Turf

Beim zweiten Aarauer Frühjahrsrennen gibt es eine Dusche statt der Siegerehrung für Wangera

Die deutsche Gaststute schlägt im wichtigsten Aarauer Frühjahrsrennen den Favoriten, zollt aber der Hitze Tribut. In den Hürden siegt Wallach, der von Hansjörg Speck trainiert wird.

Wie erwartet kam der 10-jährige Wallach Blingless gestern in Aarau im Hauptereignis des Tages als Favorit an den Start. Vor zwei Jahren schon Sieger im Grossen Preis des Kantons Aargau und zuletzt in Dielsdorf im Grossen Preis der Stadt Zürich erfolgreich: Vieles sprach für den routinierten Steepler der Ex-Aarauerin Claudia Schorno.

Doch die Turf-Fachleute erinnerten sich, dass Blingless hohe Temperaturen nicht besonders mag. Und gestern herrschten, als das mit 25 000 Franken dotierte Jagdrennen über 4200 Meter gestartet wurde, mit 28 Grad recht sommerliche Verhältnisse.

Von einer temperaturbedingten Unpässlichkeit war nichts zu sehen, als der Favorit gleich zu Beginn unter Anthony Lecordier die Spitze nahm und die vier Konkurrenten auf den ersten zwei Kilometern über die Jagdbahn führte.

Mit viel Schwung vorbei

Die beiden andern einheimischen Pferde, Baraka de Thaix und Shannon Royal (mit dem Aargauer Michael Huber im Sattel), waren anfänglich die ersten Verfolger, doch beim ersten Tribünensprung gingen der tschechische Gast Ledo und die deutsche Stute Wangera mit viel Schwung an den beiden vorbei.

Beim zweiten Mal über den grossen Grünen vor der Tribüne sprang sich Ledo in Front, aber auf der Gegenseite erkämpfte sich Blingless die Spitze zurück. Umgehend griff nun Mark James Quinlan mit Wangera den Favoriten an und die Stute zog im Schlussbogen resolut an Blingless vorbei.

Dieser hielt zwar den Rest des Feldes sicher auf Distanz, die 5,5 Kilo weniger Gewicht tragende Stute enteilte ihm jedoch: Die 6-jährige Wangera, trainiert von Marion Rotering und im Besitz von Francis Fuchs, siegte überlegen mit sechs Längen Vorsprung. Shannon Royal wurde hinter Baraka de Thaix Vierter. Ledo fiel auf den fünften und letzten Platz zurück.

Drohender Hitzekollaps

Auf dem Weg zurück vor die Tribüne war die Siegerin allerdings einem Hitzekollaps nahe. Darauf waren die Pferdesanitäter zum Glück bestens vorbereitet: Innert kürzester Zeit konnte Wangera mit etlichen Kübeln Wasser übergossen werden. Die Siegerehrung musste aber ohne sie stattfinden. Natürlich war Mark James Quinlan sofort abgestiegen und hatte abgesattelt.

Reglementarisch muss das Absatteln auf dem dafür vorgesehenen Absattelplatz erfolgen. Dies, um Schummeleien vor dem sogenannten «Zurückwiegen» des Reiters nach dem Rennen vorzubeugen.

Sanktionsfrei ist das Absatteln auf der Bahn namentlich dann möglich, wenn es unter Aufsicht erfolgt. Das stellte die Rennleitung sicher, indem sich eines seiner Mitglieder sofort zum Ort des Geschehens begab und ein weiteres dem Vernehmen nach die Situation durch das Fernglas beobachtete.

Hürden-Sieg für Hansjörg Speck

Zum zweiten Frühjahrsrenntag im Schachen waren rund 7500 Zuschauer erschienen. Am Totalisator setzten sie gut 85 000 Franken um. Den unglaublichsten Einlauf des Tages bekamen sie im Hürdenrennen zu sehen, wo Vaihau unter Raphael Lingg auf der Einlaufgeraden sozusagen aus dem Nichts auftauchte und mit überragendem Speed den Serien-Hürdensieger Be My Hope noch um satte eindreiviertel Längen auf den zweiten Platz verwies.

Vor zwei Wochen hatte Be My Hope im Schachen ein kleineres Jagdrennen gewonnen, Vaihau hatte damals im Hürdenrennen als Zweiter schon eine gute Figur gemacht. Der neunjährige Wallach gehört Andrea Kretschmer und wird vom Reinacher Hansjörg Speck trainiert.

Die Erlinsbacherin Naomi Heller sass im Sattel von Pablo, der das Inländerflachrennen gewann. Der 6-jährige Wallach ist ein Zuchtprodukt des Niedergösger Söhrenhofs. Für einen Aargauer Sieg sorgte bei den Trabern Desperado du Merle. Es war der erste Vollerfolg des 5-jährigen Wallachs, der dem Stall Bracher in Mülligen gehört, der ihn auch gezüchtet hat. Im Sulky sass Trainer Marc-André Bovay.

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Autor

Ueli Wild

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