Raphaël Nuzzolo

Raphaël Nuzzolo, das Zugpferd der Neuenburger. Ein Oldie, aber noch immer einer, der den Unterschied ausmachen kann.

Raphaël Nuzzolo, das Zugpferd der Neuenburger. Ein Oldie, aber noch immer einer, der den Unterschied ausmachen kann.

Er traf fast, wie er wollte. Doch dann, als er Neuchâtel Xamax in der vergangenen Saison mit 26 Toren in die Super League geballert hatte und ihm zum letzten Mal auf die Schultern geklopft worden war, dachten die meisten, das sei es für Nuzzolo nun wohl gewesen, das mit dem Toreschiessen.

Denn als die neue Saison im Oberhaus begann, hatte dieser soeben seinen 35. Geburtstag gefeiert, und niemand wäre ihm böse gewesen, hätte er seinem Alter Tribut gezollt und nur noch ab und zu ein Tor geschossen.

Aber «ohalätz»! Der Bieler, der schon als 18-Jähriger zu Xamax gegangen war und mit Ausnahme von fünf Jahren bei YB immer für Rot-Schwarz spielte, lief erneut zu grosser Form auf. Er lieferte dem besten Stürmer Guillaume Hoarau ein hartes Duell um den besten Skorer der Super League.

Während der Berner deutlich mehr Tore schoss, als er Assistpunkte sammelte, war Nuzzolo in Abschluss und Vorbereitung gleich stark. Dass er auch jetzt, wo er in ein paar Wochen 36 Jahre alt wird, noch so auftrumpfen kann, hängt damit zusammen, dass er in seiner langen Laufbahn nur ganz selten verletzt war und er nicht mal weiss, wie sich eine Muskelverletzung anfühlt.

Ganz entscheidend aber war, dass Trainer Michel Decastel den ewigen Flügelspieler Nuzzolo zu einem Stürmer umfunktioniert hatte. Er ist immer noch schnell und dank seiner Erfahrung bleibt er vor dem Tor meist kaltblütig. Das Toreschiessen macht ihm so viel Spass, dass er sich bereits entschieden hat, eine nächste Saison an seine lange Laufbahn anzuhängen.

Längst ist Nuzzolo in Neuenburg eine Identifikationsfigur . «Der Kunstrasen ist auf mich als eher kleinen Spieler wie zugeschnitten. Ich spiele viel lieber auf Kunst- als auf Naturrasen», sagt Nuzzolo. Eine Ausnahmefigur eben auch in dieser Beziehung.

Kemal Ademi

Kemal Ademi hatte gewisse Startschwierigkeiten, weiss mittlerweile aber zu begeistern.

Kemal Ademi hatte gewisse Startschwierigkeiten, weiss mittlerweile aber zu begeistern.

Es scheint, als hätte Xamax im vergangenen Sommer ein ausgesprochen gutes Näschen gehabt, als es Kemal Ademi von Hoffenheims zweiter Mannschaft verpflichtete. Nicht ohne Risiko, denn der Stürmer hatte wegen eines Kreuzbandrisses während eines ganzen Jahres nicht gespielt.

Und es dauerte denn auch bis im Dezember, ehe ihm sein erstes Tor für die Neuenburger gelang. In der Rückrunde aber hat Ademi, der mit seinen Eltern wegen des Krieges vom Kosovo zuerst nach Deutschland geflüchtet und dann nach Herisau weitergezogen war, so richtig auf sich aufmerksam gemacht. Der 23-jährige 1,98-MeterHüne, schnell und kopfballstark, schoss viele wichtige Tore.

Stéphane Henchoz

Ein starker Mann - doch einer mit Prinzipien: Noch Xamax-Trainer Stéphane Henchoz.

Ein starker Mann - doch einer mit Prinzipien: Noch Xamax-Trainer Stéphane Henchoz.

Obwohl ihm der Fussball, den Michel Decastel nach dem Aufstieg in die Super League spielen liess, zu optimistisch und zu wenig abgeklärt war, blieb er als Assistent seinem Chef gegenüber loyal.

Erst als dieser gleich nach dem Rückrundenauftakt gefeuert und Henchoz sein Nachfolger wurde, erklärte er, wie Xamax spielen müsse, um den Klassenerhalt zu schaffen: vor allem defensiver.

Er war als jahrelanger Klasseverteidiger in der Premier League der ideale Mann, um sein Team darauf einzuschwören. Sofort stellten sich Erfolge ein. Xamax flog an GC vorbei, und obschon Henchoz vor ein paar Wochen erfuhr, dass er Ende Saison gehen muss, ist er weiterhin alles andere als eine «Lame duck».

Christian Binggeli

Präsident Christian Binggeli (l.) hat viel gewagt, musste in letzter Zeit deswegen aber auch viel Kritik einstecken.

Präsident Christian Binggeli (l.) hat viel gewagt, musste in letzter Zeit deswegen aber auch viel Kritik einstecken.

Der Präsident von Xamax hat in den vergangenen Wochen von den Medien viele Prügel bekommen. Weil er trotz der Erfolge von Stéphane Henchoz bekannt gegeben hatte, dass in der neuen Saison Joël Magnin Cheftrainer wird.

Das mag in der Tat ein etwas seltsam anmutender Entscheid sein, doch das Projekt von Xamax, künftig mehr auf den eigenen Nachwuchs zu setzen, war bereits aufgegleist und mit Magnin ein diesbezüglich erfahrener Mann engagiert worden.

Doch bei aller Kritik sollte nicht vergessen werden, mit wie viel Herzblut der Dentalmedizinunternehmer Xamax aus den Trümmern der Tschagajew-Ära und der 2. Liga inter bis in die Super League geführt hat.

Frédéric Page

Sorgte bei Xamax für neue Strukturen und verbesserte das Image: Der Aargauer Frédéric Page.

Sorgte bei Xamax für neue Strukturen und verbesserte das Image: Der Aargauer Frédéric Page.

Der Aargauer kehrte nach dem Konkurs von Xamax 2012 nach Neuenburg zurück, wo er bis zur Ankunft von Bulat Tschagajew schon zwei Jahre gespielt hatte. Er spielte in der interregionalen 2. Liga, trainierte den U18-Nachwuchs und nahm Marketingaufgaben wahr.

2014 wurde er Verantwortlicher für den gesamten Nachwuchs. Er sorgte für neue Strukturen und verbesserte das Image. Bevor er Mitte Juni nun Sportchef wird, schliesst er seine Arbeit mit der Neubildung einer U23-Mannschaft (2. Liga inter) ab.

Trainer wird Philippe Perret sein. Aus Respekt gegenüber den aktuellen Führungspersonen äussert sich der 40-Jährige nicht zur sportlichen Situation des Fanionteams.