Beachvolleyball
Sie fühlt sich «mega ready» und will an der U22-EM gross auftrumpfen: Die Aargauerin Shana Zobrist steht vor einem Highlight

Früher machten ihr Knieprobleme zu schaffen, heute spürt sie davon nichts mehr. Shana Zobrist aus Schafisheim schielt mit ihrer neuen Partnerin an den Europameisterschaften in Österreich auf ein Top-Ergebnis.

Alessandro Crippa
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Shana Zobrist (rechts) und Menia Bentele an den Nachwuchs-Schweizermeisterschaften am 22. August 2020, an welchen sie den Titel in der Kategorie U21 geholt haben.

Shana Zobrist (rechts) und Menia Bentele an den Nachwuchs-Schweizermeisterschaften am 22. August 2020, an welchen sie den Titel in der Kategorie U21 geholt haben.

Bild: zvg / Thomas Läderach

Ein besseres Geburtstagsgeschenk könnte es wohl nicht geben, wenn man den Tag schon nicht zuhause verbringen kann. Beachvolleyballerin Shana Zobrist aus Schafisheim feierte am Dienstag ihren 21. Geburtstag und am Donnerstag beginnt die U22-Europameisterschaft im österreichischen Baden. Das Turnier dauert bis am Sonntag. Zobrist sagt: «Es wäre sehr cool, wenn ich mich selbst beschenken könnte.»

Die Nachwuchs-EM bildet den ersten Höhepunkt für die Aargauerin und ihre Basler Partnerin Menia Bentele. Zuvor haben sie sich in der internen Ausscheidung durchsetzen können. Weil sie das bessere der beiden qualifizierten Teams waren, werden die beiden «Schweiz I» an den Start gehen. Das könnte bei der Auslosung hilfreich sein. Aber, sagt Shana Zobrist: «Du musst sowieso gegen alle gewinnen können, um etwas zu erreichen.»

Zur Person

Shana Zobrist, Beachvolleyballerin
zvg

Shana Zobrist, Beachvolleyballerin

Geburtsdatum: 11.05.2000
Grösse: 178 cm
Position: Verteidigung
Erfolge: Schweizermeisterin U21 im Jahr 2020, Schweizermeisterin U19 im Jahr 2019 (indoor)

Was «etwas erreichen» genau heisst, ist nicht ganz klar, nicht einmal für die Spielerinnen selbst. Sie haben sich kein fixes Rangierungsziel gesetzt. Im Gespräch mit Zobrist ist aber herauszuspüren, dass sie eine Top-10-Klassierung als eine Art Pflichtaufgabe ansehen. Die Schofiserin ist aber Realistin genug, um zu wissen: «Die Russinnen werden sicher stark sein und auch die Niederländerinnen, die Deutschen und die Spanierinnen werden gute Duos stellen.» Auf welche Teams die Schweizerinnen in ihrer Gruppe treffen werden, kommt erst am Abend vor dem Turnierstart aus.

Unabhängig der Gruppe seien die beiden wichtigsten Faktoren im Nachwuchsbereich die Nerven und die Konstanz, sagt Zobrist: «In diesen Bereich haben wir in den vergangenen Monaten sehr viel investiert.» Trotz vielen starken Teams, wie eben jenen aus Russland, Deutschland oder Spanien, sei für sie vieles möglich, sagt Shana Zobrist. «Wenn stets auf unser Spiel und unsere Fähigkeiten vertrauen.»

Wenn der Wind zum Vorteil werden könnte

Dass Shana Zobrist und ihre Partnerin Menia Bentele an dieser U22-Europameisterschaft ein Duo bilden, stand zwar schon vor Beginn des vergangenen Sommers im Raum. Vor den nationalen Titelkämpfen gab es einige Änderungen in ihrer gemeinsamen Trainingsgruppe in Basel. Und so fanden zwei ambitionierte Spielerinnen zuällig zusammen. Im August sahnten sie an ihrem ersten Turnier, eben den Schweizermeisterschaften, sogleich den Titel in der Kategorie U21 ab. Es ist deshalb wenig überraschend, dass Zobrist sagt: «Es hat von Anfang an gut harmoniert bei uns.»

Etwas überraschender ist hingegen der Trainingsort der beiden Nachwuchs-Spielerinnen. Wenn sie nicht in Basel trainieren – und das ist vor allem in den Wintermonaten der Fall –, dann feilen Shana Zobrist und Menia Bentele auf Teneriffa an ihrem Spiel, ihrer Präzision und ihrer Kondition. Gerade, wenn man als neues Duo noch die richtigen Abstimmungen finden muss, helfen die vielen Trainingstage auf der Insel. «Davon konnten wir enorm profitieren», sagt Zobrist. Die Wetterbedingungen seien zwar phasenweise schwierig gewesen, aber: «Vielleicht hilft es uns aber irgendwann auch, dass wir schon oft bei windigen Verhältnissen gespielt haben», sagt sie.

Für persönliche Sponsoren warten attraktive Gegenleistungen

Auf Teneriffa ergeben sich dann bei windigen Verhältnissen auch solche Bilder, wie das obige, das Shana Zobrist auf Instagram gepostet hat. Die sozialen Medien gehören heutzutage zur Vermarktung einer Sportlerin dazu und können auch für Sponsoren eine attraktive Plattform werden.

2020 sei für sie kein einfaches Jahr gewesen, bezogen auf die Sponsoren, konstatiert die junge Beachvolleyballerin aus Schafisheim. «Die Sponsorensuche und auch das Halten der bisherigen Unterstützer gestaltete sich wegen Corona schwierig.» Für viele Unternehmen sei dann der Beitrag an sie der erste, der gestrichen würde. Andere hätten sie sogar abgewimmelt und gesagt, sie sollen sich später wieder melden, wenn sie noch besser sind als jetzt. Will heissen: Wenn sie regelmässig international spielen.

Deshalb sind Zobrist und Partnerin Bentele nun auch im Bereich des Crowdfundig unterwegs. Auf ihrer Website bieten sie möglichen Interessenten verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten – inklusive Gegenleistungen wie Autogrammkarten, signierte Fanshirts oder VIP-Tickets für die Beachtour in der Schweiz.

Dass Shana Zobrist und Menia Bentele bereits nach so kurzer Zeit als nominell bestes U22-Duo des Landes an die Europameisterschaften reisen, ist alles andere als selbstverständlich. Das gleiche gilt für die junge Aargauerin selbst: Noch vor drei Jahren plagte sich die heute 21-Jährige mit heftigen Problemen an der Patellasehne herum, fiel eineinhalb Jahre aus. Heute sei ihr Knie «kein Thema» mehr, was sie selbst nie gedacht hätte und wofür sie sehr dankbar ist. Deshalb blickt sie heute zuversichtlich in die nahe Zukunft und die EM in Österreich. Sie und ihre Mitspielerin fühlen sich «mega ready», sagt sie. Und eben: Vielleicht kann sich Shana Zobrist mit einer Medaille gleich selbst das grösste Geschenk zu ihrem 21. Geburtstag machen.