Glosse
Beste Freunde, beste Feinde

Sebastian Wendel
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Eine Geschichte vom Duo im Brügglifeld.

Eine Geschichte vom Duo im Brügglifeld.

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Das Duo im Brügglifeld war unzertrennlich. Der Eine, nennen wir ihn Hans, stellte sich bei Kritik jeweils wie ein Schutzschild vor seinen etwas mürrischen Kumpel Heiri und sagte: «Beim FC Aarau versteht den Fussball keiner so gut wie er.»

Das war bis im vergangenen Sommer so. Dann das: Der Start in die Saison verlief miserabel, im Cup erlitt der Klub gar in der ersten Runde Schiffbruch – gegen Amateure vom Land. Ein Sündenbock musste her: Heiri.

Heiri hatte einen Arbeitsvertrag mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Drei Monate Geld fürs Nichtstun, dem Hörensagen nach drei Mal 10 000 Franken. Der abservierte und gekränkte Heiri aber gab sich mit dem Gnadenbrot in Höhe von 30 000 Franken nicht zufrieden. Er wurde beim früheren Verbündeten Hans vorstellig und verlangte Feriengeld. Schliesslich habe er 2017 keinen Urlaub genommen, gemäss Vertrag aber fünf Wochen zugute. Hans hatte dafür nur ein müdes Lächeln übrig.

Heiri akzeptierte, holte aber sogleich zum nächsten Schlag aus. Nun forderte er die Nachzahlung von Spesengeldern. Die Auslandreisen im Auftrag von Hans seien schliesslich nicht gratis gewesen. Um die Erfolgschancen zu erhöhen, nahm sich Heiri sogar einen Anwalt.

Die Folge: Ein emotionaler Mailverkehr, an dessen Ende Hans der Zahlung von 4000 Franken zustimmte. Ein voller Erfolg für Heiri, schliesslich belief sich das erste Angebot von Hans auf 2800 Franken.

Posse vorbei? Denkste! Irgendwann drangen die Details an die Öffentlichkeit. Damit konfrontiert, behauptete Heiri, er habe die 4000 Franken bislang nicht erhalten, und schimpfte über Hans. Dieser wiederum war erbost über Heiris Vorwurf, rief seinen Finanzchef an und tatsächlich: Die 4000 Franken waren längst überwiesen. Aber nicht auf Heiris Konto, sondern auf das Konto seines Anwalts.

Peinlich für Heiri? Mag sein. Aber kein Grund, aufzugeben, er kämpft weiter, sagt, ihm stünden noch 208 Franken aus der Mannschaftskasse zu. Von der Gegenseite heisst es: Keine Chance, das sei Bussgeld für Heiris unerlaubte Aktivitäten in der Kabine: 200 Franken für Handyklingeln. 8 Franken für Cola trinken.