Der Zuschauerrekord im Brügglifeld? Am 1. November 1987 pilgerten 13 300 Fans ins kleine Kultstadion. Der FC Aarau mit Trainer Ottmar Hitzfeld besiegte Servette am Tag vor Allerheiligen 1:0. Den Treffer erzielte der Neuseeländer Wynton Rufer.

Die Stimmung unter den Zuschauern war hervorragend, ja sogar ausgelassen. Es blieb alles in friedlichem Rahmen. Die wenigen Ordnungshüter führten damals ein Herrenleben. Misstöne gab es nicht. Keine Spur von Scharmützeln, Gewalt, Ausschreitungen oder gar Massenpanik.

Vor 26 Jahren war die Fussballwelt noch in Ordnung. Heute ist das anders. Ganz anders. Man glaubt es kaum: Nach den Umbauarbeiten mit Kosten von 250 000 Franken im Hinblick auf die Saison 2013/14 sind bei einem Heimspiel des FC Aarau gerade mal 8000 Zuschauer erlaubt.

So wollen es die Verantwortlichen der Swiss Football League. «Das ist ein Witz», sagt ein langjähriger Funktionär des FC Aarau, der anonym bleiben möchte. «Ich bin überzeugt, dass man problemlos 10 000 Zuschauern den Zutritt gewähren könnte. Und das ohne jedes Sicherheitsrisiko.»

Aspekte der Sicherheit gehen vor

Tatsächlich? So einfach ist die Sache nicht. Peter Gloor, langjähriger Finanzchef und seit April 2013 Präsident der Platzgenossenschaft Brügglifeld, spricht Klartext und sagt: «Natürlich ist das Areal immer noch das Gleiche.

Aber wir leben in einer anderen Welt. Die Gewaltbereitschaft ist leider viel grösser geworden. Ich weise nur auf die gefährlichen Pyros hin. «Die Zuschauer-Kapazität richtet sich nach den Fluchtwegen. Die Auflagen der Liga werden immer strenger. Das ist richtig. Das muss so sein. Bezüglich Sicherheit gibt es für mich eine Null-Toleranz.»

Fanden schon im ersten Heimspiel dieser Meisterschaft gegen Luzern 8000 Fans den Weg ins Brügglifeld, so dürfte die heutige Partie gegen Leader YB eine fünfstellige Zuschauerzahl anlocken.

Umso mehr, als dass die Wetterfrösche Sonnenschein und angenehme Temperaturen voraussagen. Wer weiss? Vielleicht könnte sogar der Rekord aus dem Jahr 1987 geknackt werden.

18 Franken pro Zuschauer

Aber eben, die Frage ist hypothetisch. Was für den FC Aarau bitter ist: Ob 8000, 10 000 oder gar 13 000 Zuschauer spielt eine grosse Rolle – für den Klub ist jeder Fan bares Geld wert.

Nach Aussage von Präsident Alfred Schmid verdient der FCA pro Zuschauer 18 Franken. Geht man davon aus, dass gegen YB 10 000 Zuschauer ins Brügglifeld kommen würden, gehen dem Super-League-Aufsteiger also 36 000 Franken durch die Lappen.

Mit dieser Summe könnten mindestens die Sicherheitskosten für ein Heimspiel gedeckt werden. Die Quintessenz: Der FC Aarau braucht ein neues Stadion. Und zwar so schnell wie möglich.