leben schwer machen und eventuell ein Remis holen, ja vielleicht reicht es sogar für einen Sieg“, sagte Kohler.

Sind das lediglich Durchhalteparolen? Zweckoptimismus einer verzweifelten Spielführerin? Nein. Denn die Aarauerinnen haben das Zeug, an einem guten Tag die schwächelnden Baslerinnen (vier Punkte aus drei Spielen) zu bezwingen.

Wille, Kampfgeist und Können war gegen GC ersichtlich. Wenn es jetzt in Basel über 90 Minuten trocken bleibt, dann könnten nach 90 Minuten auch die ersten drei Punkte im trockenen sein. 

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