Handball
Badens Trainer rüttelt Spieler wach: «Die anderen fighten, wir nicht»

STV Baden wird seiner Favoritenrolle gerecht und bezwingt 1.-Liga-Aufsteiger Brugg mit 29:15. Nach zwei Runden steht der STV gemeinsam mit Willisau an der Tabellenspitze. Brugg belegt mit einem Sieg und einer Niederlage Platz sieben.

Andreas Fretz
Drucken
Teilen
Michael Ott (links) und Manuel Rey (rechts, beide Brugg) gegen Thomas Schmid (Mitte, STV Baden)
4 Bilder
Lorenz Moser (links, Brugg) gegen Thomas Schmid (rechts, STV Baden)
1.-Liga Handball: Brugg - STV Baden
Michael Ott (links, Brugg) gegen Manuel Reichlin (rechts, STV Baden)

Michael Ott (links) und Manuel Rey (rechts, beide Brugg) gegen Thomas Schmid (Mitte, STV Baden)

Alexander Wagner

Knapp 18 Minuten waren in der Brugger Mülimatt gespielt, da sah sich der STV Baden zu einem ersten Time-out genötigt. «Die anderen fighten, wir nicht», versuchte Badens spielender Co-Trainer Björn Navarin seine Spieler wachzurütteln.

Der Aufsteiger aus Brugg führte zu diesem Zeitpunkt 6:3. Und das gegen den übermächtigen Favoriten, der sich in der Saisonpause mit den langjährigen NLA-Spielern Navarin und Manuel Reichlin verstärkt hatte.

Björn Navarins Weckruf

Navarins Weckruf kam an. Und wie. Sechs Minuten später hatte Baden die Führung mit 8:7 an sich gerissen. Nun war es Brugg, das sein Heil im Time-out suchte. «Wenn wir sie zwingen, sich zu bewegen, werden wir locker gewinnen», sagte Navarin diesmal – und sollte recht behalten. Zur Pause führte der Aufstiegsfavorit Nummer 1 zwar lediglich mit 11:8. In der zweiten Halbzeit wurde es aber jenes einseitige Spiel, das allgemein erwartet worden war. Der STV Baden zeigte, dass auch er kämpfen kann und setzte sich im Aargauer Derby deutlich mit 29:15 durch.

«Zu Beginn haben wir uns sehr schwer getan», sagte Badens Trainer Adrian Lehner, der den im Ausland weilenden Cheftrainer Andreas Steiner vertrat. «Es dauerte ein Weilchen, bis wir uns an die speziellen Licht- und Platzverhältnisse in der Halle gewöhnt hatten.» In jener Phase setzte einzig Navarin offensive Akzente. Der Dritte der Torjägerliste der 1. Bundesliga (Saison 2004/05) verhinderte Badens kompletten Fehlstart.

«Die Favoritenrolle haben wir uns mit den Transfers selbst auferlegt», sagte Lehner, «doch einige müssen noch in diese Rolle hineinwachsen.» Lange dauerte es freilich nicht, ehe Baden seinem Renommee gerecht wurde. Ab der 20. Minute setzte sich die individuelle Klasse endgültig durch. Vom 17:12 zum 25:12 gelangen den Gästen acht Treffer in Folge. Brugg biss sich immer wieder an der Abwehr die Zähne aus, Baden kam zu einfachen Kontertoren.

«Der Start in die Partie gelang uns prima», sagte Bruggs Trainer Stefan Richner, «wir haben Baden richtig ärgern können.» Hätte sein Team 60 Minuten lang das gezeigt, was es in der Startviertelstunde bot: Die 150 Zuschauer wären in den Genuss einer äussert attraktiven 1.-Liga-Partie gekommen. Doch mit zunehmender Dauer wurden die Abschlussversuche Bruggs immer verzweifelter, die Gegenstösse Badens dafür umso präziser.

Der STV Baden tut der Liga gut

«Wir haben zahlreiche junge Spieler», sagte Bruggs Trainer, «die noch nie gegen Grössen wie Navarin oder Reichlin spielen durften.» Richner ist überzeugt, dass ein Team wie der STV Baden der Liga gut tut: «Diese Mannschaft ist ein Zugpferd, sie garantiert attraktiven Handball und lockt Zuschauer an.» Nach zwei Runden steht der STV gemeinsam mit Willisau an der Tabellenspitze. Brugg belegt mit einem Sieg und einer Niederlage Platz sieben.