Duell im Handball-Cup

Bei Zoltan Cordas und dem TV Möhlin passte zusammen, was nicht zusammen gehört – jetzt kehrt der Trainer als Cup-Gegner zurück

Zoltan Cordas war von 2015 bis 2018 Trainer beim TV Möhlin. Seit dieser Saison coacht er den NLA-Klub St. Otmar St. Gallen.

Zoltan Cordas war von 2015 bis 2018 Trainer beim TV Möhlin. Seit dieser Saison coacht er den NLA-Klub St. Otmar St. Gallen.

Drei Jahre lang war Zoltan Cordas Trainer beim TV Möhlin. Der Österreicher formte aus der mittelmässigen Mannschaft ein erfolgreiches Team, dann verabschiedete er sich in die Heimat. Inzwischen coacht Zoltan Cordas den NLA-Klub St. Otmar St. Gallen. Im Achtelfinal des Schweizer Cups trifft er auf seine einstige Liebe.

Als Zoltan Cordas vor ein paar Wochen spätabends die Whatsapp-Nachricht auf dem Handy sah, wusste er nicht, was eigentlich los war. «Willkommen in Möhlin!», stand da auf dem Bildschirm. Seines Wissens war er zu dem Zeitpunkt noch immer Trainer in St. Gallen, wieso zur Hölle wurde er in Möhlin begrüsst? An was Cordas nicht dachte, war, dass man andernorts gerade die Achtelfinals im Cup ausgelost hatte. Und ihm soeben eine Reise in die eigene Vergangenheit beschert wurde.

Es dauert noch wenige Tage bis zum Spiel seines TSV St. Otmar St. Gallen beim TV Möhlin von Mittwochabend (Anpfiff: 20.15 Uhr), als Cordas diese Anekdote erzählt. Der Österreicher blickt gerne zurück, als sei es die Reminiszenz einer gelungenen Romanze. Von 2015 bis 2018 coachte er in Möhlin, den Anfang, sagt Cordas, vergesse er nie mehr: «Ich stand in der Halle und hatte sechs Torhüter und sechs Feldspieler vor mir.» Chaotisch war es, aber Cordas machte das Beste draus. Aus der Mannschaft, in den Vorjahren knapp dem Abstieg entkommen, formte er ein Team, das sich im oberen Drittel der NLB festsetzen kann.

Es funkte in Möhlin, weil der Sport verband

Zur Geschichte gehört auch, dass in Möhlin zusammen­passte, was auf den ersten Blick nicht zusammenpassen mag. Auf der einen Seite Cordas – ein Exzentriker, der mit Schmäh spricht und dessen Sarkasmus für ungeübte Ohren schwer zu ertragen ist. «Ich weiss, dass ich ein gewöhnungsbedürftiger Mensch bin», sagt Cordas über Cordas. Auf der anderen Seite der TV Möhlin – ein Verein, in dem die Menschen nicht mit markigen Sprüchen auffallen, sondern stolz auf ihre Bodenständigkeit sind.

Trotzdem funkte es, weil der Sport verband. «Handball ist das Thema Nummer 1 im Dorf», sagt Cordas. «Diese Leidenschaft habe ich geliebt.» Auch der TV Möhlin sendet Liebessignale aus, bis heute. «Cordas hat ein Feuer entfacht», sagt etwa Simon Mahrer, der Präsident des Vereins. In diese Funktion kam Mahrer erst, als Cordas schon Trainer in Möhlin war.

Aus dem TV Möhlin machte Zoltan Cordas ein Team, das im oberen Tabellendrittel mitspielen kann.

Aus dem TV Möhlin machte Zoltan Cordas ein Team, das im oberen Tabellendrittel mitspielen kann.

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass es Cordas war, der Mahrer vor drei Jahren dazu ermutigt hat, Präsident des TV Möhlin zu werden. Zuvor hatte Mahrer Büroarbeiten erledigt, er war an den Heimspielen präsent, seine zwei Söhne spielen im Klub. Handballer war Mahrer selbst nie, er machte all das eher aus Pflichtbewusstsein denn aus Begeisterung. «Erst Zoltan weckte diese Euphorie in mir», sagt Mahrer. 2017 wurde er zum Präsidenten gewählt. Bereut hat er das nie.

Irgendwann aber fand die Liaison zwischen Zoltan Cordas und dem TV Möhlin ihr Ende. Cordas erinnert sich, zurück ans Jahr 2018. «Wir hatten eine gute Mannschaft beieinander.» Zwei Saisons in Folge nistete sich der TV Möhlin auf Rang vier ein, was einem mehr als soliden Abschluss gleichkam.

Doch Cordas verspürte Lust auf mehr, er schielte auf den Aufstieg. «Um ganz oben zu bestehen, brauchst du Verstärkungen. Du musst ein paar hunderttausend Franken in die Hand nehmen», sagt Cordas. Das konnte und wollte er vom Vorstand nicht verlangen. «Es wäre nicht fair gewesen.» Cordas wusste, wie verflixt die finanzielle Lage bei einem kleinen Klub wie dem TV Möhlin ist.

Also ging er, ohne Bitterkeit im Gepäck. Und ohne je ein schlechtes Wort über Möhlin zu verlieren. Mahrer würde sagen: «Es war ein würdiger Abgang.» Cordas würde sagen: «Ich spucke nicht in den Teller, von dem ich gegessen habe.»

Cordas merkte schnell, dass ihm der Handball fehlte

Nach dem Abschied aus Möhlin entschied Cordas, eine Auszeit zu nehmen. «Ich war müde», sagt der heute 57-Jährige. Der Weg führte zurück in die Heimat nach Linz. Er genoss die Natur, die Nähe zur Donau. «Ich bin noch nie in meinem Leben so viele Kilometer mit dem Hund gelaufen», sagt Cordas. Es hört sich alles wunderbar an. Doch Cordas begann, sich zu langweilen. Der Handball fehlte ihm. Und wie viel wert kann eine Auszeit schon sein, wenn die Freude ausbleibt? Cordas wollte zurück, und zwar in die Schweiz. St. Gallen war interessiert, und nach dem zweiten Gespräch nahm Cordas die Aufgabe an.

Während der Pause haben sich der Aargauer Handball und Zoltan Cordas nie aus den ­Augen verloren. Cordas reiste oft nach Aarau, wo er früher den TV Suhr coachte und sah sich Spiele des TV Endingen, seines anderen Ex-Vereins, an.

Und klar, auch ins Steinli nach Möhlin kam Cordas wiederholt, rauchte vor der Halle Zigaretten und sprach mit alten Freunden. Er komme immer wieder gerne zurück, sagt Cordas. Das gilt auch für das Cupspiel vom Mittwochabend. Auch wenn er der ein­stigen Liebe für einmal wehtun muss.

Verfolgen Sie  das Cupspiel des TV Möhlin am Mittwochabend (ab 20.15 Uhr) im Livestream auf unserer Website.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1