Aarau gewinnt und zum „Man of the Match“ wird der Goalie gewählt. Das sagt alles über diese verrückte Partie im Brügglifeld. Denn so berauschend der FCA in Offensive phasenweise aufgetreten ist: Ohne die mehreren sensationellen Paraden von Djordje Nikolic könnte sich das Heimteam nicht über ein Unentschieden, ja gar über eine Niederlage beklagen.

Der Reihe nach: Der FCA beginnt furios, angestachelt von der Nachricht aus der Westschweiz, dass Lausanne nur ein 1:1 gegen Chiasso erreichte. Die Chance für die Aarauer, auf vier Punkte an den Barrage-Platz heranzukommen. Und sie nehmen den Steilpass auf: In der 12. Minute trifft Stefan Maierhofer zum 1:0: Nach einem Corner von Neumayr zeigt der „Major“, wer der Herr der Lüfte ist, und trifft mit einem präzisen Kopfball.

In diesem Takt geht es weiter: Fünf Minuten später wird Marco Schneuwly nach einer Neumayr-Flanke im Strafraum geschubst – Penalty für Aarau! Olivier Jäckle tritt an und versenkt via Innenpfosten – 2:0. Der FCA im Rausch, ein Kantersieg liegt in der Luft.

Das denken wohl auch die Spieler und vergessen in der Euphorie die Defensive. Schaffhausen kommt zwischen der 21. und 23. Minuten zu drei Topchancen: Zwei Mal rettet FCA-Goalie Nikolic brillant, dazwischen ist es die Latte, die den Anschlusstreffer verhindert. Nachdem Nikolic erneut in extremis rettete, fällt auf der anderen Seite das 3:0 nach einem satten Weitschuss von FCA-Captain Elsad Zverotic. Wahnsinn im Brügglifeld! Das Chancenverhältnis nach 29 Minuten ist ausgeglichen, doch das Heimteam führt 3:0.

Doch dann passiert, was sich abgezeichnet hat: Schaffhausen trifft. Und zwar gleich zwei Mal. Zuerst trifft Del Toro (37.), kurz darauf markiert Sessolo mit einem Kopfball das 3:2 (40.). Erinnerungen an die Schweizer Nationalmannschaft werden wach, die am Dienstag gegen Dänemark innert neun Minuten einen 3:0-Vorsprung aus den Händen gab.

Zum Glück für Aarau pfeift der gute Aargauer Schiedsrichter Fedayi San kurz nach dem 2:3 zur Pause. Die Gelegenheit für das Heimteam, sich zu schütteln, sich neu zu ordnen und nach dem Wiederanpfiff die eigentlich schon entschiedene Partie wieder in sichere Bahnen zu leiten. Das gelingt – Aarau kommt druckvoll aus der Kabine und hat durch Neumayr die grosse Chance auf das 4:2. In der 63. Minute schwächen sich die Gäste selbst, als Sessolo wegen Reklamieren vom Platz fliegt. Schon wieder ein Schaffhauser Platzverweis im Brügglifeld – zur Erinnerung: In der Vorrunde flogen gleich drei Nordostschweizer vom Platz und verhalfen dem FCA so zum ersten Saisonsieg (3:1).

Statt das Ding sicher über die Zeit zu schaukeln, müssen sich die Aarauer noch einmal bei ihrem Goalie bedanken: In Klassemanier verhindert Nikolic das 3:3, als plötzlich Del Toro alleine vor ihm steht. Danach verlassen die Schaffhauser die Kräfte und Aarau verwaltet die Führung. In der Schlussphase vergibt Varol Tasar das scheinbar sichere 4:2, damit bleibt es dabei: Tasar erzielt auch im sechsten Spiel seit dem Bekanntwerden des Transfers im Sommer zu Servette kein Tor. Schwamm drüber, denn wenig später ist Schluss und der FCA behaltet nach einer verrückten Partie die drei Punkte bei sich.

Trainer Patrick Rahmen sagt nach dem Spiel: „Erst einmal bin ich glücklich über den Sieg, am Ende gibt ein 3:2 gleich viele Punkte wie ein 4:0 oder 5:0. Offensiv war die erste halbe Stunde etwas vom besten in dieser Saison. Leider haben wir es in dieser Phase verpasst, seriös zu verteidigen, dadurch ist Schaffhausen wieder rangekommen. Wie kontrolliert wir es nach der Pause runtergespielt haben war, abgesehen von der einen Chance von Schaffhausen, ein Zeichen von Reife.“

Olivier Jäckle, der Torschütze zum 2:0: „Am Anfang ist es uns fast zu gut gelaufen. 3:0 nach 29 Minuten, das kannten wir noch nicht in dieser Saison, da haben wir uns nicht gut angestellt. Klar wäre es schön gewesen, einen Kantersieg zu landen. Aber auch so sind wir zufrieden und bleiben gewarnt, dass jedes Spiel in dieser Liga eng ist. Natürlich haben wir jetzt Blut geleckt und wollen den zweiten Rang erreichen. Es liegt an uns, wenn wir unsere Hausaufgaben erfüllen, haben wir gute Chancen.“

Die nächste Aufgabe erwartet den FC Aarau am Dienstagabend in Kriens – dass es in der Innerschweiz ebenso einfach wird wie in der Startphase gegen Schaffhausen, davon ist nicht auszugehen.

Das sagen Nicolas Schindelholz und Cheftrainer Patrick Rahmen zum 3:2 gegen den FC Schaffhausen:

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