Worüber die Familie Jud bei einem gemeinsamen Essen am Küchentisch in Uster diskutiert? Diese Frage muss eigentlich gar nicht gestellt werden, denn es kann nur ein Thema geben: Handball. Markus Jud ist seit über 20 Jahren Trainer und arbeitet seit dieser Saison beim HSC Suhr Aarau, seine Ehefrau Ruth spielte einst in der Nationalmannschaft und coacht seit vielen Jahren die Frauen des TV Uster. Kevin und Tim, die beiden Söhne, spielen bei Pfadi Winterthur und der HSG Konstanz. «Wir sind eine handballverrückte Familie. Vom Handballsport können wir nicht genug bekommen», sagt Markus Jud.

Hauptberuflich geht der 53-Jährige jedoch keiner Tätigkeit im Handballsport nach. Gemeinsam mit seiner Frau führt der gelernte Maschinenzeichner seit 25 Jahren eine Industriebäckerei. Das Amt als Trainer des HSC Suhr Aarau ist für ihn eine Nebenbeschäftigung – wenn auch eine intensive. Auf rund 30 Prozent schätzt er den Arbeitsaufwand.

Der Druck ist spürbar

Markus Jud wurde mit einer klaren Vorgabe verpflichtet: Er soll mit seinem Team den direkten Wiederaufstieg ins Oberhaus des Schweizer Handballsports schaffen. Alles andere wäre eine Enttäuschung. Dass Jud in der Lage ist, mit einem neuen Team in seinem ersten Amtsjahr den Aufstieg in die Nationalliga A zu schaffen, hat er in Stäfa bewiesen. Dennoch verspürt er derzeit mehr Druck. «Es ist nicht so, dass der Vorstand nach einem schlechten Spiel in der Halle steht, aber der Druck ist stets präsent und das merken auch die Spieler.» Vor allem dann, wenn eine Partie gegen einen vermeintlichen Aussenseiter enger werde als erwartet, würden gerade die jungen Spieler nervös, sagt der Trainer.

Ein solches Spiel war in der Vorrunde das Duell gegen den TV Birsfelden, das mit 27:27 endete. «Dass wir diese Punkte liegen lassen haben, ärgert mich immer noch», sagt Markus Jud. Dies vor allem im Hinblick auf das Aufstiegsduell mit dem TV Endingen. Die beiden Teams liegen derzeit punktgleich an der Tabellenspitze, die Surbtaler weisen jedoch das bessere Torverhältnis auf. In den kommenden Wochen werden sich die beiden Aargauer Spitzenclubs ein Fernduell um den Aufstieg liefern, das spätestens in der letzten Meisterschaftsrunde im direkten Vergleich entschieden wird.

Markus Jud glaubt jedoch, dass das letzte Spiel keinen Einfluss mehr haben wird. «Das Duell wird vorher entschieden. Das Team, das weniger Punkte gegen vermeintlich schwächere Teams liegen lässt, wird aufsteigen.»

Mehr Tempo im Umschaltspiel

Damit am Ende seine Mannschaft jubeln kann, hat Jud mit seinen Spielern eine intensive Vorbereitung auf die zweite Meisterschaftshälfte absolviert. Im Zentrum stand dabei vor allem das Umschaltspiel. «Was die Abwehr angeht, können wir mit den NLA-Teams mithalten. Aber wir haben zu wenig Tempo im Umschaltspiel. Wir erzielen zu wenige Kontertore und sind noch nicht schnell genug beim Zurückrennen», erklärt Jud. Dass der HSC Suhr Aarau durchaus in der Lage ist, auch auf hohem Niveau den Wechsel zwischen Angriff und Verteidigung zu schaffen, hat er mit Testspiel-Siegen gegen die NLA-Vertreter GC Amicitia und Pfadi Winterthur gezeigt.

Sieg zum Auftakt ist Pflicht

Doch Test- und Pflichtspiele sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Dessen ist sich Jud bewusst. «Wir müssen zeigen, dass wir auch gegen schwächere Teams, die wir schlagen müssen, unser Potenzial abrufen können. Das ist vor allem eine Kopfsache.» Am Sonntag (17 Uhr, Schachen) kann der HSC Suhr Aarau den Beweis erbringen: Zum Auftakt nach der Winterpause wartet mit Wädenswil genau einer dieser Gegner, die man schlagen muss, wenn man aufsteigen will.