Challenge League

Balaj-Show, Gashi-Comeback und der FC Aarau auf unrühmlichem Rekordkurs: Das bleibt vom 5:4-Spektakel gegen Lausanne hängen

5:4 gegen Leader Lausanne nach zwischenzeitlichem 1:3 Rückstand - einmal mehr in dieser Saison überrascht der FC Aarau alle! Dieses Mal in positiver Hinsicht: Was bleibt hängen vom Spektakel im Brügglifeld, vom ersten Heimspiel des FC Aarau am Maienzug-Tag?

Liridon Balaj stürzt den Leader endgültig in die Krise

Wetten, dass einige Lausanne-Profis den Namen Liridon Balaj vor dem Anpfiff noch nie gehört haben? Spätestens nach dem dritten Treffer des 20-Jährigen zur erstmaligen Führung für den FC Aarau (4:3 in der 79. Minute) war klar: Vergessen werden die Romands Balaj nun nie mehr. Quasi im Alleingang sorgte der Kosovare dafür, dass Lausanne nur noch fünf Punkte vor Verfolger GC liegt und acht Runden vor Schluss um den sicher geglaubten Direktaufstieg in die Super League zittern muss.

Zur Erinnerung: Beim Re-Start der Challenge League nach der Coronapause betrug der Vorsprung auf die Konkurrenz noch 15 Punkte, seither aber gewann Lausanne keine der fünf Partien und steckt in einer tiefen Schaffenskrise. Mal schauen, wie lange die Lausanne-Bosse dem Treiben noch zuschauen oder ob sie bereits vor dem nächsten Runde in Form eines Trainerwechsels dazwischengehen.

Während die Lausanne-Profis nach der Niederlage von dannen schlichen, tauchte eine gute Stunde nach Schlusspfiff Matchwinner Liridon Balaj hinter der Brügglifeld-Haupttribüne auf: Prompt feierten die hängengebliebenen FCA-Fans ihren neuen Liebling lautstar. In der Hand hielt Balaj den Matchball, das obligate Präsent für einen Dreifach-Torschützen. Nach einigen Fotos mit Fans und einem kurzen Schwatz mit Familie und Freunden verabschiedete er sich ins verdiente freie Wochenende.

Erstes Ausrufezeichen von Shkelzen Gashi

Wenn man abgesehen von der tollen Mannschaftsleistung in der zweiten Halbzeit neben Balaj einen weiteren Gewinner aus FCA-Sicht küren will, dann Shkelzen Gashi: Erstmals seit seiner Rückkehr im Januar stand der 31-Jährige im Matchaufgebot, in der 76. Minute betrat er für den ausgepumpten Peralta das Spielfeld. Kurz darauf erzielte Balaj das 4:3, noch ohne direkte Beteiligung von Gashi. In der 82. Minute aber steckte Gashi herrlich auf Alounga durch, der ebenso sehenswert zum 5:3 traf. Ein erstes Ausrufezeichen von Gashi nach langer Durststrecke - weiter so!

Gegentor-Flut hält an: Nun sind die 60 voll!

Bei allem Lob für die sensationelle Wende gegen den Tabellenführer, Hattrick-Schütze Balaj und Comebacker Gashi darf nicht vergessen werden: Das Aarauer Defensivverhalten lässt weiterhin zu wünschen übrig. Unverständlich die Freiheiten, die in der Anfangsphase Lausannes Topstürmer Andi Zeqiri genoss: Nachdem er in der 2. und 5. Minute noch knapp scheiterte, stand er auch in der 8. Minute im Aarauer Strafraum völlig frei und köpfelte zum 1:0 ein. Beim 1:2 patzerte erst Linksverteidiger Mehidic, dann flutschte Aarau-Goalie Ammeter der harmlose Schuss von Christian Schneuwly durch die Finger. Das 4:5 von Zeqiri in der Nachspielzeit war letzlich nur Resultatkosmetik, aber gleichzeitig das 60. (!) Gegentor des FC Aarau in dieser Saison.

Macht nach 28 Spielen einen Schnitt von 2,14 Gegentoren pro Spiel. Geht es in diesem Stil weiter, wird der FCA Ende Saison 77 Gegentore kassiert haben. Das wäre Rekord in der Challenge-League-Historie des Vereins. Mehr Gegentore seit Einführung der Super und Challenge League vor 17 Jahren gabs einzig in der Saison 2009/10: Damals musste Aarau-Goalie Ivan Benito 88 Mal hinter sich greifen, damals der Hauptgrund für den erstmaligen Abstieg seit 1981. 

Gegen Lausanne erhielt im Abwehrzentrum Francois Affolter eine Bewährungsschance - und fiel durch. Das Gleiche gilt mit Blick auf seine Defensivpflichten für Linksverteidiger Mehidic - offensiv hingegen setzte der Bosnier einige Akzente.

Und Goalie Nicholas Ammeter? Sein Fehlgriff beim 1:2 blieb zu Ammeters Glück folgenlos, ebenso der haltbare Freistosstreffer von Kukuruzovic zum zwischenzeitlichen 1:3. Es ist Ammeters erste Profisaison, sein Talent hat er bewiesen. Gleichzeitig aber lassen Ausstrahlung und Strafraumbeherrschung zu oft zu wünschen übrig. Und insgesamt trug er an zu vielen der 60 Gegentore mindestens eine Mitschuld. Ob das Eigengewächs auch in der kommenden Saison das Tor hüten wird, ist eine der Schlüsselfragen, auf die die sportliche Leitung des FC Aarau in den nächsten Wochen eine Antwort finden muss.

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